Traunstein – Hübsches Granitpflaster, ein freigestelltes Denkmal für Turnvater Jahn und Straßen, die in einen neuen Platz münden: die Pläne des Traunsteiner Stadtrats für den Bereich zwischen Stadtpark und Landratsamt sind schön anzuschauen – und werden umso teurer. Noch im Februar ging man von 729000 Euro an Baukosten aus, in der jüngsten Stadtratssitzung dann die Ernüchterung: das einzige Angebot, das die Stadt von einer Baufirma erhielt, liegt bei knapp 1,13 Millionen Euro.
„Die Schätzung
war völlig daneben“
„Die Kostenschätzung war völlig daneben. Die Drei-Monats-Prognose beim Wetter ist ja treffender als bei diesen Baukosten“, fand Oberbürgermeister Christian Hümmer (CSU) ungewohnt deutliche Worte. Die erste Kostenschätzung stammte vom Traunsteiner Ingenieurbüro SAK – dessen Vertreter Tobias Nöhring gestand ein: „Vor allem beim Granitbelag haben wir die Preise zu optimistisch bewertet.“ Auch Energie- und Lohnkosten würden in der Baubranche jetzt erst so richtig durchschlagen. Außerdem zeigte sich Nöhring „schwer überrascht“, dass nur eine Baufirma überhaupt ein Angebot abgab.
In der Debatte im Stadtrat waren die ersten Wortmeldungen noch eindeutig: „Wir sollten die Reißleine ziehen“, so Simon Steiner (Traunsteiner Liste). Von einem Luxusprojekt, „wo nur etwas schöner werden soll“, sprach er. Gescheiter wäre günstiger Asphalt, statt der Granitplatten. „Eine halbe Million mehr, nur dass etwas narrisch schön wird, das kann ich nicht verantworten“, bekannte auch Simon Schreiber (CSU). Asphalt, wo vorher schon ein Pflaster war? Dagegen stellte sich OB Hümmer aber quer: „Das wäre optisch schlechter als davor und in jeglicher Hinsicht ein Rückschritt.“
Ein weiterer Nachteil bei Asphalt: das Landratsamt ist bereits dabei, seinen Vorplatz neu zu gestalten – mit Granit. Die Bauplanungen von Stadt und Landkreis waren aufeinander abgestimmt, sowohl beim Zeitplan, als auch beim Material. Womöglich läuft es auf den Kompromiss hinaus, den Ernst Haider und Sepp Kaiser (beide UW) vorschlugen: Beton statt Granit. „Bei kugelbestrahlten Betonplatten werden 80 Prozent den Unterschied nicht erkennen, das kostet aber nur die Hälfte“, so Kaiser. Auch München würde großteils Betonplatten verlegen, meinte Ernst Haider.
„Ein Zurück auf
Start wäre möglich“
„Auch ein Zurück auf Start wäre möglich“, klärte Richard Hagenauer von der Bauverwaltung auf. Aber brächte eine neue Ausschreibung ein besseres Ergebnis? Gäbe es überhaupt Angebote von Baufirmen? „Das wäre hochgefährlich – und wir sind in der Terminschiene gefangen. Heuer käme das nicht mehr zur Ausführung“, so Hagenauer.
Robert Sattler (SPD) war sich sicher, dass es dann immer nur noch teurer werde. „Wir sollten uns eine Pause zum Nachdenken geben, ob es Lösungen gibt, die ähnlich gut sind, aber nicht so teuer“, fasste es OB Hümmer schließlich zusammen. Gegen die Vertagung stimmten nur Peter Forster und Nils Bödeker (beide SPD).