Wunsch: Bahntrasse für Radweg nutzen

von Redaktion

Interview zum Jahreswechsel (2) Warum Bürgermeister Kölbl einen langen Atem hat

Wasserburg – Er sei Berufsoptimist, hat uns Bürgermeister Michael Kölbl in Teil eins der Interviews zum Jahreswechsel verraten. In Teil zwei geht es ebenfalls um Themen, für die ein Rathauschef einen langen Atem benötigt.

Größtes Bauvorhaben in der Stadt ist derzeit das neue Großklinikum. Doch es gibt ein großes Problem: keine direkte Busanbindung. Haben Sie noch Hoffnung, dass der gordische Knoten durchgeschlagen wird? Welche Lösung könnten Sie sich vorstellen?

Von Anfang an hat die Stadt Wasserburg immer – sozusagen gebetsmühlendartig – darauf hingewiesen, dass das neue Klinikum eine direkte Busanbindung braucht. Ich bin als Bürgermeister ja Berufsoptimist, die Hoffnung stirbt zuletzt, heißt es ja. Deshalb warte ich jetzt mit großer Spannung und Hoffnung zugleich auf die Planungen des Staatlichen Bauamtes für eine Buserschließung des Haupteingangs über das Gelände. Vielleicht geht es ja doch. Wenn nicht, müssen die bestehende Bushaltestelle barrierefrei umgebaut und eventuell ein Aufzug erstellt werden, um den Klinikeingang barrierefrei erreichen zu können. Auch ein Shuttlebus wäre denkbar. Das Beste ist jedoch eine direkte Anbindung. Eine Lösung muss leider komplexe Herausforderungen nehmen, denn der Stadtbus ist angebunden an den Bahnhof. Er fährt ab Februar im Halbstundentakt, zwei bis drei Minuten Verzögerung sind in diesem Zusammenhang eine Höllenzeit, die Anschlüsse gefährden könnte.

2021 sind viele kommunalpolitische Weichen gestellt worden. Unter anderem für den Halbstundentakt des Stadtbusses und ein neues Tarifsystem. Welche Hoffnung verbinden Sie damit?

Dass der Öffentliche Personennahverkehr besser genutzt wird – so gut, dass noch mehr Menschen vom Auto in Bus und Bahn umsteigen. Das wird jedoch nur funktionieren, wenn auch die Umlandkommunen im Landkreis besser angebunden werden. Der Nahverkehrsplan des Landkreises, für dessen Umsetzung auch Mittel bereit stehen, muss mit Leben erfüllt werden. Er ist leider aufgrund der Pandemie bei der Umsetzung ins Stocken geraten.

Ebenfalls wegweisend: das vom Freistaat unterstützte Modellprojekt, das in Wasserburg Denkmalschutz und Energiewende vereinen will. Glauben Sie wirklich, dass es gelingen wird, aus der Gestaltungssatzung auszubrechen und auf historischen Dächern mehr Fotovoltaikanlagen installieren zu können?

Es geht um keinen Ausbruch aus der Gestaltungssatzung, sondern darum, sie so umzuformulieren, dass vermehrt Fotovoltaikanlagen unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes installiert werden können. Eine große Chance sind hierbei die technischen Fortschritte: Es gibt andere Module als vor zehn Jahren, die sich besser, weil unauffälliger, auf den Dächern anbringen lassen. Wir suchen Bürger, die an dieser Erprobung, die vom Freistaat unterstützt wird, teilnehmen möchten.

Auch die Fahrradfreundlichkeit der Stadt soll verbessert werden – ebenfalls ein schwieriges Unterfangen in einer Flussschleife. Ein großer Wurf wäre eine Brücke über die Kapuzinerinsel. Utopie oder Maßnahme mit Realisierungschance?

Nicht von heute auf morgen, aber grundsätzlich schon. Ich setze aber nicht nur auf die Fußgänger- und Radlbrücke über die Kapuzinerinsel, für mich eine Vision mit Zukunft, sondern auch auf die Trasse der Altstadtbahn. Nachdem eine Reaktivierung vom Tisch ist, auch weil der Freistaat dies aufgrund des schlechten Kosten-Nutzen-Verhältnisses ablehnt, kann die Trasse anderweitig genutzt werden – auch dann, wenn sie wie in unserem Fall weiter als Bahnstrecke gewidmet ist. Ich hätte hier gerne einen Rad- und Fußweg entwickelt. Der Freistaat hat dafür jetzt ein Förderprogramm aufgelegt, das solche Umnutzungen für frühere Bahntrassen finanziell unterstützt. Ich werde dem Haupt- und Finanzausschuss den Vorschlag unterbreiten, dass wir uns bewerben.

Wie heißt es so schön: The same procedere as every year. Dieser Spruch aus „Dinner for one“ gilt auch für das Dauerthema Bahnübergang Reitmehring, Dauer-Interviewfrage der Wasserburger Zeitung im Jahresgespräch mit Ihnen. Wird es 2022 endlich was mit der Umsetzung?

Sicher nicht. Denn nach wie vor fehlt der Planfeststellungsbeschluss. Die Regierung von Oberbayern hat versprochen, dass er 2022 kommen wird. Ich hoffe sehr, dass die Regierung ihr Versprechen einlöst, denn die Planfeststellungsunterlagen sind fertiggestellt und liegen seit einem Jahr vor. Ich muss dazu noch einmal betonen, dass wir als Stadt nicht die Bauherrin sind. Es handelt sich um eine Bundesstraße, der Freistaat ist Bauherr, das Staatliche Bauamt die Planungsinstanz, die Regierung von Oberbayern die Genehmigungsbehörde.

Was hat Sie rückblickend 2021 besonders gefreut, was besonders geärgert? Und was wünschen Sie sich für 2022?

Besonders gefreut hat mich, dass der Stadtrat einstimmig den Halbstundentakt für den Stadtbus und das neue Tarifblatt auf den Weg gebracht hat. Der Stadtrat hat bewiesen, dass er selbst unter diesen schwierigen Rahmenbedingungen einer Pandemie sehr konstruktiv arbeiten und viel bewegen kann. Das ist ein ermutigendes Signal für die weitere Zusammenarbeit. Geärgert habe ich mich oft über Entscheidungen auf Regierungsebene zur Corona-Politik, die wir abends in Pressekonferenzen erfahren haben, die uns dann oft spätabends per Mail mitgeteilt wurden – mit der Erwartung, dass die Verwaltung sie am nächsten Tag bereits umsetzt. Das war manchmal schwer zu verkraften. Für 2022 wünsche ich allen Bürgern alles Gute. Ich freue mich, dass sich die Wasserburger auch in Pandemiezeiten so stark mit ihrer Stadt identifizieren. Ich hoffe, dass wir die Corona-Pandemie 2022 besser in den Griff bekommen, wieder in einen Normalmodus zurückkehren können.

Am wichtigsten für alle ist, das hat uns die Krise außerdem gezeigt, die Gesundheit.

Interview: Heike Duczek

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