Restaurierung kostet über 66000 Euro

von Redaktion

Attler Altar soll zum Jubiläumsjahr in neuem Glanz erstrahlen

Wasserburg – Im Jahr 2028 jährt sich zum 400. Mal die Auffindung jenes romanischen Kreuzes, das zum Mittelpunkt der Wallfahrt „Zu unserem Herrn im Elend“ werden sollte, die mit dem Abbruch der Wallfahrtskirche unterhalb des Klosterberges 1786 einen schweren Einbruch erlitt und trotz der Übertragung des Gnadenaltares in die Klosterkirche mit der Säkularisation 1803 fast zum Erliegen kam. Aus diesem Grund bemüht sich die Kirchengemeinde Attel um eine Restaurierung dieses Altares, damit er zum Jubiläumsjahr in neuem Glanz erstrahlt. Eine umfangreiche Schadenskartierung zeigt auf, welche Defekte im Laufe der Jahrhunderte aufgetreten sind. Die Kostenschätzungen belaufen sich auf 66 200 Euro, von denen die Pfarrei 24800 Euro zu tragen hat.

Auch wenn die Entstehung der Wallfahrt von der Bergung des Kreuzes 1628 durch die Klosterfischer, die Restaurierung und Rückgabe der Figur, die Aufstellung des Kreuzes im Frühjahr 1648, die Errichtung einer Holzkapelle am Ufer des Auffindungsortes, der Baubeginn der großen Wallfahrtskirche am Fuße des Klosterberges 1654 und die Übertragung des Gnadenbildes am 14. September 1662 in diese neue Kirche gut dokumentiert sind, bleiben doch viele Fragen offen. Hat es die „wunderbare“ Auffindung des Kreuzes wirklich gegeben, oder ist es die Übertragung bekannter Anschwemmlegenden auf dieses Kreuz, um eine einträgliche Wallfahrt für das Kloster zu begründen? Wenn man bedenkt, dass sich 1714 30000 bis 40000 Wallfahrer einfanden, kann man sich vorstellen, dass auch der Opferstock gut gefüllt wurde und der Klosterwirt von dem großen Zulauf profitierte. Welche Entfernung das Kreuz im Inn zurückgelegt hat, bleibt fraglich, wenn man sich die Flusskarten des 19. Jahrhunderts mit den zahlreichen Inseln, Sandbänken und Nebenarmen vergegenwärtigt, von denen es im 17. Jahrhundert sicher noch viel mehr gegeben haben wird. Da hätte das Kreuz schon an ganz anderen Stellen hängen geblieben sein können, wenn es nicht ein gewaltiges Frühjahrshochwasser war, das es über alle Hindernisse hinweg mitgerissen hat. Dass es stromaufwärts geschwommen sei, ist eine legendenhafte Ausschmückung. Die Bemerkung von Abt Benedikt Eisenhardt in einem Bericht von 1652, dass das Kreuz „vom Wasser etwas ungestaltet“ war, lässt darauf schließen, dass die Fassung gelitten hatte, sodass die heutige Fassung auf den Maler Gredter zurückgehen dürfte. Ungeklärt ist bis heute eine regionale/stilistische Einordnung des Schnitzwerks, das lapidar als Viernagel-Typus aus dem ersten Drittel des 13. Jahrhunderts beschrieben wird. Da es in der Region nur wenige romanische Kreuze gibt, könnte man wünschen, dass sich während der Restaurierung Kunsthistoriker dieses Schnitzwerks annehmen.

Bleibt man noch ein wenig bei dem „mirakulösen“ Kreuz, von dem eine Kopie in der Klosterkirche selbst und eine zweite in der 1850 errichteten Elendkapelle hängt, so ist auch die Frage nach den Künstlern des Gnadenaltares ungeklärt. Die urkundlichen Auswertungen nennen zwar Constantin Pader als Baumeister der Wallfahrtskirche – wer jedoch die Innenausstattung geliefert hat, ist unbekannt. Der konkave Abschluss des Gesimses über dem verglasten Schrein und der Auszug mit dem wolkenreichen Gebilde mit Gottvater vor dem Glasrondell lassen sich jedenfalls bei Wasserburger Kistlern und Bildhauern nicht finden, sodass man eher bei Münchner Künstlern suchen muss, wenn nicht Constantin Pader selbst dafür in Frage kommt, der ja auch Bildhauer war. Anlässlich des 350-jährigen Wallfahrtsjubiläums hatte Willi Birkmaier einen kleinen Teil der über 800 lückenhaften handschriftlichen Mirakeleinträge ausgewertet, die teilweise 1708, 1713 und 1768 auch im Druck erschienen. Eine Gesamtdarstellung der Atteler Wallfahrt wäre zum 400-jährigen Jubiläum wünschenswert. Wenn auch von den unzähligen Votivgaben nur ein winziger Bruchteil den Bildersturm der Säkularisation überstanden hat, könnten die barocken Schilderungen der Mirakeleintragungen ein lebendiges Zeitbild des 17./18. Jahrhunderts liefern und die Bedeutung der Wallfahrt zu „Unserem Herrn im Elend“ neben Altötting und Tuntenhausen hervorheben. So wird es Aufgabe der Kirchenverwaltung von Attel in den kommenden Jahren sein, das Verständnis für die Bedeutung des romanischen Schnitzwerks und der barocken Wallfahrt, die seit einigen Jahrzehnten wieder Zielpunkt der Dekanatswallfahrt ist, zu wecken, um die benötigten Finanzmittel aufbringen zu können. fst

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