„Zuhause auf Zeit“ hat schon ein Dach

von Redaktion

Ronald-McDonald-Kinderhaus in Vogtareuth steht im Rohbau

Vogtareuth – Es gibt Diagnosen, die Leben verändern. Von ganzen Familien. In der Schön-Klinik mit ihrem Fachzentrum für pädiatrische Neurologie, Neuro-Rehabilitation und Epileptologie gibt es solche Diagnosen besonders oft. „Unsere kleinen Patienten tragen da nicht nur eine körperliche Last, sondern auch eine psychische – und sie brauchen ihre Eltern und ihre Geschwister“, sagt Professor Dr.Steffen Berweck.

Und genau darum baut die McDonald‘s-Kinderhilfe-Stiftung derzeit neben der Schön-Klinik das 23. Ronald-McDonald-Haus in Deutschland. Mit 20 Appartements eines der größten. Am kleinsten Standort. Die Einwohnerzahl ist egal: „Unsere Häuser entstehen dort, wo der Bedarf ist“, sagt Adrian Köstler, Vorstand der McDonald‘s-Kinderhilfe-Stiftung.

Im Frühsommer 2023
kommt Leben ins Haus

Im März war Grundsteinlegung, jetzt ist der Rohbau weitgehend fertig. Und im Frühsommer 2023 soll es fertig sein, das „Zuhause auf Zeit“. „Bisher läuft die Baustelle planmäßig“, so Köstler. Wie wichtig dieses Zuhause auf Zeit für die Familien ist, das schilderte Johann Lohwieser, dessen Sohn Leo vor neun Jahren mit einem gravierenden Herzfehler zur Welt kam: Die Geschwister ein und drei Jahre alt, das Haus saniert, gerade im Beruf richtig Fuß gefasst, dann kam die Diagnose „und dann lief der Film ab. Wir haben uns nur gefragt, wie das gehen soll.“ Glücklicherweise habe das Deutsche Herzzentrum in München das dortige Ronald-McDonald-Haus gleich ins Spiel gebracht. „Da fanden wir die nötige Ruhe und Struktur, konnten uns mit anderen Eltern austauschen und profitierten unheimlich vom kurzen Draht des Personals im Haus zur Station im Krankenhaus“, so Lohwieser. Die Nummer der Intensivstation wisse er heute immer noch auswendig. Wie es Leo heute gehe, wollte Alexander Mazza, Moderator und seit Jahren Schirmherr des Ronald-McDonald-Hauses am Deutschen Herzzentrum, wissen. „Der hatte gestern Sportfest und ist ein ziemlich normaler Junge“, sagt sein Vater lachend. Der kurze Draht zwischen dem Personal im Ronald-McDonald-Haus und der Klinik ist für beide Seiten wichtig, sagt Tanja Forderer-Barlag, bisher Chefin des Münchner Hauses und nun zuständig für Vogtareuth. Nur so sei es möglich, Eltern besonders zu betreuen, wenn mal wieder eine Operation ansteht oder eine Folgeuntersuchung Klarheit bringen muss über das weitere Vorgehen – oder auch Schicksal. Denn das gehört in den Häusern für die Familien dazu: Sie werden aufgefangen, abgelenkt, umsorgt. Von den wenigen Hauptamtlichen und den vielen Ehrenamtlichen. 30 Frauen und Männer aus der Region möchte Tanja Forderer-Barlag mit ins Boot holen, ein erstes Treffen für Interessenten ist im Herbst geplant.

Dr.Berweck hofft auf einen regen Austausch unter den Familien seiner kleinen Patienten und ebenso mit den Familien, ist das Haus neben dem Klinikum erstmal bezogen. „Und ich bin sehr gespannt, was dann an Forderungen – vor allem in Sachen Kommunikation und Information – an uns Ärzte zurückkommt.“

Rund sechs Millionen Euro kostet allein der Bau des Hauses in Vogtareuth und auch der laufende Betrieb will finanziert werden. Von den Krankenkassen gibt es Tagessätze, knapp über 20 Euro sind das laut Köstler. Dass die McDonald‘s-Kinderhilfe-Stiftung nicht ihr Kapital angreifen muss, dafür sorgen Menschen wie Michael Heinritzi. Der eröffnete vor 40 Jahren sein erstes McDonald‘s-Restaurant in Rosenheim und ist heute mit 50 Lokalen der größte Franchise-Nehmer in Europa. „Für mich ist es selbstverständlich, dass ich nicht nur meinen Erfolg genieße, sondern auch etwas zurückgebe“, so der Unternehmer. Seit 35 Jahren unterstützt er die McDonald‘s-Kinderhilfe-Stiftung. „Da ist es doch wohl ganz klar, dass ich mich auch für das Vogtareuther Haus engagiere“, so der aus dem Landkreis Rosenheim stammende Heinritzi. Der mit seiner Begeisterung auch andere angestiftet hat, zum Beispiel Franz Blattenberger von Alpma in Rott. Der hat eine Baupatenschaft übernommen, denn: „Ich teile mein gut verdientes Geld gerne mit Leuten, die es brauchen. Aber sinnvoll soll es sein.“

Für kleine Patienten
und Geschwister

Sinnvoll ist das Ronald-McDonald-Kinderhaus bestimmt, ist sich Hans Bürger-Schuster, Zweiter Bürgermeister von Vogtareuth, sicher. Er vermietet selber an Eltern, erlebt, wie sehr die Familien auch mal raus wollen, „aber ich kann natürlich nicht die Betreuung leisten, wie die Kinderhäuser das tun.“ Auch wenn seine Ziege Lotti längst zur Attraktion und „Therapieziege“ für kleine Patienten und deren Geschwister geworden ist.

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