Frabertsham – „Walch erneuert Hoibedoach“ – zumindest im schneidig-melodischen Singspiel im Frabertshamer Feuerwehrhaus. Gewohnt lustig und scharfzüngig hielten die Akteure von „Schneidig Hoibedoach“ der heimischen Polit- und Feuerwehrprominenz den Spiegel vor. Michi und Hias Schmidmaier, Franze Mußner, Tommi Mayer und Andreas und Markus Hundseder sorgten mit spritzigen Dialogen, zündenden Pointen und perfekter musikalischer Untermalung für Lacher am laufenden Band, ohne dabei die Grenzen zu überschreiten. Applaus und stehende Ovationen belohnten sie dafür.
Den nötigen Stoff hatten die Derbleckten wieder einmal selbst geliefert. „Corpus Delicti“ war das Frabertshamer Feuerwehrhaus und die vielen Geschichten, die sich um die trink- und feuertaugliche Truppe ranken. Die Wehr hat laut den Schneidigen ein faktisches Problem. Ein neues Fahrzeug muss her, weil das alte nur noch bergab zu starten gehe und nicht alle Einsätze zum zweithöchsten Punkt des Landkreises nach Schnaitsee führten. Weil das neue Auto im alten Haus nicht Platz hat, braucht es laut Feuerwehrbedarfsplan ein neues Feuerwehrhaus. Da in der Gemeinde Obing aus Schneidiger Sicht nichts ohne Förderung gebaut werde, sollte die Angelegenheit von je einem Vertreter der Wehr und der Gemeinde sowie einem ortsüblichen Grantler mit dem Landrat, dem „Land-Walch“, geklärt werden. Statt per Video-Schalte beim persönlichen Besuch im Landratsamt wegen der wackligen Chiemgau-DSL-Verbindung. „Zum Glück haben der Ramsauer und i genug Tunnel im Landkreis gebaut, dann dauerts mit dem Auto auch nicht lang“, stellte der „Land-Walch“ selbstzufrieden dazu fest, zumal er in Präsenz mit seinem neuen erwachsenen Bart immer besser rüberkomme. Nach anfänglicher Skepsis gegenüber dem Bauwunsch wegen des schwierigen und bauaffinen Obinger Gemeinderats, siegte auf der Bühne jedoch die Aussicht auf einen Wahlerfolg. Vor allem im Hinblick auf die Ausstattung des neuen Gebäudes, mit der man den Ortsvereinen entgegenkommen könne. Nicht wegen lokaler Rockbands, sondern wegen der Albertaicher Dirndl wurde ein Trachtenbandraum genehmigt, weil sich Trachtenverein nach traditionellen „Walchi-Wählern“ anhöre. Für die Proben müsse der Raum abtrennbar sein, „damit sich die paar Leut, de wo’s no ham, ned verliern“. Für die KSK soll ein Räucherstüberl eingebaut werden mit Gedenkraum für die verblichenen Vereine: Batschari, Schützen, Dirndlschaft und Theaterer.
Erst kürzlich habe es Probleme mit Feuerstellen im Feuerwehrhaus gegeben. Die Kirchensurer Kameraden hätten bei ihrem Garagenfest groß mit ihrer Fritteuse aufgekocht und als endlich alles gebrannt habe, versucht, mit ihren feuerfesten Einsatzhosen zu löschen. Seitdem hätten die Surer nur noch kurze Einsatzhosen. Die überdachte Bedarfsbilanz brachte ein Feuerwehrhaus mit einem Stammtischzimmer mit kleiner Selche, Schnupf- und Schafkopfecke, Frauengemeinschafts-Bierstüberl und einem karierten DIN-A4 College-Block statt Büros mit stabilen Stühlen für die drei wackligen Kommandanten. Der Versuch, die richtigen Handwerker zu finden, gestaltete sich für die Zuhörer sehr amüsant. Am Ende wurde der geplante Neubau verworfen und stattdessen ein Feuerwehrfest in neun Jahren geplant.
Dementsprechend der Schlussakkord: „Bei uns in Hoibedoach herobn, do schätz ma’s Bier und die Tradition, Hauptsach oid und blos ned nei, doch bei der Feiawehr, do derfs scho sei. Vui junge Leid und olle guad drauf, de löst se ned so schnell auf. Das Stück ist jetzt gar, dann bis zum Bierzelt in neun Jahr.“