Wasserburg – „Ungewöhnlich“ nannte Bürgermeister Michael Kölbl im Haupt- und Finanzausschuss den Antrag des Bach-Chores. Er möchte mit allen 55 Mitgliedern nach Leipzig zum Bach-Fest reisen. Und bittet um finanzielle Unterstützung der Stadt in Höhe von 1500 Euro, damit dieser Ausflug mit optionalem Opernbesuch auch Teilnehmern möglich ist, die ihn sich eigentlich nicht leisten können.
Kulturreferentin Edith Stürmlinger (Bürgerforum) fand ebenso wie Kölbl: Dieses Ansinnen sollte die Stadt einmalig unterstützen, über die Töpfe der Anna-Klammer-Kulturstiftung. Denn der Bach-Chor leiste eine „hervorragende kulturelle Arbeit.“
Der Rathauschef betonte außerdem: Es handele sich nicht um einen „normalen Vereinsausflug“, denn der Chor trete auch in der Thomaskirche auf und repräsentiere die Stadt Wasserburg dabei nach außen. In der Tat steht der Chor auf der Künstler-Teilnehmerliste des Festivals.
Er gibt am Montag, 10. Juni, ein Konzert. Josef Baumann (Freie Wähler Reitmehring-Wasserburg) sah im Auftritt der Bach-Chors auf der internationalen Bühne in Leipzig eine Werbung für die Stadt.
Georg Machl (CSU) war nach eigenen Angaben als bekennender „Vereinsmeier“ grundsätzlich für die Förderung des Ehrenamts. Trotzdem hakte er nach: 2020 habe die Stadt dem Bach-Chor 7000 Euro Zuschuss für das 35-jährige Jubiläum gezahlt. Einmalig, auch über die von der Stadt verwaltete Anna-Klammer-Kulturstiftung. Das Jubiläum, zu dem damals auch die Teilnahme am Bach-Fest gehörte, fiel bekanntlich aufgrund der Pandemie aus. Machl sah jedoch ein grundsätzliches Problem: Denn es gebe noch einige andere Vereine in Wasserburg, die Fahrten und Ausflüge unternehmen würden. Auch sie würden oft die Stadt nach außen vertreten, ergänzte Heike Maas, Fraktionsvorsitzende von CSU/Wasserburger Block.
Deshalb müsse bei einer Befürwortung klar herausgestrichen werden, dass der Zuschuss eine einmalige Sache sei und dass der Bach-Chor sogar auf großer Bühne auftreten werde.
Armin Sinzinger (Wasserburger Block) warnte ebenfalls: „Sportverein, Schützen, Garde, Schäffler: Alle wollen gerne wegfahren.“ Viele würden die Stadt repräsentieren bei solchen Gelegenheiten. Er machte klar: „Ich habe Angst vor Präzedenzfällen. Deshalb kann ich nicht zustimmen.“
Wolfgang Janeczka (SPD) appellierte, die Stadt müsse aufpassen, dass der Antrag nicht weitere nach sich ziehe und zum Selbstläufer werde. „Lasst uns keine schlafenden Hunde wecken.“ Doch er sah auch die Möglichkeit, ein Ja zur Förderung gut zu begründen: „als absolute Ausnahme“.
Mit zwei Gegenstimmen befürwortete die Mehrheit (6:2) schließlich doch den Antrag. Heike Duczek