Erinnerung, Austausch und Ausblick

von Redaktion

Polens Generalkonsul Rafal Wolski in Mühldorf: Europa-Union organisiert den Besuch

Mühldorf – Ein Tag zwischen Gedenken und Aufbruch: Als Polens Generalkonsul Rafal Wolski, der höchste diplomatische Vertreter Polens im Freistaat Bayern, nach Mühldorf kam, trafen Geschichte und Zukunft aufeinander. Den Besuch hatte die Europa-Union organisiert. Im Gespräch mit Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft blickte auf die Zukunft – und erinnerte mit einem Besuch im Mühldorfer Hart an die dunklen Kapitel der Vergangenheit.

Im Hotel Bastei sagte Wolski im Gespräch mit Vertretern aus Wirtschaft und Gesellschaft: „Nach unserer im 20. Jahrhundert schwer belasteten Geschichte müssen wir in die Zukunft sehen, den Jugendaustausch ankurbeln und die wirtschaftlichen Verbindungen noch weiter ausbauen.“

Bayern und Polen
haben viel gemeinsam

Am Rande unterstrich der Diplomat humorvoll die Gemeinsamkeiten zwischen Polen und Bayern: „Das Granteln, die Eigenwilligkeit und die Skepsis der Obrigkeit gegenüber verbinden Bayern und Polen. Natürlich auch der christliche Glaube, die Bodenständigkeit und die ländliche Gesellschaft.“

Der Kreisvorsitzende der Europa-Union Mühldorf, Walter Göbl, hatte zwei Themen auf die Tagesordnung gesetzt. Zunächst berichtete Jascha März, Projektleiter der Stiftung bayerische Gedenkstätten über den Stand des Ausbaus des dritten Gedenkortes am Bunkerbogen im KZ-Außenlager Mühldorfer Hart.

März hob hervor, dass nach der Kampfmittelräumung und der abgeschlossenen Flurbereinigung die Stiftung am 1. Oktober Eigentümer des Ortes wird. Damit können die Baumaßnahmen ausgeschrieben werden und im nächsten Jahr beginnen. Mit einer Fertigstellung rechnet März im Herbst 2027.

Die Gedenkstätte in Mühldorfer Hart sei damit das Projekt, das am weitesten gediehen ist. Dies sei der beispielhaften Arbeit des Vereins „Für das Erinnern“ zu verdanken. Göbl ergänzte, dass die positive Aufnahme durch die regionalen Medien ebenfalls eine große Rolle spiele.

Kreishandwerksmeister Rainer Dachsberger, der gebürtige Oberschlesier Andreas Bialas und Mit-Koordinator Josef Rottenaicher berichteten über einen Austausch von polnischen und deutschen Auszubildenden, der durch das Erasmus Programm der der europäischen Union gefördert wird.

Bereits am Montag, 6. Oktober, reisen Lehrlinge aus der polnischen Stadt Gostynin aus dem Bereichen Kfz, Einzelhandel und Bau an. Mühldorfer Firmen wie Gruber Landtechnik aus Ampfing, die Firma Müller aus Lauterbach, Palitza Hoch- und Tiefbau Müller, EFKA-Tec Kamhuber aus Erlbach sowie EDEKA Wimmer & Lechertshuber helfen hier gemeinsam mit der Berufsschule zusammen.

Viel diskutiert wurde über das Thema Austausch von weiteren Jugendlichen. Der Vorsitzende des Mühldorfer Jugendparlaments, Linus Spörl, zeigte sich gegenüber einer Partnerschaft mit einer polnischen Jugendvertretung aufgeschlossen. Die Europa-Union und das polnische Generalkonsulat werden dabei helfen, einen Kontakt herzustellen.

Bunkerbogen und
Waldlager besucht

Auf besonderen Wunsch von Ralf Wolski ging es am Nachmittag in den Mühldorfer Hart zum Bunkerbogen und zum Waldlager. Die Führung hatte Günter Schodlok vom Verein „Für das Erinnern“ übernommen. Der Generalkonsul legte ein Blumengebinde nieder. An beiden Orten wurden Kerzen entzündet. Wolski betonte vor Ort, dass die hier begangenen Gräuel dazu aufrufen, die Beziehungen zwischen den europäischen Ländern weiter zu vertiefen.

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