Obing/Pittenhart/Kienberg – „Ihr seid nicht allein bei der Bewältigung dieser Katastrophe“, betonte Wolfgang Madl. Der Bereichsleiter Forst beim AELF Traunstein hatte die im Revier Altenmarkt stark vom Unwetter betroffenen Waldbesitzer eingeladen, um ihnen bei einem Waldstück in Obing Wege zur Schadensbewältigung aufzuzeigen.
Am 28. Juli habe es glücklicherweise keine Personenschäden gegeben, bei der Aufarbeitung der Schäden habe sich bereits ein Waldbesitzer schwer verletzt. „Hände weg vom Sturmholz“, bekräftigte Madl.
Warnung vor großen Unfallgefahren
Der Umgang mit Windwurfbäumen berge schwer einzuschätzende Risiken und große Unfallgefahren. Deshalb könnten die Schadflächen am schnellsten und sichersten von professionell ausgestatteten und geschulten Forstunternehmern aufgearbeitet werden.
Geduld und Solidarität seien nun gefragt. „Es gibt keinen Grund zur Panik“, betonte Madl. Im Bereich stünden rund 15 Harvester zur Verfügung, die bis zu 300 Festmeter am Tag schafften. Natürlich blute den Waldbesitzern das Herz, aber es sei kein existenzieller Schaden. Durch die Bodenverletzung und mehr Licht könnten Keimlinge aufkommen und sich die Naturverjüngung entwickeln, so Madl.
Förderprogramme würden bei der Aufforstung helfen. „Der Klimawandel mit ausgeprägten Trockenphasen, Stürmen und extremen Witterungsereignissen ist mit so unvorstellbaren Schadensbildern, die man bisher nur aus anderen Ländern gekannt habe, nun auch in diesen Breitengraden angekommen. Insekten und Schädlinge kommen mit diesen Bedingungen gut zurecht. Die Waldwirtschaft muss sich diesen Herausforderungen anpassen.“
Im Revier Altenmarkt wurden vor gut zwei Wochen innerhalb kürzester Zeit alte Baumbestände, darunter auch stabile Laubbäume, in einem Umfang von geschätzt 50000 Festmetern vernichtet. Doch auch viele Nachbarbestände sind laut Madl langfristig betroffen. Der Schatten fehle, es komme zu Sonnenbrand an den Stämmen, die Rinde reiße auf und Schädlinge könnten sich einnisten. Zudem sei durch den Sturm das Wurzelwerk vieler Bäume beschädigt worden.
Genügend Fördertöpfe
„Die Schäden des Unwetters werden uns in den kommenden Jahren begleiten“, sagte Revierleiterin Petra Batheld. Eine Zerstörung in diesem Ausmaß habe sie in den vergangenen 20 Jahren nicht gesehen. Nicht zuletzt deshalb sei der Waldumbau ein großes Thema. „Die Forstverwaltung kümmert sich um Sie“, sicherte Batheld zu.
Man müsse besonnen mit der aktuellen Situation umgehen. Es gebe genügend Maschinen zur Aufarbeitung und Fördertöpfe für die Aufarbeitung und Wiederbewaldung der Sturmflächen. Die Abrechnung erfolge pragmatisch. Es brauche ein wenig Geduld, aber wenn alles aufgeräumt sei, werde sie sich jeden Einzelfall anschauen und die Aufforstung beratend begleiten. Entwarnung kam auch von Remigius Hammerl. „Keine Sorge, der Holzpreis ist stabil und die Sägewerkskapazitäten reichen vollkommen aus“, sagte der Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung Traunsteins.“ Das regionale Ereignis habe auf das verlässliche Preishoch keine Auswirkung. Die Werke seien aufnahmefähig und könnten nach der Urlaubszeit loslegen. Der Käferbefall sei auch kein großes Problem, weil die Jungkäfer heuer nicht mehr ausfliegen würden und damit in den kommenden Monaten genug Zeit zur Aufarbeitung bleibe.
Einsatz des Harvesters ist notwendig
Im Praxistest zeigten zwei Waldfacharbeiter der Forstverwaltung, den Waldbesitzern, die Risiken beim Schnitt des Sturmholzes. „Das Fällen von normalstehenden und in alle Richtungen freien Bäumen ist vergleichbar mit einem Kreisligaspiel im Fußball, Windwurf ist die Champions League“, sagte Reinhard Koch, der im AELF für die Ausbildung von Waldarbeiten zuständig ist. Die Spannungsverhältnisse stellten oft nur schwer einzuschätzende Unwägbarkeiten dar. „Auch wenn ich sonst kein großer Freund davon bin, aber es gibt nur eine Lösung aus dem Gefahrenbereich – und das ist der Harvester.“