Ausweichunterkunft geschlossen

von Redaktion

Vor 25 Jahren Erste zehnte Klasse an der Wasserburger Hauptschule macht ihren Abschluss

Innerhalb von drei Tagen mussten mehrere Familien vor 25 Jahren nach Wasserburg umzuziehen, die Ausweichunterkunft im ehemaligen Internat Altenhohenau wurde damals aus Kostengründen abgeschafft. Außerdem hat der Schulversuch der freiwilligen zehnten Klasse an der Wasserburger Hauptschule das erste Schuljahr erfolgreich überstanden. Ein Blick in die Zeitung von vor 25 Jahren.

Wasserburg/Griesstätt – Seit 1992 ist im ehemaligen Internat Altenhohenau eine Ausweichunterkunft für Aussiedler eingerichtet. 52 Deutschstämmige aus Kasachstan und Russland werden dort betreut, bis sie in eine eigene Wohnung ziehen können.

Durch gute Verbindungen sei es bisher gelungen, allen Familien nach ein bis zwei Jahren auf die Beine zu helfen, so eine Mitarbeiterin des Klosters. „Ungleich bessere Möglichkeiten der Integration im Vergleich zu Übergangswohnheimen“, bescheinigt auch Wasserburgs Bürgermeister Dr. Geiger der Einrichtung.

Doch jetzt soll sie aufgelöst werden. Ausweichunterkünfte seien zu teuer, hat das Arbeitsministerium entschieden. Die Familien werden nun in zwei neugebaute Gebäude am Wasserburger Wuhrweg „verlegt“. Dass dort ein Aussiedler-Wohnheim entstehen soll, ist für Bürgermeister Dr. Geiger ein Vertrauens- und Rechtsbruch. Der Stadtrat hatte das Grundstück kostenlos zur Verfügung gestellt, damit der Staat dort ordentliche Wohnungen für die Aussiedler-Familien bauen kann. So sehen die Häuser auch aus: je vier abgeschlossene Drei-Zimmer-Wohnungen mit Küche. Nun aber wird ein Wohnheim daraus: pro Person sieben Quadratmeter und insgesamt 70 Plätze in den acht Wohnungen – Aufenthaltsräume gibt es nicht.

Wasserburg – „Die Schüler haben einen unglaublichen Bildungssprung gemacht“, sagt Gerhard Ruß, der Rektor der Wasserburger Hauptschule. Das freiwillige zehnte Jahr an der Hauptschule sei nach Ansicht von Lehrern und Schülern „ein voller Erfolg.“ 30 Schülerinnen und Schüler hatten sich für den Schulversuch der freiwilligen zehnten Klasse angemeldet. Zum Schuljahresbeginn waren es noch 18, die in das zusätzliche Jahr starten wollen und die Zugangsvoraussetzung einer 2,0 im Quali erfüllten. Sie alle haben durchgehalten und werden nun ihr Zeugnis mit der Mittleren Reife erhalten. Da die Schülerinnen und Schüler aus drei Landkreisen stammen, wurde der Stundenplan flexibel umgestaltet, um ein rechtzeitiges Erreichen der Busse zu ermöglichen. Keine Probleme gab es mit dem Platz, da die Grundschule ausgezogen war.

Weitere Meldungen in der Woche vom 4. bis zum 10. Juli 1997:

Madrid – Der Andrang der Touristen in Spanien nimmt immer größere Ausmaße an. Nach den Rekordzahlen von 1996 steht für diese Reisesaison eine neue Höchstmarke an. Das Tourismus-Ministerium erwartet 42,2 bis 42,6 Millionen ausländische Touristen und damit zwei bis drei Prozent mehr als 1996. Nach einem Plan des Wirtschafts- und Finanzministers will Spanien bis zum Jahr 2000 das „Urlaubsland Nummer eins“ sein, aktuell liegt es gemessen an der Zahl der Touristen an dritter Stelle hinter Frankreich und den USA.

München – Ab 1. September können bestimmte Einbahnstraßen für den gegenläufigen Radverkehr geöffnet werden, wenn sie mit speziellen Schildern gekennzeichnet sind. Verkehrsminister Wissmann appellierte an die Länder und Gemeinden, von dieser Regelung nur dort Gebrauch zu machen, wo der Straßenraum für Autoverkehr und entgegenkommende Radfahrer ausreiche. In München gilt eine derartige Regelung seit drei Jahren bereits in zehn Straßen.

Pasadana – Zum ersten Mal in der Geschichte der Raumforschung erkundet ein mobiles Fahrzeug einen anderen Planeten. Mit eintägiger Verzögerung rollte das Roboterfahrzeug Sojourner auf den Marsboden, um Sand und Gesteine zu untersuchen. Sojourners wichtigstes Instrument ist ein Alpha-Proton-Röntgen-Spektrometer, das größtenteils in Deutschland entwickelt wurde und die elementare Zusammensetzung der Mars-Oberfläche analysieren kann.

Belluno – In der norditalienischen Berggemeinde Pieve di Cadore sehen die Bewohner vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr. Hintergrund ist ein Gesetz, wonach für jedes Neugeborene in Italien ein Baum gepflanzt werden soll. Wie der stellvertretende Bürgermeister Roberto Granzotto mitteilte, ist der Wald inzwischen bis zum Ortseingang vorgedrungen. Nun müssten erneut 20 Bäume gepflanzt werden – so viele Babys kamen 1996 in Pieve di Cadore auf die Welt.

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