Mühldorf – Es ist die umsatzstärkste Zeit im Handel: der Advent. Das gilt auch für die Region. Jetzt gibt es eine erste Bilanz zum diesjährigen Weihnachtsgeschäft. Was dieses Jahr gekauft wurde – und wovon Mühldorf und der Landkreis besonders profitieren.
Einen guten Gesamtüberblick über das Weihnachtsgeschäft kann man im Globus-Markt erhalten. Denn der vereint viele Sortimente. Dort gibt es nicht nur Dosentomaten, Sahne und Leberkas, dort gibt es auch Bekleidung, Kosmetika, Spielzeug, Küchenausstattung.
Die Kunden seien zurückhaltender geworden, sagt der Leiter des Globus SB-Markts Tobias Au und meint damit konkret: Sie geben weniger Geld aus. Au spricht von „Kaufzurückhaltung“.
Ein Beispiel: Lag 2023 ein Lego-Set für 200 Euro unterm Baum, geben Kunden heuer dafür nur noch 100 Euro aus. Gab es im vergangenen Jahr Champagner für 300 Euro im Sortiment und Rotwein aus Italien für 199, ist heuer bei 57 oder 69 Euro Schluss. „Die teuren haben wir erst gar nicht mehr eingekauft“, sagt Au. Und sehr teure Adventskalender, die im vergangenen Jahr noch sehr gut gingen, blieben heuer im Regal.
Der Globus-Chef spricht aber nicht von sparsamerem Einkauf, sondern von bewussterem. Das macht er vor allem am guten Umsatz bei sogenannter Aktionsware fest, Dingen also, die in der Werbung sind. Auch die Theken mit Fleisch und Käse seien gut besucht gewesen, ebenso die Gastronomie. Au glaubt, dass dort das Preis-Leistungs-Verhältnis stimme und die Kunden das auswählen würden. „Bewusster einkaufen“, wie Au sagt. Trotz der Zurückhaltung ist der Globus-Chef zufrieden. Denn Globus ziehe Kunden inzwischen aus einem größeren Umfeld an, es seien mehr Menschen im Laden als früher. „Unterm Strich sind wir also zufrieden.“ Au hat die Beobachtung gemacht, dass das Weihnachtsgeschäft langsam Fahrt aufgenommen und erst in den letzten Tagen so richtig losgegangen ist. Eine Beobachtung, die er mit Michael Hell teilt. Hells Familie betreibt Bekleidungsgeschäfte in Mühldorf und Ampfing. Ein Grund für den stärkeren Einkauf am Ende der Adventszeit könnten die Streiks der Paketdienste sein und die Sorge, Geschenke nicht mehr rechtzeitig zu erhalten, sagt Hell. Zu Beginn seien die Leute zurückhaltend gewesen, bestätigt er den Eindruck des Globus-Chefs. „Damit sind wir nicht zufrieden.“ In die Karten spielte den Bekleidungsgeschäften auf jeden Fall das relativ kalte Wetter. „Für Jacken und warme Sachen war das sehr gut“, sagt Hell. Die Klassiker: Hemd und Pulli seien dagegen in den Läden geblieben.
Stadt und Aktionsgemeinschaft „Mühldorf vor Ort“ hätten viel getan, die Innenstadt in der Adventszeit attraktiv zu machen. Das sagt Christian Kühl, Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft. Er weist auf die neue Altstadtweihnacht hin, die mit einigen Buden, Glühwein und Essen Menschen angezogen habe. „Das führte zu einer merklich größeren Frequenz in der Stadt“, sagt er. Auch die Nikolausaktion mit 100 Paar Stiefeln in den Geschäften habe dazu beigetragen, Menschen in die Stadt zu bringen.
Mühldorf und der Landkreis profitierten davon, dass die Menschen in der Region hohe Einkommen hätten. „Es leben hier viele Leute, denen es finanziell gut geht“, sagt Kühl. Trotzdem habe der Handel weiterzukämpfen, um sich gegen den zunehmenden Versandhandel zu positionieren. „Wir müssen uns einfach etwas einfallen lassen.“
Auf eins verlassen sich Kühl und Hell: die Tage nach dem Fest und Silvester. Wenn es an die Einlösung von Gutscheinen und den Umtausch geht, sind traditionell viele Menschen in der Stadt unterwegs. „Dann wird es nochmal richtig gut“, sagt Kühl, „dann haben die Leute Zeit.“ Oft, sagt Michael Hell, bleibt beim Umtausch oder dem Gutscheineintausch noch mehr hängen. „Viele gehen zum Bummeln in die Stadt, dann ist richtig viel los.“ Markus Honervogt