Heiße Diskussionen um den langen Samstag

von Redaktion

Haag vor 50 Jahren Rauchverbot war schon damals ein Thema

Haag – Die Haager Fußballer pflegten 1974, vor 50 Jahren, die Tradition, über Pfingsten nach Österreich zu einem Turnier zu fahren. Die Vorbesprechung erfolgte im Vereinslokal „Freundl“. Ebenfalls nach Österreich unternahm der Haager „Alten Club“ seinen Ausflug. Der Motorclub startete vom Café Keller aus eine Fuchssuchfahrt.

Walter Birle und Marga Federhofer waren die neu gewählten Vorsitzenden des Pfarrgemeinderats, die Pfarrer Georg Götz im Gasthaus „Freundl“ vorstellte, um dann die Ausschüsse zu wählen. Im Altdorfer Konstantinsaal spielten die „Delicados“ auf. Moosham ließ im „Kürzeder-Saal“ „Elmar and his Favourits“ auf die Bühne.

Heiß diskutiert wurden der lange Samstag und verlängerte Öffnungszeiten in den Geschäften. Vor allem im Sommer, so die Argumente damals, sei es den Angestellten nicht zuzumuten, im Laden zu stehen, wenn die anderen zum Baden gehen.

Pioniere der Forderung für ein Rauchverbot in Gaststätten debattierten gegen die Aussage des Wirtschaftsministeriums, Rauchen müsse in Gasthäusern gestattet sein. Sie führten an, die Frage habe das Umweltministerium zu beantworten, da der „blaue Dunst“ zur „massiven Umweltverschmutzung“ und Beeinträchtigung anderer beitrage. Sie mussten noch fast 40 Jahre warten, bis das Rauchverbot 2013 eingeführt wurde.

Die Polizeistation ergriff den Haager „Lurer“. Damit wurde der Mann bezeichnet, der nachts Leitern an Häuser lehnte, hinaufstieg und „hineinlurte“. Es handelte sich um einen Gastarbeiter. Vorsitzender Florian Trautbeck und Kassier Georg Thaler berichteten bei der AWO vom Ausbau des „Altenklubheims“ am Hödl-Hof. Der Ausflug für die Senioren habe gestrichen werden müssen, da das Geld für den Umbau benötigt wurde.

„Zinksärge für die Goldjungen“ hieß der Streifen, der im „Haager Filmtheater“ an der Mühldorfer Straße lief. Das Fernsehen zeigte neben anderem „Raumschiff Enterprise“. Die Landjugend von Maitenbeth spielte im Stanglsaal in Marsmaier „Hochzeit am Rößlhof“. Über ein neues Schulgebäude freuten sich die Haager Kinder, doch die „Zwölf-Millionen-Mark-Schule“ im Westen vor Rosenberg war noch nicht ganz fertig.

Eine Schlagzeile aus dem Gemeinderat hieß „Das Sterben wird wieder teurer“. Anlass dazu gab, dass die Einnahmen für das Bestattungswesen weit niedriger als die Ausgaben ausfielen. Für die Märkte meldete das Gewerbe im Durchschnitt über 40 „Fieranten und Kleinhändler“ am Marktberg. Die Jahresmärkte erfreuten sich „großer Beliebtheit“.

Dazu öffneten einige „Einzelgeschäfte“. Die Gastronomie habe stets regen Besuch. Spezielle Gäste zählte der Markt jeweils an seinem damals noch üblichen zweiten Tag, als auf dem Bräuhausplatz der Viehmarkt gehalten wurde.

1974 bot man da nicht mehr wie früher Pferde, Kühe und Ochsen, sondern im Durchschnitt über 50 Ferkel, die sich „reger Nachfrage“ erfreuten und einen „flotten Absatz“ fanden.xy

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