Wasserburg – „Oma, es ist etwas Schreckliches passiert“, „Hallo Mama, ich habe mein Handy verloren“: Diese Einleitungen für Betrugsmaschen sind inzwischen wohl jedem bekannt. Entsprechend kreativ müssen Trickbetrüger beim Versuch, Geld von ihren Opfern abzugreifen, werden. Der neusten Methode wäre beinahe auch Sophia Huber, Reporterin der Wasserburger Zeitung und von wasserburg24.de, aufgesessen. So hat sie die Situation erlebt:
Hintergrund für mich war eigentlich ein schöner Anlass: Eine Freundin von mir möchte heiraten. Die standesamtliche Hochzeit soll in Franken, im Heimatort der Braut, stattfinden. Zweieinhalb Stunden Autofahrt entfernt. Gemeinsam mit einer weiteren Freundin, die ebenfalls aus Wasserburg anreisen will, beschloss ich deshalb, ein Hotel für zwei Nächte zu buchen. Das ist entspannter, dachte ich. Dann müssen wir nicht in aller Herrgottsfrühe losfahren und am nächsten Tag können wir noch ausschlafen.
Doppelzimmer für
zwei Nächte
Gesagt, getan. Ich buchte über die Online-Plattform „Booking.com“. Ein Doppelzimmer für zwei Nächte, insgesamt 216 Euro. Bezahlt habe ich über das Bezahlsystem „Paypal“. Es war nicht das erste Mal, dass ich die beiden Portale verwendet habe. Bisher habe ich immer gute Erfahrungen damit gemacht.
Dem Hotel in Franken schickte ich noch eine Nachricht, in der ich erklärte, dass wir am Anreisetag recht spät etwa gegen 21 Uhr ankommen werden. Wenige Stunden später bekam ich eine E-Mail vom Hotel zurück, in der meine Buchung und der späte Anreisezeitpunkt bestätigt wurden. Ich trug den Termin in meinen Kalender ein, damit war die Sache für mich abgehakt.
Doch wenige Wochen vor der Reise bekam ich eine neue E-Mail, die bei Booking.com im Nachrichtenverlauf mit dem Hotel auftauchte. „Liebe Sophia Huber“, heißt es dort. „Wir haben unsere Buchungsbedingungen geändert.“ Mit knappen Worten wird erklärt, dass die Unterkunft nun lediglich Kreditkartenzahlungen akzeptiere und ich entsprechend neu überweisen sollte.
Das gelte auch, wenn ich bereits bezahlt habe. Die ursprüngliche Zahlung würde ich binnen drei Tagen zurückerhalten. Es folgte die Bitte, die Überweisung innerhalb von 24 Stunden zu tätigen, ansonsten würde meine Buchung verfallen. Das vermeintliche Hotel entschuldigt sich noch für die Unannehmlichkeiten, dann folgt der Zahlungslink.
Ich bin ehrlich: Für wenige Sekunden habe ich den Betrugsversuch nicht erkannt. Die E-Mail sah echt aus, zeigte sogar als Absender das Hotel an und nutzte das altbekannte Logo von Booking.com. Die Daten der Unterkunft, mein Reisezeitraum, sogar der Betrag von 216 Euro stimmte. Für einen Moment habe mich deshalb sogar über die Umstände geärgert, weil ich keine Kreditkarte besitze. Wahrscheinlich ist es diese Tatsache, die mich gerettet hat. Denn noch während ich mir überlege, was ich nun tun soll, werde ich stutzig: Warum sollte das Hotel plötzlich die Buchungsbedingungen ändern?
Geld ist
schließlich Geld
Warum sollte das auch bereits getätigte Buchungen betreffen? Und warum sollte die Unterkunft meine Paypal-Zahlung nicht mehr wollen? Geld ist schließlich Geld. Am nächsten Tag kam schließlich die Bestätigung von Booking.com. Die Unterkunft schrieb mir, dass es bei mehreren Fällen zu Betrugsversuchen gekommen sei. Es handle sich hierbei also um einen Phishing-Versuch. Ich solle auf keinen Fall erneut zahlen. Wenn ich es schon getan hätte, dann müsse ich meine Kreditkartenfirma kontaktieren. Ich habe also noch mal Glück gehabt, aber diese Erfahrung zeigt wieder: Niemand ist vor Betrugsmaschen geschützt. Es kann jeden treffen.