Schlamm-Lawine und tote Fische

von Redaktion

Revision des Wasserkraftwerks an der Wuhr führt zu Umweltdrama

Wasserburg – Vom Balkon des Anwesens am Steinmühlweg zeigt sich das ganze Ausmaß der Tragödie: Wie ein „Leichentuch“, so ein Anlieger, habe sich der Schlamm über den Bach gelegt. Am vergangenen Mittwochabend haben er und sein Sohn auf 150 Metern bereits 20 Kilo tote Fische aus dem Dreck entfernt. Der Anwohner hat bei der Polizei Anzeige erstattet.

Auch Franz Göpfert, Vorsitzender des Kreisfischereivereins Wasserburg, ist entsetzt. „Das ist ein Unding“, schimpft er, „so viele tote Fische, darunter sind viele geschützte Arten.“ Göpfert hat den bayerischen Fischereiverband über den Vorfall informiert.

Sedimente
geraten in Bewegung

Am Abend waren nach seinen Angaben Stadtwerkeleiter Uwe Horn und Zweiter Bürgermeister Werner Gartner vor Ort, um sich ein Bild von der Lage zu machen.

„Das passiert jetzt schon zum wiederholten Male“, sagt Göpfert. In seinen Augen wird die regelmäßig stattfindende Revision des kleinen Wasserkraftwerkes an der Wuhr, das 40 Haushalte mit Strom versorgt und im Besitz der Stadtwerke Wasserburg ist, nicht ordnungsgemäß durchgeführt. Das Stauwerk werde aufgemacht, der Wasserstand ändere sich abrupt, Sedimente, die sich im Bach angesammelt hätten, würden in Bewegung geraten. Mit der Folge, dass das Gleichgewicht des Gewässers gestört werde. Arbeiten dieser Art müssten in mehreren Schritten langsam vollzogen werden, um die Fische nicht in Gefahr zu bringen, fordert Göpfert.

Wie konnte es jedoch am Mittwoch zu dem Umweltdrama kommen? Uwe Horn, Leiter der Stadtwerke Wasserburg, machte sich selbst ein Bild vor Ort. Mitarbeiter der Stadtwerke hätten die Statik des Bauwerks kontrolliert. Dafür habe etwas Wasser am Stausee auf Höhe der Salzburger Straße abgelassen werden müssen, so Horn. „Die Schleuse wurde manuell langsam geöffnet“, sagt Horn. Bis hier lief auch alles nach Plan.

In der Schleuse hätte sich jedoch dann Treibholz verkeilt, wodurch sie sich nicht habe schließen lassen. „Die Schleuse musste nochmal geöffnet werden“, sagt Horn. Hierbei sei dann mehr Wasser als beabsichtigt schwallartig flussabwärts geraten. Und dadurch sei auch Schlamm aus dem Stausee mitgegangen. Weiter unten dann auf Höhe des Steinmühlwegs seien dann viele Fische im Schlamm verendet, so der Stadtwerkeleiter. Auch Zweiter Bürgermeister Werner Gartner war als Vertretung von Michael Kölbl mit Uwe Horn beim Wuhrbach. Nach seinen Informationen sei bei den Fischen durch das schnelle Ablaufen des Flusses Stress ausgelöst worden. Diese würden dann beginnen, flussaufwärts zu schwimmen. Hierbei hätten sie den wasserführenden Pfad nicht mehr gefunden und seien so im Schlamm liegen geblieben. So habe es ein Fischer Werner Gartner erklärt.

Am Donnerstagvormittag waren erneut Mitarbeiter der Stadtwerke vor Ort, und haben die Fische aufgesammelt. „Es ist eine sehr unglückliche Situation“, erklärt Gartner. Für ihn ist klar, dass dieses Unglück aufgearbeitet werden muss, „damit so etwas in Zukunft nicht mehr passieren kann.“ Das sagt auch Uwe Horn. „Wir nehmen die Sache ernst, werden die Störung aufarbeiten und zudem weitere Überlegungen anstellen, wie man die unerwünschten Nebeneffekte abmildern kann. Es tut uns auch furchtbar leid.“ In Zukunft könnten beispielsweise bei geplanten Ablassungen des Stausees Äste direkt vor der Schleuse herausgefischt werden, sagt er. Den Vorwurf, dass Mitarbeiter der Stadtwerke immer wieder zu schnell zu viel Wasser ablassen würden, weist er zurück. „Bei geplanten Öffnungen der Schleuse erfolgt das langsam“, sagt er.

Anders verhalte es sich bei Hochwasser und Starkregenereignissen, die oft sehr kurzfristig auftreten und kurze Reaktionszeiten erfordern würden. „Dabei werden in Absprache mit dem Ordnungsamt die Vorgaben des Wasserwirtschaftsamtes umgesetzt und Teilmengen zum Schutz des Bauwerkes kontrolliert abgelassen“, sagt Horn.

Information bei
großen Sanierungen

Dabei kommt es zwangsläufig immer wieder zur Ausspülung von Schlamm und Sedimenten, die sich im unteren Flussbett ablagern und leider dabei auch einige Fische zu Schaden kommen“, sagt der Stadtwerkeleiter. Bei großen Sanierungen des Kraftwerks, wie es 2022 der Fall war, wird laut Horn im Vorhinein der Fischereiverband informiert. „Hier werden dann die Fische aus dem Wuhrbach gefischt und in einem anderen Gewässer ausgesetzt“, erklärt Horn.

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