Amerang – Kurz vor dem Champions-League-Finale steigt die Nervosität bei den Dortmunder Fußballfans, auch bei Oliver Klosterberg aus Amerang. Seit 1985 ist der Rentner Borussia-Fan – und wohnt trotzdem im tiefsten Bayern. Zum Finale am heutigen Samstag pilgert er extra nach London zum Spiel Dortmund gegen Real Madrid.
Klosterberg ist Schriftführer beim Fanclub „Schwarz-Gelber Chiemgau.“ In der Nähe von Dortmund geboren, wurde er praktisch von seinem Vater zum Borussia-Fan erzogen. „Ich wurde immer zu den Spielen mitgenommen“, erzählt er. „So wächst man dort rein.“ In einem Fanclub war Klosterberg in seiner Jugend und Kindheit dennoch nie. „In den 80ern und 90ern war das Fan-Dasein schwierig“, sagt er.
„Natürlich gab
es Frotzeleien“
„Damals gab es leider bei den Borussia-Fans viele Ausschreitungen. Da bin ich eher zurückgeschreckt.“ Erst vor fünf Jahren, nach einem Umzug nach Amerang, ist er deshalb zu „Schwarz-Gelber Chiemgau“ gekommen und outet sich damit als Dortmund-Fan in einer Bayern-Region.
„Natürlich gibt es Frotzeleien“, sagt Klosterberg schmunzelnd. Vor allem in der Borussia-Hochzeit als Deutscher Meister von 2011/12 habe er es als waschechter Fan in Bayern nicht leicht gehabt. „Damals wurden wir als echte Konkurrenten gesehen“, sagt er. Wobei er in seinem Heimatort Amerang noch keine negativen Erfahrungen gemacht habe. „Ich hänge regelmäßig die Dortmund-Fahne auf und, was soll ich sagen: Bislang wurde unser Mast noch nicht umgesägt“, erzählt er mit einem Augenzwinkern.
Die Aufregung unter den Fans: Klosterberg nennt sie „enorm“. „Das Finale ist das alles beherrschende Thema“, sagt er. Alle Neuigkeiten würden lange und detailliert in den Whatsapp-Gruppen diskutiert. Genau das genießt der Ameranger aber am Fanclub so sehr. „Dieses Zusammengehörigkeitsgefühl, das ist im Fanclub einfach etwas anderes.“ Die vergangenen fünf Jahre haben sich angefühlt, „wie ein bisschen Kind sein.“ Die Freude und Trauer mit anderen Fans zu teilen, das sei etwas sehr Besonderes. Obwohl Klosterberg nie „einsamer“ Borussia-Fan war, auch nicht seit er nach Bayern gezogen ist. „Ich habe meine Frau Ulrike mit dem Dortmund-Fieber angesteckt. Wir waren gemeinsam bei vielen Spielen.“ Nach London fliegt Klosterberg aber alleine. Beziehungsweise gemeinsam mit anderen Fan-Club-Mitgliedern. „Meine Frau wird in Traunreut beim Public Viewing sein – und ich im Stadion.“
Zwölf Tickets habe „Schwarz-Gelber Chiemgau“ abgreifen können. Klosterberg spricht von „großem Glück.“ „25000 Tickets gab es für Borussia und alleine in Dortmund gab es 400000 Anfragen. Dass wir so viele Eintrittskarten ergattern konnten, ist wie ein Sechser im Lotto.“ Nun würden sie alle auf das Finale hinfiebern.
Auf ein Ergebnis tippen möchte Klosterberg im Übrigen nicht. „Das tue ich grundsätzlich nicht“, sagt der Ameranger, gibt aber zu: „Mir ist bewusst, dass wir nicht die Favoriten sind.“ Doch egal, wie das Spiel am Ende ausgehe, Klosterberg freut sich. „Es geht um das Erlebnis und nicht um das Ergebnis“, sagt er.