„Die Hatz auf den Eber“

von Redaktion

Vortrag am 27. März über die Landkreisreform

Wasserburg/Ebersberg – Warum konnte der Landkreis Ebersberg die heute längst vergessenen Stürme der Landkreisreform 1972 heil überstehen, wohingegen damals der Nachbarlandkreis Wasserburg von der Bayernkarte getilgt wurde? Mit dieser Frage beschäftigt sich in einer Veranstaltung des Historischen Vereins für den Landkreis Ebersberg der Pöringer Geschichtsforscher Peter Maicher. Sein Vortrag am Mittwoch, 27. März, um 19.30 Uhr im Landratsamt Ebersberg, trägt – mit Blick auf das Landkreiswappen – den Titel: „Die Hatz auf den Eber“. Der Vortrag sei geprägt, so Maicher, „von Ebersberger Freude, dass unser Landkreis in seiner inzwischen zweihundertjährigen Gestalt erhalten werden konnte – gleichzeitig auch von ehrlichem Bedauern, dass der nicht weniger traditionsreiche Nachbarkreis Wasserburg verschwunden ist“.

Aus den Protokollen des Ebersberger Kreistags, der CSU-Landtagsfraktion und des Landtags sowie aus Akten des Innenministeriums und anderen Dokumenten wie auch aus Wasserburger Quellen wird ein Bild des damaligen Geschehens vermittelt, illustriert mit 50 Fotos.

Zeitweise stand es auch um die Zukunft des Landkreises Ebersberg nicht gut. Immer neue Reformvorschläge und Gerüchte führten zu dicken Schlagzeilen und aufgeregten Krisensitzungen. Einige verteilten bereits das Fell des Ebersberger Wappentiers: Der Landkreis sollte ganz oder zum großen Teil aufgehen in einem Großlandkreis München oder die nördliche Region um Markt Schwaben an Erding abgegeben oder mit Wasserburg zusammengelegt werden. Dass nichts dergleichen geschah, sondern der Landkreis ungeschmälert blieb, ist vor allem zwei Männern zu danken: Freiherrn Otto von Feury und Landrat Dr. Remigius Streibl. Baron Feury, ein alter Hase im Landtag wie im Kreistag und mächtiger, bestens vernetzter Bauernpräsident, setzte alle Hebel für Ebersberg in Bewegung. Dr. Streibl stritt auf der Verwaltungsebene. Vor allem aber ist es sein erworbenes Verdienst, zusammen mit dem Kreistag den Landkreis mit einer modernen Infrastruktur nach vorne gebracht zu haben.

Der Landkreis Wasserburg hatte eigentlich ebenfalls einen mächtigen Patron, einen seiner Bürger: den CSU-Vorsitzenden Franz Joseph Strauß. Aber nicht einmal der konnte seinen Landkreis vor dem Zugriff von Innenminister Dr. Bruno Merk und dem CSU-Fraktionsvorsitzenden Dr. Ludwig Huber retten. Merk folgte, wie Strauß später schimpfte, „dem Druck einer reformeuphorischen Bürokratie“. Huber aber hatte mit Wasserburgs CSU-Landrat Josef Bauer ein parteiinternes Hühnchen zu rupfen und ließ ihn auflaufen.

In der Zeit von Februar bis Oktober 1971 kursierten neun Vorschläge zur Zukunft des Kreises. Nach etlichen Hiobsmeldungen kam im Mai Entwarnung, und in Wasserburg gab es einen öffentlichen großen Dank an die Staatsregierung. Der war voreilig, denn im Oktober beschloss der Ministerrat mit einer Stimme Mehrheit die Auflösung des Landkreises. Und dies, obwohl zuvor dem Landrat mehrfach weiteres Bestehen zugesichert worden war.

Demonstrationen in Wasserburg und vor der Staatskanzlei änderten nichts mehr, auch nicht die Protestaktionen der Bauern, die mit ihren Traktoren – wie aktuell! – den Verkehr auf der B12 und B304 zum Erliegen brachten.

Seit 1. Juli 1972 gibt es den Landkreis Wasserburg nicht mehr, seine Gemeinden wurden aufgeteilt zwischen Erding, Mühldorf und Rosenheim; St. Christoph kam zu Ebersberg. In Wasserburg machte man Feury zum Buhmann: Der Kreis sei ihm zuliebe zugunsten Ebersbergs aufgelöst worden.

Maicher glaubt, dass die Geschichte diese Akte nicht so einfach schließen kann. Er unterstreicht, was Wasserburgs Landrat 1972 in seiner Abschiedsrede erhoffte: Die Geschichte werde „gerechter als Menschenwerk sein“. Der Vortrag findet im Landratsamt Ebersberg, Hermann-Beham-Saal, Eichthalstraße 5 statt. Der Eintritt ist frei. Achtung: Der Zugang ist nur bis 19.45 Uhr möglich.

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