„Ich habe Angst um meine Familie“

von Redaktion

Florian Bauer aus Maitenbeth klagt gegen Landratsamt – Neue Zufahrt zur Kiesgrube

Bürgermeister Thomas Stark Foto Günster

Maitenbeth – Schon seit vielen Jahrzehnten gibt es in der Familie Bauer aus Maitenbeth Unmut über die angrenzende Kiesgrube. Seit den 70er-Jahren wird dort abgebaut. Florian Bauer, der seit jeher nebenan wohnt, ist mit den vielen Fahrzeugen, die direkt an seinem Haus vorbeifahren, aufgewachsen. Schon seinem Opa und seinem Vater war der Abbau ein Dorn im Auge, doch die Familie hat die Dauerbaustelle schweigend hingenommen – zumal der Kiesabbau eigentlich ein Ende finden sollte, wie Florian Bauer berichtet.

2018 stellte das Erdbauunternehmen Gebrüder Klarwein GmbH aus Weßling bei Oberpfaffenhofen beim Landratsamt Mühldorf den Antrag auf Wiederverfüllung der Grube. Dies wurde genehmigt. Daraufhin legte Bauer Klage ein. Für ihn steht fest: Er will diesen Dauerverkehr rund um sein Haus nicht mehr länger ertragen – zumal er selbst zwei kleine Söhne hat. „Meine Buben sind fünf und zwei Jahre alt und rennen den ganzen Tag draußen rum. Sie achten nicht auf den Verkehr. Ich habe einfach Angst um meine Familie. Ich will nicht, dass meinen Kindern etwas passiert“, erklärt der 40-Jährige.

Bis zu 100

Fahrten täglich

Bei der Begehung wird deutlich: Die Lkw müssen direkt am Grundstück vorbei, fahren unmittelbar am Gartenzaun entlang, den Bauer extra anlegen lassen hat. Viel Verkehr ist an diesem Tag nicht. Die Kiesgrube ist geschlossen. Wie viele Fuhren hier abgeladen werden, könne Bauer nur schwer einschätzen „Es ist immer unterschiedlich, im Winter ist natürlich weniger los. Aber zu Hochzeiten sind es täglich bis zu 100 Fahrten“, verdeutlicht Bauer. Für ihn ein Unding. Es gehe ihm auch nicht darum, der Firma Klarwein das Leben schwer zu machen, auch nicht seinem Nachbarn, der die Kiesgrube an das Unternehmen verpachtet hat. „Es geht mir um die Sicherheit meiner Familie“, verdeutlicht er.

Im Juni 2018 reichte Bauer Klage ein. Ende August 2022 kam die Nachricht des Verwaltungsgerichts München: Der Bescheid des Landratsamts Mühldorf wird aufgehoben. Bauer hat sich durchgesetzt – vorerst. Wie es jetzt weitergeht, kann der 40-Jährige noch nicht sagen. Aber er weiß: Er will keine Fahrzeuge mehr, die direkt an seinem Haus vorbeifahren. Darum möchte sich der Maitenbether mit allen Parteien an einen „runden Tisch“ setzen, um eine Lösung zu finden: Das Landratsamt Mühldorf, das Unternehmen Klarwein, sein Nachbar und Verpächter der Kiesgrube, das Fuhrunternehmen Hiermann aus Isen – die zweite Firma, die dort Kies abbaut –, die Gemeinde und Bauer selbst. Gemeinsam würde sich eine Lösung finden, ist er überzeugt. Sein Vorschlag ist, dass die Zufahrt auf die andere Seite des Geländes verlegt werden solle. Das wäre laut dem Familienvater die einfachste Lösung. Das Grundstück, auf dem die neue Zufahrtsstraße entstehen soll, gehört Bauer selbst. Er würde es zur Verfügung stellen – wenn dafür der Verkehr verschwindet. Doch sein Vorschlag sei „auf taube Ohren“ gestoßen, moniert Bauer. „Bis jetzt ist noch nichts passiert“, sagt er.

Bürgermeister Thomas Stark erklärt auf Anfrage der Wasserburger Zeitung, dass die Gemeinde mit Florian Bauer in Verbindung stehe, um sich mit der Thematik – insbesondere die Verlegung der Kiesgrubenzufahrt – auseinanderzusetzen, um eine Lösung zu finden. „Die Gemeinde ist mit allen Beteiligten in dieser Angelegenheit im Gespräch, auch mit Florian Bauer. Die vertretenen Positionen sind vielfältig und unterschiedlich und auch nicht ohne Weiteres unter einen Hut zu bringen. Wir werden die Gespräche weiter führen und mithelfen, eine Lösung zu finden. Auch zu einem Gespräch in größerer Runde sind wir zu gegebener Zeit bereit, hier müsste dann der Kreis aber wohl um die weiteren Anlieger erweitert werden“, so der Rathauschef. „Ich bitte um Verständnis, dass die Gemeinde zum gegenwärtigen Zeitpunkt öffentlich keine Stellung zu einzelnen Lösungsvorschlägen nehmen möchte, da diese ja Gegenstand der weiteren Gespräche sind“, erklärt Stark.

Bauers Nachbar und Verpächter der Kiesgrube wollte sich zu dieser Thematik nicht äußern.

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