Leserforum

Familien appellieren für Erhalt der Eiselfinger Mittelschule

von Redaktion

Zur Berichterstattung über das Ringen um die Mittelschule Eiselfing:

„Never change a running system“: Kaum jemand, der dieses Sprichwort nicht kennt. Dieses kann man sehr gut auf den Standort der Mittelschule (MS) Eiselfing beziehen. Es kann doch nicht sein, dass ein Schulstandort aufgelöst werden soll, weil sich eine Gemeinde eventuell nicht an den Sanierungskosten beteiligen möchte.

Wohlgemerkt: eine Gemeinde, die schon seit Jahrzehnten ihre Kinder dort zur Schule schickt und wenn man die Zeitung in den vergangenen Tagen gelesen hat, 750 Meter Feldweg für 475000 Euro saniert, was nicht förderfähig ist, oder demnächst einen Bikepark baut.

Seit 2017 ist bekannt, dass das Mittelschulgebäude in Eiselfing saniert oder gar neu gebaut werden muss, dass es sich dabei um ein Millionenprojekt handelt, dazu braucht es jetzt meiner Meinung nach kein abgeschlossenes Studium. Seit Jahrzehnten bietet die MS Eiselfing den Kindern der Gemeinden Schonstett, Amerang und Eiselfing ein stabiles und vor allem ein familiäres Umfeld. Lehrer, die jedes Kind beim Namen sowie das familiäre Umfeld kennen. Ein „geschütztes“ Umfeld, in dem unsere Kinder zu jungen, sozialkompetenten Erwachsenen heranwachsen dürfen. Schulabgänger genießen einen hervorragenden Ruf bei den hiesigen Firmen.

Ich kann überhaupt nicht nachvollziehen, warum Bürgermeister und einige Gemeinderäte auch nur in Erwägung ziehen, diesen Mittelschulstandort nicht zu erhalten. Es kann doch nicht sein, dass unsere Kinder schon wieder der Spielball politischer Entscheidungen und von Geld werden. Gemeinderäte möchten sich doch bitte daran erinnern, dass sie eigentlich das Sprachrohr der Bürger sind und es nicht nur die eigene Meinung ist, die dabei zählt.

Ich hoffe, von ganzem Herzen, dass ein Umdenken stattfindet und das Wohl unserer Kinder an erster Stelle steht und nicht das Geld.

Gaby Hangl

Eiselfing

Als Mutter von drei erwachsenen Kindern und Oma möchte ich einen Aspekt zum Thema „Mittelschule Eiselfing“ äußern. Als Lehrerin war ich in meiner Berufszeit an allen drei betroffenen Schulen Amerang, Eiselfing und Mittelschule Wasserburg eingesetzt. Es steht für mich außer Frage, dass in allen drei Schulen wertvolle Arbeit geleistet wird.

Jetzt zu den Kindern. Für ein gelingendes Leben ist eine stabile Psyche notwendig. Die großen Verlierer der Corona-Pandemie sind die Kinder. Es ist auch wissenschaftlich unbestritten, dass eine naturnahe Umgebung der verwundeten Seele der Kinder hilft, zu heilen. Wenn ich mir die Bilder von den beiden Schulhöfen in Eiselfing und Wasserburg, die im OVB zu sehen waren, vor Augen führe, fällt mir ein gravierender Unterschied auf. In Eiselfing blüht es. Man glaubt, das Summen der Insekten zu hören. Dort in der Mittelschule Wasserburg empfängt mich in meinen Augen ein „Plattensee“ mit spärlichen Pflanzentupfern.

Ich stelle mir die Frage: Wohin würde ich mein Fünftklasskind lieber schicken? Die Antwort kann sich jeder selber geben. Amerang, eine wohlhabende Gemeinde, darf sich nicht von der Frage des Geldes dazu verleiten lassen, die Kinder zum Spielball des Geldes zu machen. Lassen wir die Kinder, unabhängig von Corona, in einer vertrauteren, kleineren Welt, sprich kleineren Schule, erstarken. Sie sind unsere Zukunft.

