„Viel Arbeit, wenig Schlaf“

von Redaktion

Theresia Bauer für ehrenamtliches Engagement mit Heiserer-Medaille ausgezeichnet

Wasserburg – Sie ist die gute Seele Wasserburgs, ein Vorbild für ehrenamtliches Engagement. Man kennt und schätzt sie wegen ihres unermüdlichen Einsatzes für die Gemeinschaft und gewiss auch wegen ihrer lebensfrohen, gewinnenden Art. In der jüngsten Sitzung des Stadtrats erhielt Theresia Bauer die Joseph-Heiserer-Medaille aus den Händen des Zweiten Bürgermeisters Werner Gartner, der für den erkrankten Bürgermeister Michael Kölbl einsprang.

Mit großem
Blumenstrauß beehrt

Auf den Zuschauerplätzen hatten vier frühere Preisträger, der ehemalige Kreisheimatpfleger Ferdinand Steffan, die Managerin der Volksmusiktage, Claudia Geiger, der Kapellenbauer Erich Baumgartner sowie der langjährige Kommunalpolitiker Otto Zwiefelhofer Platz genommen. Auch die beiden Töchter der Geehrten waren zur Preisverleihung gekommen. Freddy Eisner, stellvertretender Vorsitzender des Rosenheimer BRK-Kreisverbands des Bayerischen Roten Kreuzes, beehrte Bauer mit einem großen Blumenstrauß.

Geburtstag am
morgigen Sonntag

Die Auszeichnung, die mit dem Namen des Wasserburger Stadtschreibers Joseph Heiserer (1819 bis 1858) verbunden ist, erhalten Personen, die sich um das Ansehen der Stadt und das Allgemeinwohl besonders verdient gemacht haben.

„Ich kann ganz sicher sagen: Es gibt niemanden, der den Preis mehr verdient hätte als Sie, Frau Bauer“, betonte Werner in einer Laudatio an die beliebte Wasserburgerin, die am Sonntag Geburtstag feiert – sie wird 85. Sie habe 48 Jahre ehrenamtliche Tätigkeit geleistet und niemals Geld dafür genommen, so Werner.

Und er erinnerte an die Vielzahl der Wohltätigkeitsaktionen, die Bauer für das BRK geleistet habe. Sie habe 1979 für die Erdbebenopfer in Italien eine Sammelaktion gestartet, später auch Hilfe für Südtirol, Bosnien und Polen in die Wege geleitet.

Anfang der 80er-Jahre sei sie beim Hochwasser in Wasserburg im Einsatz gewesen, 1984 habe sie den Betreuungseinsatz in Kiefersfelden an der Grenze zu Österreich bei einer Lkw-Blockade geleitet. „Viel Arbeit, wenig Schlaf“ – das bleibt ihr aus jenen Tagen in Erinnerung. 1989 war sie in den Zeltlagern von Freilassing und Trostberg aktiv, als dort die ersten DDR-Flüchtlinge über Ungarn nach Bayern kamen und wochenlang von ihr verpflegt wurden. „Die Traurigkeit der Menschen hat mich emotional mitgenommen, das vergesse ich nicht“, sagte sie bei der Preisverleihung.

24 Jahre Leiterin
der Bereitschaft

24 Jahre lang war Resi Bauer Leiterin der BRK-Bereitschaft, auch den Versorgungstrupp leitete sie viele Jahre. Mit Eintritt in das Rentenalter gab sie ihre Ämter ab und übernahm 2004 die Leitung des Seniorenclubs von Isabella Maier. 2004 richtete die Unermüdliche nach Rosenheimer BRK-Vorbild gegenüber der Post einen Kleiderladen ein – als gelernte Textil-Fachverkäuferin kannte sie sich bei Klamotten aller Art ja gut aus. Der Aufgaben im Kleiderladen nimmt sie sich bis heute an, die Teamleitung hat sie allerdings schon seit einigen Jahren abgegeben. „Der Kleiderladen – das ist und war ihr Kind“, so Gartner. „Das ist eine tolle Sache.“ „Ich war richtig beschämt, als ich gehört habe, dass ich diese Ehrung erhalte“, äußerte die Geehrte gerührt in einem kurzen Dankeswort im Stadtrat. Sie habe durch ihre Tätigkeit so viele Freundschaften gewonnen, Fröhlichkeiten erlebt. „Das habe ich narrisch genossen.“

Natürlich habe es auch Zeiten mit Krisen und Traurigkeit gegeben, aber das sei ja überall so. Wasserburg bezeichnete die fünffache Uroma als ihre Traumstadt, „weil hier alles funktioniert“. Eine gesegnete Stadt, was sich auch beim Gang durch die Stadt zeige. „Da begegne ich regelmäßig vielen Menschen. Als Wasserburgerin kann ich gar nicht einsam sein. Das ist doch einfach schön.“

Freude über
pfeifende Vögel

Am Rande der Preisverleihung machte die Geehrte deutlich, dass sie zwar ehrenamtlich tätig war und ist, doch auch aktiv im Berufsleben stand: Als Einzelhandelskauffrau in Wasserburg, als Mitarbeiterin in einem Kinderdorf in Imst, als Bedienung in Erding. In Vogtareuth ließ sie sich zur Schwesternhelferin ausbilden, ein Job, den sie bis zur Rente im Jahr 2000 ausübte.

Und was ist ihr Geheimnis für ihre Fitness? „Ich bin einfach ein zufriedener Mensch, nicht verbittert. Wenn ich bei mir in der Doblsiedlung beim Frühstück sitze und mache die Fenster auf, höre ich die Vögel pfeifen, da kann ich mich so freuen.“

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