Wasserburg – Eine weiße Frau, die in das Auto einsteigt. Nixen, die unschuldige Menschen mit sich in die Tiefe ziehen. Schneewittchen, das bei sieben Zwergen hinter den sieben Bergen wohnt. Märchen, Mythen, Legenden und Sagen gibt es viele. Mal gruselig, mal erheiternd, mal nachdenklich begleiten sie unser ganzes Leben. Und in diesem Jahr auch den Sommer unserer Leser, denn „Urbane Legenden“ sind das diesjährige Thema unseres Wasserburger Ferienrätsels.
Doch warum faszinieren uns Märchen und Mythen eigentlich so sehr? Für die erste Folge unseres Rätsels haben wir mit Ilona Picha-Höberth, Wasserburgs eigener Märchenerzählerin, über dieses Thema gesprochen.
„Die Frage ist eigentlich relativ einfach zu beantworten. Märchen und Mythen spiegeln uns als Menschen und die Welt um uns herum wider“, sagt Picha-Höberth. In Märchen zeigten sich die Erfahrungen von Menschen. „Sie zeigen die Wucht des Lebens in aller seiner Brutalität.“
Brutalität gehört zu
Geschichten dazu
Von den Disney-Märchenadaptationen, dem „Blick durch die rosarote Brille“ hält Picha-Höberth deshalb wenig. „Nehmen wir zum Beispiel die kleine Meerjungfrau von Hans Christian Andersen: In dem Märchen geht es um Seelenschmerz, um das Leid, wenn man sich außen vor fühlt, wenn man sich fühlt, als würde man nicht dazugehören“, erklärt Picha-Höberth. „Und daraus können wir gerade heute, in Zeiten, wo wir uns immer mehr versuchen, selbst zu optimieren und anzupassen viel lernen.“ Disney, so ist die Freiberuflerin überzeugt, gehe naiv an die Märchen heran, verharmlose deren Brutalität. „Zur kleinen Meerjungfrau gehört eben auch dazu, dass sie am Ende ihren Prinzen nicht bekommt, dass das Sehnen nicht aufgelöst wird, weil das unsere menschliche Erfahrung ist.“
Auch der moderne Mensch könne viel von Märchen lernen, glaubt Picha-Höberth. „Sie sind in gewisser Weise Psychologie.“ Die Geschichten würden Richtlinien für viele Situationen geben.
Dabei macht Picha-Höberth keinen Unterschied zwischen Märchen und Mythen, beides gehört für sie zusammen, denn sie seien miteinander verwoben. „In der Zeit, in der Märchen entstanden, waren die Menschen der Natur schutzlos ausgeliefert. Eine Möglichkeit, damit umzugehen, war zu glauben, die Natur sei beseelt.“ So seien übernatürliche Wesen wie die Zwerge entstanden, die sich in der Erde verkrochen. In der Luft habe es Feen gegeben. Das Feuer sei durch Drachen und das Wasser durch Nixen symbolisiert worden. „Die Naturgeister hatten eine unglaubliche Macht. Sie konnten bösartig sein. Sie konnten Menschen töten und entführen oder, wenn sie einem gewogen waren, konnten sie helfen. Sie konnten dafür sorgen, dass das Feld bestellt ist.“
Aber nicht nur die Elemente könne man hier wiederfinden, auch grundlegende Bedürfnisse würden von den Wesen repräsentiert. „Nixen stehen für den Trieb“, erklärt Picha-Höberth. Sie seien sehr verführerische, sexuelle Wesen. „Immer wieder lesen wir in den alten Geschichten von Menschen, die sich in Nixen verliebt haben. Auch gegen jede Vernunft.“
Doch auch auf die heutige Gesellschaft hätten Mythen und Märchen noch einigen Einfluss. „Die christlichen Feiertage gehen alle auf Feste von damals zurück“, so Picha-Höberth, auch der Marienkult sei wohl auf keltische Kulte zurückzuführen. „Die Vorstellung war damals sehr matriarchal.“ Eine der wichtigsten Gottheiten seien die drei Beten oder Bethen gewesen. „Das waren drei Frauen, die das Leben geordnet haben. Von der Geburt, über die Fruchtbarkeit bis hin zum Tod.“ Die Verehrung sei also weiblich geprägt gewesen, etwas, das auch heute noch in der Heiligenverehrung sichtbar werde.
Delfine verwandeln
sich in junge Männer
Doch auch in einem viel greifbareren Sinne hätten Märchen und Mythen noch Einfluss auf unsere heutige Gesellschaft. „Im Amazonas zum Beispiel gibt es den Glauben, dass sich die Flussdelfine nachts in junge Männer verwandeln“, erklärt Picha-Höberth, „in manchen Orten können die Frauen dort, wenn sie den Vater nicht nennen können oder wollen, den Boto, also den Delfin, als Vater eintragen lassen. Dann ist das ganze Dorf für die Erziehung des Kindes zuständig.“ Ein schöner Gedanke, findet Picha-Höberth. „Auch das können wir von Märchen und Mythen lernen: das Kollektive.“
Frage eins: Im Germanischen heißen die drei Frauen, die mit dem Lebensfaden hantieren, Beten oder Bethen, in der griechischen Mythologie gibt es die drei Frauen auch, wie ist deren Name? Wenn Sie die Antwort wissen, dann setzen Sie den zweiten Buchstaben des Wortes in Kästchen 43, den dritten Buchstaben in Kästchen 16 und den vierten Buchstaben in Kästchen 6.