Theatergemeinschaft Amerang zeigt „Gspenstermacher“

von Redaktion

Bekannter bayerischer Schwank von Ralph Wallner regt zum Nachdenken an und strapaziert Lachmuskeln

Amerang – Die Ameranger Theaterer sind bekannt dafür, dass sie Wert auf Abwechslung in der Stückauswahl legen und dabei Komödiantisches sowie Nachdenkliches ihrem Publikum präsentieren. Nach der englischen Komödie im vergangenen Jahr fiel ihre Wahl in der diesjährigen Theatersaison auf den bayerischen Schwank „Gspenstermacher“ des zeitgenössischen Autors Ralph Wallner, der schon den „Komödienstadel“ mit seinen Stücken bereicherte. „Gspenstermacher“ wurde mit dem Chiemgauer Volkstheater ebenfalls im Bayerischen Fernsehen wiedergegeben.

In der Ameranger Aufführung wurde schnell klar, warum dieser lustig-makabre Schwank den Weg in das Repertoire bayerischer Laienbühnen gefunden hat. Schließlich liefert er über den Spaßfaktor hinaus wichtige Informationen fürs Leben. So erfährt der Zuschauer unter anderem, wie es zugehen kann, dass es tatsächlich Gespenster gibt und dass dies durchaus positive Auswirkungen auf das Alltagsleben einer Dorfgemeinschaft haben kann. Denn die eher unfreiwillig zu Gespenstern gewordenen Hauptfiguren, die Moorwirtin und die reiche Witwe – im Vorleben Konkurrentinnen um den selben Mann, der allerdings gar nicht heiraten will – versuchen das Beste aus ihrer neuen Lage zu machen, und sind bestrebt, die Lebenden so zu beeinflussen, dass das Geschehen zu einem guten Ende für diese kommt.

Nicht verwunderlich, dass in dem Stück viel Situationskomik geliefert wird, zumal die Gespenster nur für einige der weiteren Sprechenden und Handelnden sichtbar und fühlbar sind. Eine spezielle Komik entsteht darüber hinaus durch die witzigen, treffenden, aber doch tiefgründigen Kommentare der zu Gespenstern gewordenen Hauptfiguren. Diese Besonderheit des Schwanks wird in Amerang ausgebaut und ergänzt durch textliche Erweiterungen von Regisseur „Yps“ Hronek und aus den Reihen des Schauspieler-Teams.

Mit Wortwitz und Wortspielen wird das Geschehen eingeordnet und es werden Lebensweisheiten vermittelt. Als besondere Zutat der Ameranger kommen Gstanzl dazu, gesungen von Hauptdarstellern, selbst mit der Ziach begleitet.

Der Genuss für die Zuschauer liegt nicht nur in dem trotz des ernsten Hintergrundes vergnüglichen Geschehens der Komödie, sondern in der ausgefeilten schauspielerischen Darbietung durch das Ensemble unter der Spielleitung von „Yps“ Hronek, assistiert von Franz Strell.

In der Darstellung von Karina Köhldorfner als resolute Moorwirtin wird deutlich, dass deren strenges Regiment in der Gastwirtschaft und der vernünftige Umgang mit ihrer neuen Situation als Gespenst zwei Seiten derselben positiven Charaktereigenschaften sind. Auch Angelika Schmid versteht zu vermitteln, dass die reiche Witwe trotz ihres eingebildeten Getues ihren Mitmenschen zugewandt ist.

Quirin Fröwis und Leonhard Fischbacher dosieren die Skurrilität der Totengräber im richtigen Maße. Sie und Monika Rechl als wahrsagende Philomena, Hermann Zielinski als unwilliger Heiratskandidat und Magdalena Noppl und Roman Wurmannstetter als verliebtes Paar geben dem Zuschauer das Gefühl, dass im Kosmos dieses kleinen Dorfes doch alles seine Ordnung hat.igr

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