Mathilde Fürstenberger

Amerang-Evenhausen

Die MS Eiselfing ist seit vielen Jahren Anlaufpunkt für Schüler und Schülerinnen von drei Gemeinden. Aufgrund einer Millionensanierung steht der Standort jetzt in der Schwebe. Zwei der drei Gemeinden denken hier mit Gefühl, Herz und Verstand und setzten sich für den Erhalt dieser sozial wichtigen Schule ein. Leider sieht das eine Gemeinde nicht ganz so.

Meiner Meinung nach stehen hier mehr die Zahlen anstatt die Kinder im Vordergrund und es wird sicher auch nicht langfristig genug gedacht. Die Übertrittzahlen in die MS sind konstant bis steigend in den letzten Jahren und die MS Wasserburg bietet jetzt schon (fast) nicht genug Platz für unsere 115 Kinder. Hier stellt sich die Frage, wie lange die Kapazitäten noch ausreichen werden und welche Kosten dann auf die Gemeinde zukommen.

Jetzt haben die drei Gemeinden einen eigenständigen MS-Verband und können als Gemeinschaft zusammen über Belange ihrer Schule entscheiden – ob dieses Mitspracherecht als „Gastschülerschulen“ in Wasserburg genauso gegeben ist, bezweifle ich stark. Hier geht es nicht darum, die MS Wasserburg schlechtzureden, ich sehe nur die Vorteile unserer Schule für unsere Kinder. Sowohl die Rektorin wie auch die Lehrer kennen jede Schülerin und jeden Schüler persönlich und meistens auch den familiären Hintergrund.

Überwiegend gibt es kleine Klassen, Unterstützung durch eine Förderlehrerin ist gegeben, den Kindern werden hier wichtige Werte vermittelt, das pädagogische Angebot ist umfassend. Auch „schwierige“ Kinder fühlen sich hier wohl und werden unterstützt. Die intakte Schulfamilie zeigt sich auch in den vielen Treffen und Aktionen der Eltern (und Kinder) für den Erhalt der MS Eiselfing. Schule Eiselfing – denn do fui i mi wohl! Zum Wohl unserer Kinder und der folgenden.

Angelika Hanslmeier

Eiselfing

Die Schule in Eiselfing ist eigentlich ein stattlicher Bau und hat bisher für alle Bedürfnisse einer Schule in einer Gemeinde gereicht. Viele Generationen besuchten diese Schule, sie wurde nie so richtig saniert. Wenn die Alten wüssten, dass die Jungen diese schöne Schule mangels Geld auflösen würden wollen, würden sie sich im Grab umdrehen. Die Vorfahren mussten mit weitaus weniger Geld rechnen, als den Jungen heutzutage im Wohlstand zur Verfügung steht. Trotzdem ist für vieles überflüssiges Geld da (etwa für Weltraumtouristik).

Was ist denn eine Gemeinde noch wert, wenn sie ihre Schule verliert, in dem sie in einen anderen Ort integriert wird? Kinder müssen in sehr jungen Jahren mit dem Bus täglich pendeln und Strapazen auf ich nehmen, um elementares Wissen zu erlernen. Dabei sind gerade die gesamten Eiselfinger Bürger ein sehr freundliches und hilfsbereites Völkchen.

Jedes Jahr beispielsweise findet vom Sozialverband VdK die Aktion „Helft Wunden heilen“ statt, in der sie bereit sind, kräftig für Not leidende und sozial schwache Menschen zu spenden. Die Eiselfinger können sehr gut zusammenhalten und sie haben es nicht verdient, dass man ihnen diese Schule, aus der viele intelligente Leute hervorgegangen sind, einfach abschafft.

Der nächste Schritt würde dann die Eingemeindung in die nächstgrößere Stadt bedeuten. Oder liegt es wohl daran, dass Eiselfing keinen Bürgermeister der CSU, sondern der Grünen hat?

Außerdem: 50 Millionen Euro wären für einen Neubau einer Schule auf lange Sicht gut investiert. Beim Fußball war dem FC Bayern Michael Ballack allein 50 Millionen Euro Ablöse wert, aber bei der Schule würden alle zu sparen beginnen.

Christian Kosalec

Rosenheim

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