Mühldorf/Maitenbeth – Zwei Tote, ein Kranker: Der Landkreis ist zum Bornavirus-Hotspot geworden. Die Häufung der Fälle dieser seltenen Krankheit in Maitenbeth mit nur 2000 Einwohnern hat das Landratsamt und Forschungseinrichtungen dazu gebracht, dort eine Studie zu initiieren. Die Maitenbether sollen dazu eine Blutprobe und Nasenabstrich abgeben und einen Fragebogen ausfüllen.
Das Robert-Koch-Institut spricht von nur zwei bis sechs Infektionen mit der meist tödlich verlaufenden Krankheit deutschlandweit im Jahr. Insofern ist Maitenbeth mit drei Fällen seit 2019 auffällig. Grund genug für die Behörden, dort eine Studie anzufertigen.
Feldspitzmaus
möglicher Überträger
Laut Bayerischem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) kann die Übertragung des Bornavirus über die Feldspitzmaus erfolgen. Infizierte Feldspitzmäuse scheiden die Viren unter anderem über Speichel, Urin und Kot aus. Weitere Verbreitungen durch den Kot von Katzen oder Pferden sind möglich, die Verbreitung von Mensch zu Mensch ist nicht bekannt.
Mit der Studie in Maitenbeth will das LGL in Zusammenarbeit mit der Uni Regensburg herausfinden, ob es – neben den häufig tödlich verlaufenden schweren Gehirnentzündungen – auch noch andere Formen einer Bornavirus-Infektion gibt, die unter Umständen milder oder sogar ganz ohne Symptome verlaufen.
Studie soll Situation
vor Ort beleuchten
Die Studie soll auch zeigen, wie die Situation vor Ort ist und welche Ansteckungswege es gibt. Der Name der Studie: Bospek, das steht für „Studie zum Klinischen Spektrum von Infektionen mit Borna Disease Virus 1“. Die Studie wird aber nur möglich, wenn sich möglichst viele Maitenbether beteiligen, Blutprobe und Nasenrachenabstrich ermöglichen und einen Fragebogen ausfüllen, betont das Landratsamt Mühldorf, das jetzt über die Aktion informiert hat.
Teilnehmen können allerdings nur Menschen über 18 Jahren, die nicht unter Blutarmut leiden. Das habe die Ethik-Kommission der Universität Regensburg zur Vorbedingung für ihre Zustimmung zu der Studie gemacht, teilt Landratsamtssprecher Wolfgang Haserer mit. „Darüber hinaus müssen alle Daten und Proben anonymisiert erhoben und getestet werden. Das heißt, Ergebnisse können nicht auf Teilnehmer zurückgeführt werden.“ Damit erhalten Studienteilnehmer keinen Hinweis auf eine akute Infektion. „Dies liegt im Wesentlichen darin begründet, dass bei einem positiven Befund ohne Krankheitszeichen keine konkreten Empfehlungen ausgesprochen werden können“, erklärt Haserer.
„Nach aktuellem Kenntnisstand lassen sich Antikörper gegen Bornaviren erst im Blut nachweisen, wenn die Infektion schon sehr weit fortgeschritten ist und die betroffene Person sich in einem kritischen Zustand befindet.“
Suche nach Verläufen
ohne Symptome
Es geht bei Bospek also vor allem darum herauszufinden, ob es überhaupt positive Befunde bei Menschen ohne oder mit milden Krankheitszeichen gibt und unter welchen Umständen es zu einem Kontakt mit dem Virus gekommen sein könnte.
Diese Erkenntnisse sollen dazu genutzt werden, gegebenenfalls Empfehlungen zur Verhinderung einer Borna-Infektion zu geben.
„Wir alle wollen weitere Ansteckungen mit dem meist tödlich verlaufenden Bornavirus verhindern. Dafür braucht es weitere medizinische und wissenschaftliche Erkenntnisse“, sagt Landrat Max Heimerl. „Jede Maitenbetherin und jeder Maitenbether kann dazu seinen ganz persönlichen Beitrag leisten.“
Auch Maitenbeths Bürgermeister Thomas Stark bittet die Einwohner seiner Gemeinde um Unterstützung:
Untersuchung
kostet kaum Zeit
„Ich hoffe, dass sich möglichst viele zur Teilnahme entschließen. Für den Einzelnen geht es nur um einen kleinen Piks, einen kurzen Rachenabstrich und ein paar Minuten Zeit“, sagt Stark. „Für uns alle geht es aber darum, Ursachen und Verlauf der Bornavirus-Erkrankung besser zu verstehen.“
Wie es dem Infizierten geht, ist nicht bekannt. „Wir bitten um Verständnis, dass wir zum Gesundheitszustand der erkrankten Person keine Auskunft geben“, heißt es dazu auf Anfrage im Landratsamt.