Isen – Isen bekommt ein eigenes Nahwärmenetz. In den vergangenen Monaten wurde das Projekt so weit vorangetrieben, dass nun der Vertrag zwischen Gemeinde und dem Betreiber, der Isener RegioNahWärme GmbH i. G., unterzeichnet werden konnte.
Hackschnitzel
statt Gas
Die Initialzündung für das Projekt war die Idee, die Schule im Zuge der Sanierung selbst mit umweltfreundlicher Energie zu beheizen. Wie Geschäftsleiterin Christine Pettinger erklärt, war zunächst eine Gasheizung geplant. Der Energie- und Umweltausschuss entschied jedoch, auf nachhaltige und CO2-neutrale Brennstoffe zu setzen. Dafür sollte ein Anbieter gefunden werden, der auch auf seinem Grundstück eine Heizzentrale errichtet und die Versorgungsleitungen verlegt.
„Wir haben das Projekt europaweit ausgeschrieben. Das mussten wir aufgrund des hohen Auftragsvolumens der Schulsanierung“, erklärt Bürgermeisterin Irmgard Hibler. Beworben haben sich zwei Anbieter, qualifiziert habe sich aber nur die Nahwärme-GmbH, die nun in Gründung sei. Der zweite Bieter, der nicht aus der Region kam, konnte die entscheidenden Anforderungen nicht erfüllen, hieß es aus der Verwaltung.
Hinter der Nahwärme-GmbH stecken Markus Lohmaier als Hackschnitzel-Erzeuger und Ideengeber, Andreas Strobl als Planer und Ingenieur sowie Gerhard Fruth. Auf seinem Grundstück am Zieglstadl soll die Heizzentrale errichtet werden.
Von dort aus beginnt ein gut isoliertes Leitungsnetz, das zunächst zur Schule gezogen wird und vorerst in die angrenzenden Straßen verzweigt werden soll. Dafür hat das junge Unternehmen bereits eine Bedarfsabfrage gestartet und Hausbesitzer im Isener Osten in den Bereichen Bergstraße, Josefsbergstraße, Ziegelstätterstraße, Gmainweg, Am Anger, Am Haning bis zur Bischof-Josef-Straße angeschrieben und zu ihrer Bereitschaft für einen Anschluss befragt. „Wenn wir wissen, wer dabei ist, können wir die Kosten genauer kalkulieren“, so Lohmaier.
Angestrebt werde in jedem Fall, die Ausgaben für die Isener Nahwärme unter denen einer privaten Heizanlage zu halten. Für Nutzer habe das den Vorteil, dass die Wärme direkt ins Haus komme, die Aufwendungen für Kesselwartung oder Kaminkehrer würden entfallen. Auch die Preisschwankungen für Erdgas oder Öl spielen keine Rolle mehr, so das Unternehmen.
Das große Ziel sei es, in vielleicht zehn Jahren ganz Isen versorgen zu können, entsprechend dimensioniert wird auch die Heizzentrale. Sie verfügt über dezentrale Speicher, um auch Wärmespitzen abfangen zu können. „Im Erstausbau wird sie etwa 600 Kilowatt thermische Leistung bringen. Das lässt sich steigern, wenn mehr benötigt wird“, erklärt Strobl.
Das Isener Regional-Nahwärme-Netz soll ausschließlich mit nachwachsenden Rohstoffen aus der Region befeuert werden. Das werden Hackschnitzel sein, die aus Holz aus der Landschaftspflege oder aus Käferholz hergestellt werden.
Keine
Nahrungsmittel
„Es werden keine potenziellen Nahrungsmittel, wie beispielsweise Mais, genutzt und auch keine Bäume nur zur Energiegewinnung gefällt“, so Lohmaier. Die Anlage soll ausschließlich mit Hackschnitzeln laufen, ein zweiter Kessel kann beispielsweise Wartungsarbeiten zuschalten. Einen zusätzlichen Gas- oder Öl-Notkessel soll es nicht geben.
Auch die Regionalität spielt eine wichtige Rolle. „Die Schnitzel werden aus einem Umkreis von maximal 50 Kilometern angeliefert“, erklärt Strobl. Jeder angeschlossene Haushalt könne mit nachhaltiger, regionaler Energie zur Verbesserung seines CO2-Fußabdrucks und zum Klimaschutz beitragen.