Haag – Die Freibad-Brücke im Haager Naturbad soll nach der diesjährigen Saison erneuert werden, „da sie mittlerweile sehr marode ist“, erklärte Bürgermeisterin Sissi Schätz (SPD) in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses. Stefan Vohburger, Landschaftsarchitekt vom Ingenieurbüro NRT, war in der Sitzung anwesend, um den Vorentwurf dazu vorzustellen.
Sonnensegel, Bullaugen, Anker
„Wir wollten keinen Ersatzneubau, sondern eine Gestaltung mit mehr Spielwert“, erklärte Vohburger den anwesenden Ausschussmitgliedern. „Die beiden vorhandenen Wellen- und Steilrutschen bleiben erhalten sowie die Insel, die bereits vorhanden ist“, erklärte er. Ansonsten soll die Freibad-Brücke zu einer Art „Piratenschiff“ umgebaut werden, so der Landschaftsarchitekt. Vohburger schlug eine „langlebige Konstruktion aus Stahl“ vor, die mit WPC – ein Holz-Kunststoff-Gemisch – und Hochdrucklaminat (HPL) verkleidet werden soll. Die Brücke werde verlängert und bekomme eine barrierearme Steigung von 11,5 Prozent. „Ein geringerer Anstieg ist nicht möglich, da sie sonst zu lang wird“, erklärte er. Im Zuge der Umbauarbeiten werde auch die Wassertechnik, wie Pumpen und Leitungen, erneuert sowie das gesamte Fundament des Bauwerks, so der Landschaftsarchitekt. Weiter könne sich der Experte ein Sonnensegel, Bullaugen, Anker, Fahnen und Kanonenöffnungen vorstellen, um das „Piratenthema“ aufzugreifen.
Darüber hinaus seien transparente Geländer mit Netzen aus Edelstahl zur Absturzsicherung und eine weitere „Kurvenrutsche“ angedacht. Um die drei Rutschen gebe es am Boden einen Fallschutz aus Riesel, außerdem bekomme die Insel eine Einfassung – ebenfalls als Absturzsicherung. Über eine Leiter soll der Bereich am „Bug des Bauwerks“ zugänglich gemacht werden, damit dort das Personal beispielsweise Rasen mähen könne. Des Weiteren sei angedacht, Findlinge zu pflanzen und eine Blühwiese anzulegen, so der Architekt.
Kostenpunkt: 285000 Euro. Auch der Zeitplan sei „sportlich“, meinte Vohburger. „Bis Ende Mai muss die Planung stehen, dann könnte es im Sommer in die Ausschreibungen gehen. Im November würde dann die Vergabe stattfinden, dann könnte vor Wintereinbruch mit den Umbaumaßnahmen begonnen werden“, erklärte er. „Wenn alles klappt, wäre die Erneuerung im April 2025 – pünktlich zum Start in die Freibad-Saison – fertiggestellt.“ Das Gremium zeigte sich grundsätzlich von dem Konzept angetan. Großes Manko: der Kostenfaktor. „Ich habe vor zwei Jahren vorgeschlagen, einen Zimmerer zu beauftragen. Mit knapper Mehrheit hat sich dann das Gremium für das Architektenbüro entschieden“, sagte Klaus Breitreiner (CSU). „Ich finde den Vorschlag gut. Das kann man machen, wenn man Geld und Zeit hat. Das haben wir nicht. Wir haben einen gewaltigen Investitionsstau, andere Projekte sind dringender“, betonte er. Die Bürgermeisterin, die sich „begeistert“ von der Planung zeigte, entgegnete, dass ein Zimmerer keine komplette Rutschenanlage mit Steg bauen könne. „Da geht es um Statik, wir brauchen neue Leitungen und Pumpen“, erklärte sie. „Nur die Reparatur der Brücke ist schlichtweg nicht mehr möglich. Wir hatten die Idee, etwas Langlebiges zu schaffen. Bei einer Holzkonstruktion muss man in 20 Jahren wieder alles erneuern“, so Schätz.
