Hans Friedl
Wasserburg/Haag/Edling/ Schnaitsee – Olympia ist ein Sportereignis, auf das viele, sowohl Fans als auch Athleten, hinfiebern. Dieses Jahr liegt jedoch ein Schatten über der Veranstaltung. Soll beziehungsweise kann man die Spiele angesichts der Negativschlagzeilen zum Klimafrevel und zur Überwachung von Sportlern, die schon im Vorfeld aus China zu hören sind, unterstützen? Eine Frage, die auch in den Wintersportvereinen der Region kontrovers diskutiert wird.
Vergabe an
„geeignete Länder“
Udo Verbega, Vorsitzender des Sportvereins Schnaitsee und selbst Betreiber eines Sportgeschäfts, ist sauer. Grundsätzlich sei er absoluter Befürworter der Olympischen Spiele. Die Gedanken von Olympia, die Begegnung von Sportlern und Nationen, unterstütze er vollkommen. Aber das, was in China derzeit ablaufe, das sei nicht mehr olympisch. „Der Urgedanke der Spiele ist gestorben“, stellt er klar. Denn die Olympischen Spiele, so Verbega, müssten in „geeigneten Regionen und Ländern“ stattfinden. Und China sei nicht geeignet. Zum einen wegen des Klimas, das Wintersport nur mit hohem technischen Einsatz ermögliche. „Da können wir es in Zukunft auch in Afrika machen, möglich ist ja alles.“ Aber auch politisch sei China ungeeignet.
Zwar findet Verbega, dass es nicht die Aufgabe des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) ist, die Länder politisch zu bewerten. „Aber sie müssen schauen, dass die Athleten mündig sind und sich eigenständig bewegen dürfen.“
Neben dem IOC sieht der Vereinsvorsitzende aber vor allem die Medien in der Verantwortung. „70 Prozent der Einnahmen laufen über Fernsehausstrahlungen“, sagt er. „Wenn die Medien das boykottieren würden, dann wäre die ganze Veranstaltung gestorben.“ Von dem Argument, dass in China ein neuer Markt erschlossen werden kann und Millionen Menschen durch die Spiele dort zum Wintersport finden könnten, hält Verbega nichts. „Das ist doch nur vorgeschützt.“
Doch trotz aller Kritik, die Übertragungen von einigen ausgewählten Sportarten möchte Verbega trotzdem anschauen. „Da steht für mich der Sportler im Vordergrund.“ Diesen gelte es auch zu unterstützen, insbesondere bei dieser Veranstaltung. „Die ist für die Athleten nicht schön.“
Auch Andreas König, Leiter der Abteilung Schneesport im Sportverein Wasserburg, hat vor allem Mitleid mit den Sportlern. „Als Profi würde ich da nicht hinfahren“, sagt König. Er hat aber dennoch Verständnis für diejenigen, die es tun. „Viele, gerade diejenigen, die am Anfang der Karriere stehen, brauchen die Spiele als Sprungbrett.“
Auch König will Olympia anschauen. „Es gibt ja zwei Seiten“, stellt er fest, die des Sportlers und die des Fans. Und als Fan sei es für ihn wichtig, die Sportler zu unterstützen. Noch mehr im Zwiespalt ist Matthäus Urban, Vorsitzender des Skiclubs Haag, denn er hat sogar eine eigene Olympia-Athletin, die es zu unterstützen gilt: Die Biathletin Franziska Preuß ist Mitglied im Verein und nimmt an den Spielen teil, deshalb stehe für ihn außer Frage, die Spiele zu boykottieren. „Den eigenen Leuten muss man die Daumen halten“, sagt Urban, denn die Unterstützung aus der Heimat sei viel Wert für die Sportler.
Dennoch kann sich auch Urban nur eingeschränkt auf die Olympiade freuen. „Ich bin da schon systemkritisch“, stellt er klar. Die Spiele würden mehr und mehr zu einer „Prestigeveranstaltung“ werden, so Urban. „Und das wird auf dem Rücken der Sportler ausgetragen.“