Eintauchen in die hochkomplexe Teewelt

von Redaktion

Monika Rechenauer liebt Tee und hasst falsche Handhabung. Die Inhaberin vom Café „Bohnenröster und Teewelt“ in Wasserburg, ist geprüfte Tee-Sommelière. Warum das Heißgetränk oft unterschätzt wird.

Wasserburg – Wer mit Monika Rechenauer über Tee reden will, muss vor allem eines mitbringen: Zeit. „Tee ist hochkomplex. Das kann man nicht einfach schnell im Vorbeigehen erklären“, sagt sie. Rechenauer, Inhaberin von Bohnenröster und Teewelt in Wasserburg, ist Tee-Somelière. Etwa 300 Sorten bietet sie in ihrem Geschäft an.

Viel zu viele, um in einer Stunde darüber zu sprechen, auch die Frage: „Wie trinkt man eigentlich richtig Tee?“, lässt sich in dieser Zeit kaum klären.

Dennoch hat sie sich auf ein Gespräch mit den OVB-Heimtzeitungen eingelassen, denn Rechenauer ist überzeugt: „Tee wird bei uns unterschätzt.“ Das Heißgetränk habe einen schlechten Ruf in der Region. „Es heißt oft, Tee schmeckt nicht, das trinke ich nur, wenn ich krank bin“, sagt sie. Dabei ist sie überzeugt: Die meisten Menschen trinken schlicht schlechte Qualität und kennen sich nur wenig aus.

Viele

Unterschiede

Denn Tee sei nicht gleich Tee. Rechenauer unterscheidet zwischen Blatt- und anderen Tees, wie Früchte-, Kräuter- und Rooibos-Tee. „Blatt-Tees“, erklärt sie, „beinhalten alle dieselbe Pflanze: Camelia Sinensis“, erklärt sie.

Eine Pflanze, die vor allem in Asien wächst auf Plantagen mit Namen wie Rangli Rungliot und Pubong. Weißer Tee, Gelber Tee, Grüntee, Oolong, Schwarztee: sie alle bestehen aus dieser Pflanze. Je nach Wetterlage, Sonneneinstrahlung, Plantage, Ernteperioden schmecke das Heißgetränk anders, so Rechenauer. Entscheidend für die verschiedenen Sorten sei jedoch vor allem eins: die Fermentierung. Heißt, je nachdem wie lange die Blätter getrocknet werden, entsteht am Ende eine andere, dunklere Teesorte und ein unterschiedlicher Geschmack.

Mancher davon für deutsche Zungen leichter oder schwerer verträglich. „Vielen schmeckt zum Beispiel grüner Tee zu grasig“, erklärt Rechenauer. Das liege an der Geschmacksrichtung Umami, die in dem Getränk, aber kaum im Rest der europäischen Küche vertreten sei.

Diesen Personen empfehle sie dann, mit Weißem Tee zu starten und sich langsam in Richtung Grüntee vorzuarbeiten. „Er ist leichter verträglich für unsere Zungen.“ Besondere Feinschmecker seien mit Darjeeling, eine Untersorte von Schwarztee, gut beraten. „Das ist eine ganz feine Note, sehr geschmackvoll.“ Das Besondere daran: der Schnitt. Denn im Gegensatz zu anderen Sorten bestehe dieser Tee nicht aus den lange gewachsenen Blättern, sondern aus dem frischen Trieb, der Knospe und zwei Blättern. „Das macht ihn so hochwertig“, erklärt Rechenauer.

Übrigens, wer Darjeeling trinkt, sollte dem Heißgetränk nichts beimischen, denn der feine Geschmack werde schnell von Milch überschattet. „Dieser Tee will alleine glänzen“, sagt Rechenauer.

Wer auf den Zusatz nicht verzichten will, sollte deshalb zur Sorte Assam greifen. „Dieser Schwarztee ist stärker und hält die Milch aus.“ Für diejenigen, die ihren Tee mit Zitrone trinken, empfiehlt Rechenauer die Sorte Sailong. „Der Tee hat ohnehin eine leichte Citrus-Note, die wird von der Zitrone unterstützt.“

Richtige Temperatur: körperwarm

Alle anderen Teesorten sollten ohne Zusatz getrunken werden. „Wer Zucker in einen japanischen Grüntee tut, hat Teetrinken nicht verstanden“, sagt sie. Für alle Sorten gilt aber eines: Sie sollen körperwarm getrunken werden. „Viele trinken zu heiß“, glaubt Rechenauer. „Aber den Geschmack entfaltet Tee bei Körpertemperatur.“

Die Brühtemperatur liegt aber höher. „Grüntee sollte man bei 60 bis 80 Grad, Schwarzen Tee bei 70 bis 80 Grad und Früchte- und Kräutertee immer bei 100 Grad aufgießen.“ Insbesondere Letzteres sei wichtig zu beachten. „Es kann sein, dass in Früchtetee noch Schadstoffe vorhanden sind, die bei kochendem Wasser abgetötet werden.“ Auch Rooibos, ein Tee bestehend aus Nadeln des südafrikanischen Busches, sollte bei 100 Grad aufgegossen werden.

Der Staub in

kleinen Beuteln

Dabei ist Rechenauer großer Anhänger von losen Tees. Insbesondere, weil dieser mehrfach, teils bis zu achtmal am Tag, aufgebrüht werden kann. Doch sie will auch Teebeutel nicht „verteufeln“, sagt sie. Solange sie groß genug sind. „Tee braucht Platz“, sagt Rechenauer, denn die Blätter seien groß. „In den kleinen Beuteln ist nur Staub. Das ist der Abfall, der bei der Fermentierung aufgefangen wird“, erklärt sie.

Entsprechend schlecht sei die Qualität. „Wenn ich das trinke, wundert es mich nicht, dass die Leute bei uns glauben: Tee schmeckt nicht, denn das tut er dann tatsächlich nicht.“

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