Wasserburg/Babensham/Haag – Maske auf oder nicht? Diese Gretchenfrage darf ab Sonntag jeder selbst beantworten. Denn bis auf wenige Ausnahmen – zum Beispiel im öffentlichen Nahverkehr – hat Bayern beschlossen, die Maskenpflicht auszusetzen. Die Meinungen zur neuen Gesetzeslage gehen jedoch auseinander, auch bei den Geschäftsleuten im Wasserburger Land. Während einige erleichtert reagieren, wollen andere vom Hausrecht Gebrauch machen und den Zutritt ohne Maske verwehren.
Wieder ein
Stück Normalität
Unter den Erleichterten ist Hans Brunnlechner, Inhaber des Gasthofs Brunnlechner in Babensham – aus einem Grund: Jetzt gebe es klare Regeln, kein Hin und Her, „Söder hat entschieden, Punkt“. Der Gast könne nun beschließen, ob er eine Maske tragen wolle oder nicht. „Jeder ist für sich selbst verantwortlich.“ Er müsse als Wirt nicht länger ständig auf die Regeln aufmerksam machen und auf die Einhaltung pochen.
Auch Sibylle Schuhmacher, Inhaberin des Innkaufhauses, freut sich „über die Normalität“. Sie ist aber zwiegespalten. „Mir ist bewusst, dass die Infektionszahlen aktuell noch sehr hoch sind“, sagt sie. Deshalb und weil gerade sehr viel los sei, rate sie grundsätzlich zum Tragen der Maske. Den Mitarbeitern möchte sie aber die Entscheidungsfreiheit über die Frage Maske ja oder nein, selbst überlassen. „Jeder muss jetzt die Verantwortung übernehmen, aber ich sage auch, dass man vorsichtig sein sollte.“
Jürgen Zettl, Inhaber des Friseursalons Zettl, wird die Maske auflassen, gleiches gilt für Kunden und Mitarbeiter. Diese Entscheidung werde auch von den Angestellten mitgetragen. „Alle meine Mitarbeiter wollen das so.“ Bei den Kunden erwarte er in den nächsten Wochen die ein oder andere Diskussion, doch Zettl steht zu seiner Entscheidung: „Ich habe auch eine Verantwortung gegenüber meinen Mitarbeitern.“ Im körpernahen Dienstleistungsbereich sei das Ansteckungsrisiko ohnehin höher, diese Gefahr wolle er nicht noch durch den Verzicht auf die Maske verstärken. „Wir haben auch jetzt schon mit zehn Prozent personellen Ausfällen zu kämpfen“, erklärt Zettl.
Aber nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch die Kunden würden die Masken aufbehalten wollen, so Zettls Eindruck. „In der vergangenen Woche waren wir immer voll“, sagt er, ein großer Teil dieser Kundschaft hätte noch schnell einen Termin ausgemacht, „bevor die Maskenpflicht wegfällt“. Viele seien verunsichert. „Es gibt ja auch keine Zugangsbeschränkungen mehr wie 3G. Man kann sich also nicht mehr sicher sein, wer neben einem sitzt.“ Hinzu komme, dass die Belüftung in einem Friseursalon in der kalten Jahreszeit nicht so einfach sei. „Wir können nicht so lüften, wie wir gerne wollten“, erklärt Zettl. „Ich habe einfach Angst vor den Aerosolen.“
Kritik an
der Entscheidung
Sehr kritisch sieht auch Angelika Müller-Czap, Inhaberin des Druckzentrums Haag, die Entscheidung der Staatsregierung. „Bei dieser hohen Infektionszahl ist das das völlig falsche Signal.“ Die Maske, so Müller-Czap, sei ein sehr einfacher, unkomplizierter Schutz. Vom Hausrecht werde sie aber dennoch kein Gebrauch machen. „Das kann ich mir nicht leisten.“ In den vergangenen zwei Jahren habe sie schon genug mit Diskussionen zu kämpfen gehabt, diese wolle sie nun nicht noch verstärken. Sie erhoffe sich stattdessen, dass die Quarantänepflicht verkürzt werde, damit sich der Ausfall von Mitarbeitern nicht ganz so gravierend auswirke. Außerdem gelte die Maskenpflicht für ihre Angestellten weiterhin. Auch Christine Deliano, Inhaberin der Backstube in der Hofstatt, hat sich dazu entschieden, die Maske aufzubehalten. „Auch nach der Änderung des Infektionsschutzgesetzes werden meine Mitarbeiter im Haus weiter Maske tragen.“ Die Entscheidung zwischen FFP2- oder medizinischer Maske werde dem Personal überlassen. „Ich selbst werde weiter eine FFP2-Maske tragen, das mache ich ja schon seit zwei Jahren.“ Von der Kundschaft werde dies nicht verlangt.
Deliano begrüßt vor allem den Wegfall der 3G-Nachweispflicht. „Das spart uns Zeit“, sagt sie. Im Geschäft werde aber weiterhin desinfiziert. „An der Verkaufstheke bleiben auch die Plexiglasscheiben zum Schutz der Kunden stehen.“