Für viele ein wertvoller Lehrmeister

von Redaktion

Nachruf Gemeinde Obing verabschiedet sich von Schreinermeister Andreas Pürner

Obing – „Pfiade God sagen“, hieß es für die Familie, Belegschaft, Meisterkollegen und Geschäftsfreunde, Vereinskameraden, wie auch für Nachbarn und Freunde von Andreas Pürner beim Seelengottesdienst und der anschließenden Beerdigung im Obinger Kirchenfriedhof.

In einem sehr würdigen Requiem, das musikalisch von den Hoagartler, dem Solisten Michael Hofstetter und dem Obinger Kirchenchor untermalt wurde, hielt Pfarrer David Mehlich Rückblick auf das Leben des Verstorbenen, das er mit dem Bild einer Baumscheibe verglich. Geboren wurde Andreas Pürner am 20. August 1929 in Wies, das damals zur Gemeinde Emertsham gehörte. Er war das jüngste von acht Kindern von Franz-Xaver und Maria Pürner.

Zusammen mit vier Schwestern und drei Brüdern ist er auf dem elterlichen Anwesen aufgewachsen. Nach dem Besuch von sieben Klassen an der Volksschule Peterskirchen, bereits im Alter von 14 Jahren, begann für ihn bereits der Ernst des Lebens. Es war das Schicksal und die Umstände damals, sich als jüngstes Kind nach der Schulzeit auf eigene Füße zu stellen, und so kam er nach Emertsham und machte bei der Schreinerei Stefan Kaltenhauser eine Lehre zum Schreiner.

Andreas Pürner war schon gemustert und stand kurz vor der Einberufung zum Wehrdienst, sein Glück war, dass der Krieg vorher beendet wurde. Nach der Gesellenprüfung im Juni 1947 arbeitete er einige Jahre als Geselle, bei der Schreinerei Schürer in Kienberg und beim Günzinger in Obing.

Als junger Mann wusste er schon, dass das Schreinerhandwerk seine Leidenschaft ist und so kam es, dass er ab Februar 1954 die Meisterschule in München besuchte und diese im Oktober 1955 mit der Meisterprüfung vor der Handwerkskammer abgeschlossen hat.

Ein Grundstück an der Kienberger Straße in Obing wurde erworben und die Gebäude für eine Schreinerei errichtet, bevor er als junger Schreinermeister im Mai 1958 seinen eigenen Betrieb angemeldet hat. Gemeinsam mit seinem ersten Mitarbeiter, dem in Obing immer noch bekannten und fleißigen Schreinergesellen Karl Specht (+ 2010) hat er die Schreinerei Pürner ins Leben gerufen. In seinem Berufsleben hat Andreas Pürner sehr viele Lehrlinge ausgebildet, war für die Gesellen und Meister in seinem Betrieb ein sehr geschätzter Chef.

Im Mai 1988 übergab er den Betrieb dann an seinen Sohn Franz. In der Zeit, als er in der Schreinerei Günzinger in Obing beschäftigt war, hat er auch seine spätere Frau Johanna Rannesberger, eine Damenschneiderin aus Obing, kennengelernt. Am 10. November 1956 haben die beiden geheiratet. Drei Kindern, Franz, Anita und Andreas haben sie das Leben geschenkt. Inzwischen gehören zwei Schwiegertöchter, ein Schwiegersohn, fünf Enkel und drei Urenkel zur Familie. Sicherlich ein sehr dunkler Jahresring in der Baumscheibe von Andreas Pürners Leben ist das Jahr 2006. Im Oktober 2006 stirbt seine Frau Johanna an den Folgen einer schweren Erkrankung.

Auch das Jahr 2021 ist für Andreas Pürner ein sehr dunkles Jahr. Sein Sohn Andreas erkrankt sehr schwer und verstirbt im Oktober 2021 mit nur 59 Jahren. Im Frühjahr 2022 erlitt der Seniorchef der Schreinerei Pürner selbst einen Schlaganfall, von dem er sich aber wieder recht gut erholt hat. Die letzten zwei Jahre konnte er sich auf die liebevolle Pflege von Ljubov Dethiarova verlassen. Seiner Pflegerin gab der Pürner Anderl bis kurz vor seinem Tod immer wieder Nachhilfe in Deutsch.

Nach der Geschäftsübergabe nahm er sich Zeit, genoss den Ruhestand und verreiste viel mit seiner Frau Johanna. Länder wie Südafrika, Thailand, Indien und England besuchten die Pürners. Für die beiden war es eine wahre Bereicherung in ihrem Leben andere Kulturen kennenzulernen. Trotz der Fernreisen haben die Eheleute ihre Liebe zu den heimischen Bergen nicht verloren. Bei all den Reisen und Ausflügen, seine Leidenschaft zum Holz hat den Pürner Anderl nie verlassen. Als sein Sohn Franz heiratete, war es dem Vater ein Anliegen einen neuen Brautstuhl für die Obinger Kirche zu bauen, der dann bei der Trauung von Franz und Elisabeth das erste Mal benutzt wurde.

Als in Obing die 1275-Feier anstand, hat der Anderl sehr viel bei der Errichtung der neuen Dorfkapelle an der Kienberger Straße mitgeholfen, der Gemeinde Obing das Grundstück, auf dem die Kapelle steht, geschenkt und für das Gebäude die Eingangstür selbst angefertigt.

Ein Stück Baum war für Andreas Pürner Material für die Anfertigung eines Andreas-Kreuzes. Zusammen mit dem Obinger Künstler Günther Lehmann ist dann das Kunstwerk entstanden, das seitlich der Zufahrt zu seinem Haus hinter der Werkstatt seht.emk

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