Gelungene Feuerprobe

von Redaktion

Beim Starkbierfest in Rott wurden Politiker und Lokalprominenz derbleckt

Rott – Mit Spannung wurden die neuen Fastenprediger Marlies Scheidegger und David Stiller beim Rotter Starkbierfest erwartet. Der Saal im Gasthaus Stechl war gut gefüllt, als die Rede losging. Besonderes Augenmerk lag auf David Stiller. Er übernahm erstmals die Rolle des Fastenredners von seinem Vater Bernhard.

Heuer gab es keinen „Bruder Barnabas“, stattdessen führten die beiden Fastenredner auf der Bühne ein humorvolles Streitgespräch.

Zuerst kam Marlies Scheidegger allein auf die Bühne und schimpfte auf ihren Mitprediger, dass auf ihn kein Verlass sei. Sie schob es auf die Handysucht der Jugend, die Bilder und Texte verschicke – das sei anscheinend wichtiger. Dabei wisse sie auch so, wann Ostern und andere Feiertage sind, da müssten keine Osterbilder oder dergleichen verschickt werden, monierte sie. Grundsätzlich forderte sie einen Whatsapp-Führerschein für Nutzer ab 50.

„Keine
Cancel-Kultur“

Scheidegger und Stiller nahmen auch das Gendern aufs Korn, das Ministerpräsident Markus Söder verbieten will. Es gebe „keine Cancel-Kultur“, jeder dürfe „alles verzapfen, ohne gecancelt zu werden“, so die beiden.

Auch der Gemeinderat bekam sein Fett weg. Scheidegger sagte, das Gremium „verzapft jeden Tag was anderes und keinen interessiert es“ und Max Gilg, beziehungsweise „der Ferchner Max vom Einsiedelhof mit ein paar Kühen und Pferden“, kenne bestimmt nicht den Unterschied zwischen Mann und Frau.

Stiller nahm sich der Cannabis-Legalisierung an und fragte sich, „ob bei uns das Kiffen auch mal Tradition wird“. Doch Scheidegger und Stiller waren sich einig: „Das Saufen bleibt die einzige Sucht.“ Auch Landrat Otto Lederer – der nicht beim Starkbierfest dabei war – wurde aufs Korn genommen. Stiller meinte, dass der Landrat „der beste Freund vom Bürgermeister ist und so ein richtiger karriereorientierter CSU-Nachwuchspolitiker, genau wie Matthias Eggerl.“ Der „Lederer Otto“ sei schon Vorsitzender vom Tuntenhausener Männerverein gewesen, bevor er überhaupt in den Stimmbruch gekommen sei. Stiller vermutete, dass der Landrat bei seiner letzten Entscheidung „nicht ganz nüchtern“ war. Gemeint waren die Pläne des Landratsamtes, im Rotter Gewerbegebiet eine Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete zu errichten. Scheidegger und Stiller bescheinigten, dass sich der Landrat an Bürgermeister Daniel Wendrock „die Zähne ausgebissen“ hat.

Auch der Zweite Bürgermeister, Alfred Zimpel, bekam sein Fett weg. Zimpel, der gerade für die Feuerwehr den Lkw-Führerschein macht, fahre als Lokführer „immer nur geradeaus“. So befürchteten die beiden Fastenprediger, dass der Zweite Bürgermeister „mit dem Laster keine Kurven nehmen kann“.

Weiter fragten sich die beiden, was wohl der Seniorenbeirat treibe. Die beiden Fastenredner schlugen vor, dass sich der Beirat um „ehemalige und betagte Ratsmitglieder“ – sie deuteten in Richtung Franz Ametsbichler – kümmern oder auch der Gemeinderätin Karola Kahles den Weg zur nächsten Sitzung zeigen könnten.

Kein Besuch vom
Ministerpräsidenten

Dann gab es noch ein paar Seitenhiebe für das Gemeindeoberhaupt Wendrock. Der hätte zum Krimidinner den Ministerpräsidenten Markus Söder eingeladen, doch der kam nicht, weil Wendrock „ein Parteiloser“ sei, für den CSU-Chef eindeutig „ein Ungläubiger“.

Die beiden Prediger derbleckten auch den Vorsitzenden des Theatervereins, der überall dabei sein muss und priesen den Bahnberg zur CO2-Reduzierung als Kiesweg, der nur mit Ochsenkarren befahrbar sei. Auch den Dritten Bürgermeister Christoph Sewald vergaßen die beiden Fastenredner nicht. Sie meinten, dass „der generationstechnisch schwer einzuschätzen ist“. In der Entwicklung müsste er zwischen Pubertät und Rentenalter stehen, dem Bartwuchs nach zu urteilen, sei er auf „dem besten Weg zur Geschlechtsreife“. Zum Schluss bedankte sich David Stiller gendergerecht: „Dann bedank i mi für die Aufmerksamkeit bei allen Säufer:innen.“

Scheidegger und Stiller kamen sehr gut im Publikum an. Mit stehenden Ovationen feierten und klatschten die Gäste begeistert – ein rundum gelungener Abend.

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