Obing – In der Dauerausstellung im Obinger Heimatmuseum am Rathausplatz sind seit einigen Tagen neue Ausstellungsobjekte zu bewundern. Diplom-Restauratorin Katharina Meier zu Verl von der Archäologischen Staatssammlung brachte den römischen Grabstein ins Museum zurück, der ursprünglich im Obinger Friedhof stand, außerdem zwei Saxe und zwei Spathafragmente, Waffen und Waffenteile, die auf dem Gemeindegebiet gefunden worden waren.
171 Jahre hat es gedauert, bis der Grabstein wieder nach Obing zurückgekommen und seinen neuen Standort im Heimatmuseum gefunden hat. Der Stein besteht aus hellem, feinkörnigem, dichten Kalksandstein, sogenanntem Untersberger Marmor. Er misst 87 mal 46 mal 44 Zentimeter und wiegt 432 Kilogramm, hat an den Seiten norische Volutenornamente und stand bis etwa 1814 als Weihbrunnkessel im Gottesacker, später in der alten Seelenkapelle an der Kienberger Straße.
1845 kam er nach München ins Antiquariat der Residenz. Der Grund hierfür ist bis heute unbekannt. Später war der Gedenkstein im Zweigmuseum Burg Grünwald der Prähistorischen Staatssammlung ausgestellt und fristete zuletzt im Depot in Baldham sein Dasein.
Die Inschrift lautet übersetzt: „Für Maximia Maxima, Tochter des Publius, gestorben mit 35 Jahren, hat Julia Avita, ihre Mutter, (den Grabstein) machen lassen.“ Aus der lateinischen Schrift gefolgert, waren die Frauen also Römerinnen. Das Alter wurde damals meist nur geschätzt, oft nach dem fünfjährigen Zeitraum der Steuerfestsetzung. Volljährig war man mit 25 Jahren, amtsfähig mit 30, aber die Altersprüfung konnte auch „ex aspektu“, das heißt nach dem Aussehen, erfolgen. Das durchschnittliche Sterbealter lag bei Frauen bei 39, bei Männern bei 41 Jahren.
172 waren bereits Christen unter den römischen Legionären in Noricum. Das lässt sich durch Berichte über das „Regenwunder“ in der Markomannen-Schlacht Marc Aurels bei Carnuntum und die Christenverfolgungen des Diokletian erschließen.
Die Waffen und Waffenteile in der Glasvitrine im Museum stammen aus dem frühen Mittelalter und gehören zu einem Fund, der in der Kiesgrube bei Thalham in der Gemeinde Obing gemacht wurde. Dort befand sich im Bereich des jetzigen Waldrandes eine mittelalterliche Siedlung. Saxe sind kurze einschneidige Hiebschwerter, Spathae zweischneidige Langschwerter.
Das Heimatmuseum Obing ist dienstags von 14 bis 17 Uhr und während der Sonderausstellung „Handel und Handwerk in Obing im Wandel der Zeit“ außerdem jeweils am zweiten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Änderungen werden unter www.heimatmuseum-obing.de bekannt gegeben.
Am Sonntag, 8. August, bietet der Obinger Trachtenverein während der Öffnungszeit Kaffee und Kuchen im Trachtenheim im selben Gebäude im ersten Stock an. igr