„Wild werden“ für das Bürgerspiel

von Redaktion

Vorbereitungen zum Großereignis laufen auf Hochtouren

Wasserburg – „Parole!“, rufen schnarrend die Stadtknechte Michi und Thomas. „Bürgerspiel!“, schallt es ihnen prompt entgegen. Und schon öffnen sich die gekreuzten Schwerter und dem Gast wird Einlass gewährt. Wasserburg ist bereits an diesem Abend, dem offiziellen Start für die etwa 130 Akteure des Bürgerspiels 2024, in Festlaune. Im Pfarrsaal in der Färbergasse, der auch während der Probenzeit kostenlos zur Verfügung steht, ist auf vielen Gesichtern die Vorfreude ablesbar. Und als Sepp Christandl, Vorsitzender des veranstaltenden Theaterkreises, den grünen Samtmantel aus dem Kostümfundus überzieht, brandet Applaus auf. „Spürt ihr es schon, das Bürgerspiel-Feeling?“, fragt Christandl und sieht in lauter strahlender Gesichter.

Jetzt geht es los. Und obwohl es intensive drei Monate werden mit insgesamt etwa 53 Terminen – Proben und elf Aufführungen–, sind die Mitwirkenden auf und hinter der Bühne bereit, ihre Freizeit zu opfern. Es wird sich lohnen, verspricht Spielleiter Christian Huber. Denn das Bürgerspiel steht zwar für viel Arbeit, „macht aber auch eine Riesen-Gaudi“, wissen er und Christandl aus zwei zurückliegenden Spielzeiten. Sie versprechen außerdem: „Wir Theaterleute feiern auch gerne.“

„Heilfroh“ über
die gute Resonanz

Dass der Pfarrsaal voll ist und viele Interessenten für eine Mitwirkung den Mitgliedsantrag für ein Jahr Theaterkreis, mit dem auch die versicherungsrechtlichen Aspekte abgedeckt sind, ausfüllen, freut Huber. „Heilfroh“ sei er über die gute Resonanz, denn dass sich auf Anhieb 100 anmelden würden, sei heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr. Die Bereitschaft, sich ehrenamtlich zu engagieren, noch dazu sehr intensiv über einen Zeitraum von drei Monaten, nehme ab. Auch der Wille, stundenlang einer Aufführung zu folgen. Deshalb wird das Bürgerspiel heuer in etwa eineinhalb bis eindreiviertel Stunden beendet sein, teilt er mit.

„Wir haben alles ein bissl reduziert“, sagt Huber, will heißen: Etwa 130 Leute – Schauspieler, Musiker, Statisten, Volk, Schiffsleute, Stadtknechte, Technik und Helfer hinter der Bühne – werden mitwirken (früher waren es schon mal 400). Es gibt keine Plättenfahrt, keinen Marsch mit Kanone, kein Lagerleben, aber ein Theaterzelt am Inndamm und Platz für 324 Zuschauer pro Aufführung. Die Bühne an der Frauengasse wird, so verspricht Huber, spektakulär: Die Innplätte werde integriert und Teil der Inszenierung. Außerdem gebe es eine „Wahnsinns-Licht- und Tonanlage“ sowie Licht-Projektionen am Gotteshaus.

Das Stück, das 1938 erstmals aufgeführt wurde und aus der Feder von Eugen Ortner stammt, wird laut Huber, der auch Regie führt, diesmal dramaturgisch Richtung Western gedreht, mit vielen komödiantischen Anleihen. Die Sprache sei wieder etwas näher am Original, mit viel Mundart, außerdem untermalt mit modernen Elementen. „Flüssiger“ werde dadurch der Inhalt dargestellt.

„Wir sind nicht Oberammergau“, bemüht sich der Spielleiter darum, keinerlei Druck aufzubauen. Die Statisten müssten zwölf bis 14 Abende für Proben und Aufführungen einplanen, die Schauspieler je nach Rolle und Aufwand bis zu 38. Der Probenplan sei nicht in Stein gemeißelt, jeder könne sich melden, wenn er keine Zeit habe.

Huber gibt an die Herren außerdem eine klare Parole aus: „Alles, was wild ausschaut, ist gefragt.“ Jetzt sei Wildwuchs angesagt, das heißt: Haare und Bärte wachsen lassen. Im Mittelpunkt des Bürgerspiels steht jedoch nicht der Mann, sondern die Frau. Das ist auch auf dem Plakat zu sehen, das zum ersten Mal gezeigt wird: Die Irmingard, Tochter des Gumpelzhaimers, schaut schelmisch herunter und präsentiert das Motto der Inszenierung 2024: „Früher war’s auch nicht besser.“

Bis dieser Satz zum ersten Mal fällt, bei der Premiere am Donnerstag, 4. Juli, stehen den Mitwirkenden nun vier intensive Monate ins Haus. Am 20. April beginnen die Sprachproben. Am 4. Mai ist Einkleidung aus dem Fundus des Theaterkreises, der laut Huber ausreichend Gewand für alle bietet. Am 8. Mai zeigen sich die Schauspieler und Statisten zum ersten Mal in ihren Kostümen: beim Frühlingsfesteinzug. Ende Mai geht es los mit den Gesamtproben. Sie finden am Innwerk statt. Christandl freut sich schon auf laue Sommerabende.

Im Juni wird die Bühne an der Frauenkirche aufgebaut. Auch dafür werden noch Helfer gesucht, die mit anpacken.

Generalprobe ist am 3. Juli, Premiere einen Tag drauf. Elf Aufführungen sind geplant, immer donnerstags, freitags und samstags, der Sonntag dient jeweils als Ausweichtermin, so Huber. Dass auch die Fußball-Europameisterschaft während der Festivalzeit stattfindet, ficht den Theaterkreis nicht an. Die Mitwirkenden ebenso wenig. Kaum einer geht anscheinend davon aus, dass es die deutsche Elf weit schafft und dem Bürgerspiel den Rang ablaufen kann. Lautes Gelächter gibt es im Publikum, als die Frage aufkommt, wie EM und Festival gemeinsam zu stemmen sind.

Der Kartenvorverkauf für das Bürgerspiel startet rund um Ostern.

Zum Stück

Die Hauptrollen und ihre Besetzung

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