Michael Haas (CSU) meinte, dass das Konzept „prinzipiell hübsch“ aussehe. Er sei aber nicht begeistert vom Einsatz von WPC und HPL. „Da sagt jeder Schreiner, das ist das größte Glump. Ich kenne selbst genügend Leute, die ihre Terrassen erneuern mussten, weil das Material gegen UV-Strahlung und Nässe nicht beständig ist“, sagte er.
Dem stimmte Andreas Sax (CSU) zu. „Das Material ist nicht dauerhaft“, beanstandete Sax. Weiter kritisierte er den „zeitlichen Druck“. „Anderthalb Jahre haben wir auf den Vorentwurf gewartet und jetzt eilt es auf einmal“, sagte er. Vohburger meinte, dass er mit WPC und HPL „bisher gute Erfahrungen“ gemacht habe. Außerdem könne dieses Material die Rutschfestigkeit garantieren, Holz müsse dementsprechend bearbeitet werden.
Egon Barlag (FWG) brachte die Argumente seiner Ratskollegen auf den Punkt: „Der Vorentwurf ist beeindruckend, die Kosten ernüchternd.“ Weiter fand er, dass die Gestaltung des Ingenieurbüros „zu üppig“ für das Haager Naturbad sei. „Diesem Entwurf kann ich so nicht zustimmen. Wenn nachgearbeitet wird und entsprechendes Zubehör wegkommt, können wir sicherlich einen Kompromiss finden.“
Die Bürgermeisterin meinte, dass es auch möglich wäre, „nur eine nackte Brücke“ zu bauen. „Trotzdem ist unser Naturbad ein Aushängeschild für Haag. An heißen Sommertagen halten sich dort bestimmt rund 700 Badegäste auf. Ich kenne kein Freibad, das so eine Ausstattung hätte, wie hier vom Ingenieurbüro vorgeschlagen. Es ist eine gute, langfristige Ausgabe. Wenn wir die Kosten von rund 300000 Euro auf die nächsten 20 Jahre herunterbrechen, ist es kein großer Betrag“, sagte sie. „Wann haben wir zuletzt nur etwas für Kinder und Heranwachsende gemacht – abgesehen von den Kitas?“, fragte sie in die Runde. Vohburger erklärte, dass verschiedene bauliche Maßnahmen eingespart werden könnten. Der Landschaftsarchitekt rechne mit folgenden Preisen: zusätzliche Rutsche 10000 Euro, Sonnensegel 25000 Euro, Verkleidung des Schiffs mit HPL 10000 Euro, Zubehör wie Bullaugen, Anker und Fahnen 5000 Euro, Findlinge rund 3000 Euro, zählte er auf. Beim Wechsel des Belags von WPC auf Holz würden rund 8000 Euro wegfallen. „All das könnte eingespart werden“, so der Landschaftsarchitekt.
Steg soll barrierefrei zugänglich sein
Siegfried Maier (SPD) fragte nach, um wie viel länger die Brücke werden würde, wenn die Steigung um nur 2,5 Prozent herabgesetzt werde. Vohburger meinte, dass der Steg dann trotzdem um ein Drittel länger werde. „Also leider nicht machbar“, meinte er. Maier bat darum, eine andere Lösung – beispielsweise eine Serpentinen-ähnliche Rampe – auszuarbeiten, damit der Steg barrierefrei zugänglich sei.
Der Bauausschuss stimmte dafür, die weitere Planung mit folgenden Vorgaben umzusetzen: Die drei Rutschen bleiben im Konzept erhalten (5:4), das „Piratenschiff“ soll in Holzausführung gebaut werden (einstimmig) und die Fallschutzkante an der Insel soll weggelassen werden (5:4). Weiter stimmte das Gremium mit 8:1 Stimmen für einen Entwurf mit mehr Barrierefreiheit.