Wasserburg – Der Filzenexpress feiert am heutigen Mittwoch das 120-jährige Bestehen. Eine Bahnstrecke, der in den 80er-Jahren die Stilllegung drohte, die jedoch überlebte. Wasserburgs Pro-Bahn-Sprecher Bernd Meerstein erläutert im Interview, warum der „Filzi“ so beliebt ist wie nie zuvor und was er für die Wasserburger Altstadtbahn bedeuten könnte.
Am 1. Oktober 1905, also vor 120 Jahren, erfolgte der Lückenschluss zwischen Ebersberg und Wasserburg Bahnhof, die Geburt des Filzenexpress. Bekanntlich hätte dieser die Stilllegungswellen der Bundesbahnzeit nicht überlebt, wenn sich nicht die „Initiative zum Erhalt des Filzenexpress“ jahrelang dafür eingesetzt hätte. Wie beurteilen Sie als Vertreter von Pro Bahn heute die Bedeutung des Filzenexpress?
In den letzten Jahren zeigen die stark gestiegenen Fahrgastzahlen der Regionalbahn, dass die Zukunft in der geplanten Express-S-Bahn liegt und die notwendige Elektrifizierung (geplanter Baubeginn eigentlich schon 2026) wird kommen. Schon jetzt sind diese Züge gut ausgelastet und es wird noch mehr.
Die Bedeutung der Bahn in Zeiten der notwendigen Verkehrswende ist heute unumstritten. Ist der Filzenexpress deshalb für die Zukunft gerettet? Oder könnte er noch einmal in Gefahr geraten?
Vor allem die Pendler brauchen diese Verbindung – aber auch die Anschlussreisenden für den Fernverkehr. Das betrifft auch die Touristen, von denen unsere schöne Stadt lebt. Der „Filzi“ wird mehr und mehr gebraucht. Nix mehr mit Stilllegung.
Es gibt sicherlich noch Verbesserungsbedarf. Was wünscht sich Pro Bahn für den Filzenexpress?
Die Züge sollten optimiert werden für Behinderte, Gepäck, Kinderwagen und Radler – endlich barrierefrei! Die Innenausstattung sollte sich an den Standards der nagelneuen, modernen Münchner S-Bahn-Waggons orientieren. Dabei wären aber auch Toiletten unbedingt nötig.
Fest steht außerdem: Der Filzenexpress fährt nur bis Reitmehring, dann heißt es seit Jahrzehnten: umsteigen auf den Stadtbus. Gibt es noch eine Chance für die stillgelegte Altstadtbahn?
Die seinerzeit umstrittenen Mindest-Passagier-Zahlen sind längst übertroffen. Wenn sich alle Wasserburg Politiker für die Altstadtbahn einsetzen würden, hätten wir sie längst (zusätzlich zum Stadtbus). Das hören wir immer wieder aus den internen Quellen (BEG, SOB unter andere). Die Chancen sind also längst da. Übrigens gibt es ein Gutachten des Bauministeriums, welches der Altstadtbahn nun 1400 Fahrgäste täglich voraussagen (1000 sind das Mindestkriterium).
Zum Jubiläum des Filzenexpress gibt es keine Feierlichkeit. Warum eigentlich nicht?
Angesichts der derzeitigen Mängel und Schlappen der DB (also auch SOB) ist uns die Lust auf Feiern leider völlig vergangen. Aber zum 150. feiern wir auf jeden Fall. Versprochen!
Interview: Heike Duczek