Fastenredner Done derbleckt in St. Wolfgang

von Redaktion

Viele Lacher beim „eventuell letzten“ Starkbierfest

St. Wolfgang Voller hätte es im Saal des Gasthaus zum Schex fast nicht sein können als beim Starkbierfest in St. Wolfgang. Vor der örtlichen und überregionalen politischen und geistlichen Prominenz sowie den weiteren zahlreichen Gästen servierte Wirt Anton Silbernagl ein Menü aus humorvollen und meinungsstarken Reden. Wie es sich beim Politikerderblecken gehört, kam kaum einer ungeschoren davon. Musikalisch begleitet vom Musikverein St. Wolfgang und ausgestattet mit süffigem Starkbier der Brauerei z’Loh, fehlte es den Starkbierfreunden an nichts.

„Die schönsten Geschichten schreibt das Leben“, fand Fastenprediger Silbernagl und stieg deshalb mit der ein oder anderen Anekdote aus dem Alltag ein, bevor er seine Jahresbilanz zog. Zum letzten Mal Starkbierfest in St. Wolfgang drohte er gleich zu Beginn seiner Predigt an, korrigierte sich auf das Zurufen seiner Gäste aber auf „eventuell zum letzten Mal.“

Lokale Politiker werden nicht verschont

Die Politik betreffend fand er nicht nur so humorvolle Worte wie bei seiner Begrüßung des Landrats Martin Bayerstorfer. Dieser sei seit einiger Zeit auch als Jäger tätig, aber hat „schon oft einen Bock geschossen, als er noch kein Jäger war.“ Genauso begrüßte er die weiteren Ehrengäste mit Witzen.

Ein wenig ernster wurde er mit Blick auf die politisch rechten Bewegungen. „Es gibt viele verschiedene Meinungen und Anschauungen – und das ist auch richtig und gut so“, fand er, betonte aber: „Bei Paragraf 1 von unserem Grundgesetz sollten wir uns alle einig sein.“

Schnell kam er auf das Gemeindegeschehen zu sprechen. „In St. Wolfgang werden Baugebiete mit sehr viel Bedacht vorangetrieben – oder besser gesagt vor sich hergeschoben“, fand er, und hatte eine ganz pragmatische Lösung parat. Sein Vorschlag für das ehemalige Brauereigelände: „Gut versichern und dann eine Feuerwehrübung.“

Die Floriansjünger lobte er auch direkt für ihr 150. Jubiläum. „Ein rundum gelungener Abend, trotz Schirmherr Markus Söder“, bescheinigte er. Der Ministerpräsident wurde ordentlich derbleckt, vielleicht auch deshalb, weil er trotz Einladung und persönlich überreichter Freikarten beim Neujahrsempfang in der Residenz in München nicht erschienen war.

Auch Hubert Aiwanger habe Fastenprediger Silbernagl zwei Karten in die Hand gedrückt und beiden Politikern gratis Essen versprochen. „Im Gegensatz zu vielen Spitzenpolitikern halt ich, was ich verspreche“, deshalb überreichte er der stellvertretenden Ministerpräsidentin Ulrike Scharf zwei Portionen Milzwurst für die nächste Kabinettssitzung mit den beiden.

Und auch die Gäste gingen nicht leer aus: Die nächste Halbe Starkbier für jeden im Saal gab der Wirt aus. Und für die von der Bürokratie geschundenen Landwirte legte er noch eins drauf: „Wer seinen Mitgliedsausweis vom Bayerischen Bauernverband dabei hat, kriegt auf die vorhergehende Halbe einen Euro Rückerstattung.“ Allerdings nur nach einem vorher ausgefüllten Antragsformular, das ab nächster Woche heruntergeladen werden kann.

Die Bürokratie kritisierte er auch in Bezug auf Migration. So würden einerseits in allen Branchen Arbeitskräfte gesucht, während andererseits viele Menschen nach Deutschland gekommen wären, die arbeiten könnten und würden – wären die bürokratischen Hürden geringer.

Auch auf die aktuelle Regierung kam er zu sprechen. So seien die Grünen an allem schuld: Klimawandel, Bürokratie, Wirtshaussterben und „dass die Nationalmannschaft bei der WM vorzeitig ausgeschieden ist.“ Der Prediger stellte daraufhin eine Liste mit fünf schlimmen Dingen vor, die den Bürgern aber dennoch lieber seien als die Ampel-Regierung. An der Spitze mit 90 Prozent: „Sie würden sich lieber ein Spiel der St. Wolfganger Fußballer anschauen.“

„Lasst uns positiv in die Zukunft schauen, alles wird gut“, schloss der Wirt seine diesjährige Predigt und stellte in Aussicht: Ministerpräsident Söder wird Bundeskanzler und damit werden „gendern und die Klimakatastrophe bundesweit verboten“, Ostdeutschland wird wieder ein eigenständiger Staat mit Ministerpräsident Björn Höcke und St. Wolfganger Urgestein Hans „heilig“ Grasser wird Papst.

Nach dem Ende seiner Fastenpredigt hielt Patrizia Müller eine Trauerrede für das letzte Starkbierfest St. Wolfgang. „Wenn der Saal erzählen könnte, was hier alles los war, wäre es für viele gescheiter, sie wären heute nicht da.“ Weil der „Done ohne Saal“ nun viel Freizeit habe, gab sie ihm Anregungen, wie er diese füllen könne. Etwa als Leitung der Kindertagesstätte, „weil das darf ja jetzt jeder, man braucht keine pädagogische Ausbildung mehr.“ Oder er könne sich ehrenamtlich bei den St. Wolfganger Fußballern engagieren, „weil die können in jeder Hinsicht Unterstützung gebrauchen.“

Als Überraschungsgast gab Manfred Slawny aus Taufkirchen bei einer Reise vom Strandurlaub bis hin zum Starkbierfest St. Wolfgang Wortspiele zum Besten, in denen sich die Namen von den Politikern aus Berlin, der bayerischen Landesregierung und letztlich den Gemeinderäten St. Wolfgang wiederfinden ließen. So fragte er sich beispielsweise zu den Berliner Politikern: „Was trinken die eigentlich den ganzen Tag, um solche Entscheidungen zu treffen?“

Gemeinderat erinnert namentlich an einen Bauernhof

Der Gemeinderat St. Wolfgang dagegen erinnere an einen Bauernhof – zumindest, wenn es nach den Namen der Lokalpolitiker ging. Dabei sprach er von „Ziegen und Axenböcken, Kühen und Stierstorfer, Schweinen und einem kleinen Eberl“. Und Bürgermeister Ullrich spiele zwar nicht die erste Geige, aber zumindest ein kleines Gaigl.

Zum Abschluss durfte die anwesende Prominenz noch ihren Humor beweisen. Besonders Pfarrer Martin Ringhof ließ sich nicht lumpen und gab sogar vier Witze zum Besten. „Den Pfarrer bauen wir nächstes Jahr direkt ins Programm mit ein“, lachte der Wirt und gab damit einen Hoffnungsschimmer für die Gäste, dass sie nächstes Jahr erneut mit Starkbier im Saal des Gasthaus zum Schex sitzen und lachen können.

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