Haag – Einen seltenen Einblick in die Kinderstube der Haager Störche verschaffte sich der Hobbyornithologe Willy Sagmeister mit einer Auffahrt der Drehleiter der Feuerwehr. Insgesamt sind im Haager Zentrum derzeit drei Storchenpaare zu Hause: auf dem Nest am Parkplatz der Rute, auf dem Kirchendach und auf dem Rathaus am Marktberg.
Der Storch am Kirchenkreuz, den Bürgermeisterin Sissi Schätz Don Camillo nannte, war vom einstigen Rößler-Turm hierher mit Storchenfrau umgezogen. Sie bekamen ein Junges. Ebenfalls einmal Nachwuchs hatte „Peppone“ auf dem Rathausdach, den Willy Sagmeister ins fotografische Visier nahm.
Ein Drama ereignete sich dagegen im Storchennest an der Rute, wo zwei fast erwachsene Jungstörche gestorben sind. Nachbar Alfons Reiter wurde Zeuge: „Das war ein trauriger Anblick, zuzuschauen, wie die Alten die toten Jungen mit den Schnäbeln wieder aufrichten wollten.“
Die beiden Tiere wurden von der Feuerwehr ebenfalls über die Drehleiter geborgen, wie Kommandant Thomas Göschl bestätigte. Zum Tod des Storchennachwuchses hat Willy Sagmeister seine eigene Theorie: „Die beiden sind wohl wegen des zu geringen Nahrungsangebots verhungert.“ Es sei schon merkwürdig, dass drei Storchenpaare in Haag momentan nur zwei Junge aufziehen: „Die haben sonst viel mehr Nachwuchs.“
Das liegt seiner Überzeugung nach an der schwierigen Nahrungssituation: „Die Infrastruktur der Botanik ist durch Pestizide und Überdüngung kaputtgemacht.“ Auf den Wiesen würden die Frösche immer seltener, einen Rückgang gebe es auch bei Regenwürmern und Mäusen. Zudem nehmen Feuchtgebiete zunehmend ab.
Das Storchenpaar im Nest an der Rute, das seinen Nachwuchs verloren hat, ist jetzt nicht mehr mit der Aufzucht beschäftigt und sucht laut Willy Sagmeister einen Ausgleich: Also bauen sie ein neues weiteres Nest auf den Stumpf des einstigen Rößler-Kamins.
Ludwig Meindl