App fürs E-Rezept – so geht es

von Redaktion

Im Selbsttest am Puls der Zeit: Reporterin Christa Latta hat es ausprobiert

Mühldorf – Die App zum E-Rezept macht alles leichter? Kann sein. Aber vor das erste Rezept, haben die Götter das Einrichten der App gesetzt. Ein Selbstversuch.

Unsere Gesundheit wird digital, deshalb ist seit 1. Januar das E-Rezept Standard. Um ein elektronisches Rezept aufs Handy zu bekommen und via Handy in der Apotheke einzulösen, muss man ein Smartphone besitzen und darauf die App „Gematik“ installieren.

Doch keine Angst. Um ein E-Rezept einzulösen, braucht es nicht zwingend ein Smartphone – es reicht auch die Versichertenkarte oder ein in der Arztpraxis ausgedruckter Code. Allerdings können in der App Nutzer-Profile für die ganze Familie angelegt werden.

Die App installieren sollte schnell gehen

Aber, wie die Journalistin so ist, muss sie erstens alles selbst ausprobieren und zweitens alles haben, was neu ist. Also musste auch die Rezept-App „Gematik“ her. Und, weil frau ja keine digitale Anfängerin ist, sollte das ratzfatz erledigt sein – eines Dienstagabends in der Halb-Horizontalen auf dem Sofa, mit einem Auge auf dem Smartphone und dem anderen auf dem flimmernden TV-Gerät.

Tag 1 – Dienstag. Egal ob iOS oder Android, erst mal muss „Gematik“ in App- oder Play-Store gesucht und gefunden werden. Dann laden und warten, bis der Button „Öffnen“ erscheint. Jetzt muss die App mit den persönlichen Daten des Nutzers eingerichtet werden. Dafür fordert die App von jedem Nutzer eine „NFC-fähige Versichertenkarte der Krankenkasse“. Zu erkennen an einem kleinen Punkt mit links und rechts jeweils drei geschwungenen Klammern links neben dem Schriftzug „Gesundheitskarte“. Die App „Gematik“ fordert aber auch noch eine PIN. Kann gut sein, dass mir die Kasse neben einem ihrer vielen Werbeschreiben auch mal ein Briefchen mit einer Karten-PIN zugeschickt hat. Nur wo könnte dieser Brief sein? Möglicherweise ist er in der blauen Ablagetonne gelandet. Also ohne PIN. Stattdessen die Versichertennummer eingetippt und prompt gibt’s eine rote Fehlermeldung. Was? Bei genauerer Betrachtung könnte die Null am Anfang der Buchstabe O sein. Wer sich das ausgedacht hat? Dann mit dem Buchstaben beginnen. Passt. Jetzt noch ein einzigartiges Passwort für die App kreieren.

Nachdem die nötigen zwölf Stellen für das Passwort mit sinnlosem Aneinanderreihen von Buchstaben in groß und klein, Ziffern und Sonderzeichen ausgefüllt sind, sollte die Registrierung abzuschließen sein. Mensch gegen Maschine.

Vor der App ist
nach der App

Es folgt die Weiterleitung zum Herunterladen der benötigten App der jeweiligen Krankenkasse und Freischaltung derselben. Identifizierung des Nutzers mit Online-Personalausweis und dazugehöriger PIN oder mit Versichertenkarte und PIN. Echt jetzt? Der Perso wäre prinzipiell online-fähig. Nur, ob diese Funktion freigeschaltet ist und wo die dazugehörige PIN ruht – keine Ahnung.

Dann halt die Alternative „Identifizierung mit Postident“ angeklickt. Und gleich darauf kommt die Erkenntnis, dass das nicht vom Sofa aus möglich ist. Also: Abbruch des Unternehmens „E-Rezept-App“.

Weiter an Tag 2 – Mittwoch. Nach Zusendung des Postident-Coupons aufs Handy und dem Finden der nächsten Postfiliale geht die Registrierung in die zweite Runde. Also den Personalausweis über den Tresen gereicht, dann soll der Code vom Handydisplay abgescannt werden – funktioniert nur nicht. Also muss die Dame drei Zahlen- und Buchstabenreihen eintippen. Die Identifizierte muss die Angaben noch unterschreiben und mit grün bestätigen. Nach ein paar Minuten ist das alles vorbei.

Ohne Post geht
gar nichts

Geschafft? Von wegen. Jetzt heißt es warten, bis das „Go“ von der Krankenkasse kommt. Eineinhalb Stunden nach dem Besuch bei der Post meldet die Kasse per E-Mail „Identität erfolgreich bestätigt“. Allerdings wird die neu aufgeflammte Euphorie von der Krankenkassen-App gleich wieder ausgelöscht. „Ihr Benutzerkonto wird gerade eingerichtet“, ist da zu lesen und dass das bis zum nächsten Werktag dauern kann. Dazu eine nett skizzierte Teetasse. Auf diese Nachricht brauche ich erst mal einen Kaffee.

Tag 3 bis 6, Donnerstag bis Sonntag. Trotz immer wieder Aufrufen der Kassen-App – ist der Vorgang noch keinen Schritt weiter. Ein Anruf bei der Hotline der Krankenkasse bringt Licht in die Sache. Der nette Herr am Telefon prüft nach, warum es so lange dauert und wird fündig: „Wir haben eine Funktionsstörung in unserer App. Die Techniker sind dran.“

Und juhu! Am Sonntagabend läuft die App der Krankenkasse – Sie erinnern sich, am Dienstag habe ich mit der Freischaltung angefangen. Plötzlich geht alles ganz schnell. Es flutscht mit der Kassen-App. Ich bin drin! Wie gut, dass ich in diesen sechs Tagen nichts Dringendes aus der Apotheke gebraucht habe.

Zwei Tage später flattert mir die PIN zur Gesundheitskarte ins Haus. Die wurde während der Registrierung automatisch angefordert. Ich schmeiße die bereits installierte App noch mal vom Handy und gehe den Weg mit der PIN. Das funktioniert sogar innerhalb weniger Minuten.

Fazit, nach dem Selbsttest beider Wege: Die Einrichtung der App fürs E-Rezept geht ruck-zuck – wenn man eine Gesundheitskarte mit PIN hat – die sollte man sich und seinen Nerven gönnen. Der Umweg zur App über die Postfiliale für Postident ist etwas umständlich, funktioniert aber am Ende auch.

Das erste E-Rezept habe ich mittlerweile auch schon verordnet bekommen.

Ein Tipp: Auch für das E-Rezept muss die Gesundheitskarte für das Quartal schon in der Praxis eingelesen sein. Per App können die Medikamente dann bequem online in der Wunschapotheke bestellt und irgendwann abgeholt werden – oder man lässt die Gesundheitskarte in der Apotheke auslesen.

Die E-Rezept-App finden Sie hier: https://www.das-e-rezept-fuer-deutschland.de/

Artikel 7 von 11