Amerang – Die Gemeinde Amerang geht bei der Entwicklung des Baugebiets Kammer ihren ganz eigenen Weg. Ziel: Flächen sparen, also weg vom Baugebiet mit reinen Einfamilienhäusern auf großen Grundstücken. Der Gemeinderat bekommt bei der Planung großes Lob von der Regierung von Oberbayern.
Unter der Prämisse, Flächen zu sparen und möglichst erschwinglichen Wohnraum für alle Bevölkerungsschichten mit einer ansprechenden Gestaltung und hoher Aufenthaltsqualität in Einklang zu bringen, ist die Errichtung von zwölf Einfamilien- und zwei Doppelhäusern, drei Dreispännern, einem Vierspänner und 14 Mehrfamilienhäusern vorgesehen.
Nutzung auch für Einzelhandel
Zum Vergleich: Mit einer Bebauung mit Einfamilienhäusern entstehen im Durchschnitt etwa acht Wohneinheiten auf einem Hektar. Amerang hat einen durchschnittlichen Wert von 12,6 Wohneinheiten pro Hektar. Mit der Bebauung Kammer werden nun 30 Wohneinheiten pro Hektar erreicht, berichtete die Verwaltung im Gemeinderat.
Vier der 14 Geschosswohnungsbauten sollen vollständig beziehungsweise teilweise für Nutzungen wie Einzelhandel, Gastronomie, nichtstörende Handwerksbetriebe, Büro- und Geschäftsräume, Beherbergung, kirchliche, kulturelle, soziale oder gesundheitliche Zwecke genutzt werden. Die Planung wolle den Bedarf an Wohnraum für Ortsansässige, Alleinerziehende, Singles, Senioren und junge Familien decken, hieß es.
Der Fokus liegt hier vor allem auf dem Geschosswohnungsbau mit kleineren, barrierefreien Wohnungen, die derzeit in der Gemeinde laut Planungsunterlagen praktisch nicht vorhanden sind. Für eine bessere Anbindung an das etwa 1,5 Kilometer entfernte Ortszentrum von Amerang ist ein Geh- und Radweg entlang des Gewerbegebiets geplant. Auch die Busverbindung nach Wasserburg soll zukünftig über den Ortsteil Kammer führen.
Das Planungsgebiet umfasst laut Unterlagen eine Fläche von etwa 4,6 Hektar. Im Zuge der elften Flächennutzungsplanänderung soll der Bereich überwiegend als Wohnbaufläche dargestellt werden. Im Westen, Norden und Osten sind kleinere Flächen für eine Ortsrandeingrünung vorgesehen.
Areal zum Schutz
der Wachtel
Darüber hinaus ist ein etwa 5000 Quadratmeter großes Areal im Rahmen des Artenschutzes zum Erhalt der Wachtel dargestellt. Auch ein Habitat für Fledermäuse ist berücksichtigt. Im Süden schließt die teilweise landwirtschaftlich geprägte Bebauung von Kammer an.
Eine Erschließungsplanung in dieser Intensität, die parallel zum Bebauungsplan mit ausgefeiltem städtebaulichem Konzept und Flächennutzungsplan durchgeführt wurde, ist laut Amerangs Geschäftsleiter Helmut Stadler ein Novum. Der große Vorteil: Alle erforderlichen Planungen seien Hand in Hand gelaufen und die Gestaltung der öffentlichen und privaten Flächen erfolge nach einem landschaftsplanerischen Gesamtkonzept. „Kammer soll ein lebendiger Ortsteil mit Wohlfühlcharakter werden“, laute der Ansatz.
3,66 Millionen Euro wurden nun für die Erschließung veranschlagt, teilte die Gemeinde mit. Davon entfallen etwa 2,4 Millionen auf den Bau von Straßen und Leitungen und rund 1,2 Millionen Euro auf die Herstellung von Gehwegen, Stellflächen und Beleuchtung. Die Kosten würden mit 71 Euro pro Quadratmeter auf die Grundstücksbesitzer umgelegt.
Die barrierefreie Ausführung der Gehwege und Stellflächen soll in einem Mix aus Asphalt, Natursteinpflaster und Kies erfolgen und sich dabei an der Ameranger Ortsmitte orientieren. Die Grünordnung mit Bäumen, Sträuchern und Grünflächen werde das Gesamtbild abrunden. Ortsbild störende „großparkplatzartige“ Ansammlungen von Fahrzeugen sollen mit dem Bau von Tiefgaragen vermieden werden.
Auch dem Hochwasserschutz wurde Rechnung getragen. Die Oberflächenentwässerung und Hochwasser des Doblmühlbachs bei Starkregenereignissen werden über eine Retentionsfläche aufgefangen und anschließend dem Bach wieder zugeführt. Ein niedriger Geländewall und eine Erhöhung der Gebäude sollen die Bebauung zudem vor Hochwasser schützen.
Flächensparen durch Geschosswohnungen
Im Rahmen der eingegangenen Stellungnahmen zum Bebauungsplan- und Flächennutzungsplanverfahren bewertete die Regierung von Oberbayern die geplante Bebauung äußerst positiv. Demnach liege das Hauptaugenmerk auf der Vereinbarkeit und Befriedigung unterschiedlicher Ansprüche an den Wohnraum selbst sowie an das Wohnumfeld. Durch die Errichtung von Geschosswohnungsbauten mit Tiefgaragen könne der Flächenverbrauch reduziert werden.
Die Planung sehe außerdem nicht ausschließlich die Bereitstellung von weiteren Wohn- und Gewerbeflächen vor, sondern es solle vielmehr durch die geplanten kirchlichen, kulturellen oder sozialen Einrichtungen die Gemeinschaft der dort lebenden Menschen gestärkt werden, lautet die Stellungnahme.
Der Gemeinderat Amerang beschloss einstimmig die Änderung des Flächennutzungsplans und den Bebauungsplan und gab grünes Licht für die Erschließungsplanung. Die Entscheidung über eine zentrale Wärmeversorgung wurde dagegen vertagt. Zu den verschiedenen Varianten soll noch eine Wirtschaftlichkeitsberechnung vorgelegt werden.