Schnaitsee –Der Anfang der Geschichte hört sich fast an, wie aus einem kitschigen Hollywood-Film entsprungen. Eine Familie macht Urlaub auf den Malediven. Die Tochter, Mitte zwanzig, eben fertig mit dem Studium, fährt mit und verliebt sich Hals über Kopf in den Wassersportlehrer. Hollywood hätte sich die Romanze Cornelia Schönhuber aus Schnaitsee und Fayaaz, geboren auf den Malediven von nicht besser ausmalen können. Anfang August wird das Liebesglück aber durch einen tragischen Arbeitsunfall jäh beendet.
Vor neun Jahren
kennengelernt
Sechs Wochen kämpfte Fayaaz um sein Überleben. Am 14. September 2025 verlor er diesen Kampf. Julia Wahle sammelt seitdem Spenden für ihre Freundin, um sie in der schweren Zeit zu unterstützen. „Das, was hier passiert ist, ist einfach fürchterlich“, sagt Wahle. Eine „Total-Katastrophe“.
Dabei fing alles so schön an. Neun Jahre ist es her, dass Cornelia Schönhuber ihrem Fayaaz begegnet ist, wie Wahle erzählt. Das Schicksal hat sich hier wohl eingemischt, denn: „Die Familie ist eigentlich überhaupt nicht reisefreudig“, sagt Wahle.
Einmal gemeinsam
in die Ferne
Zum Geburtstag des Vaters sollte es aber einmal gemeinsam in die Ferne gehen. Und Fayaaz? Wie viele Einwohner auf den Malediven arbeitet auch er damals in der Tourismus-Branche. Als Kite-Surfer ist er in der Wassersport-Abteilung des Hotels tätig, in dem Cornelia Schönhuber und ihre Familie unterkommen. Um die Mitte Zwanzigjährige ist es geschehen. Sie verliebt sich Hals über Kopf in den Mann. „Fayaaz hatte dieses typisch maledivische Wesen. Er war lustig, lebensfroh“, erzählt Wahle. „Wir alle haben Fayaaz geliebt.“
Kurz entschlossen wandert Cornelia Schönhuber aus, um bei ihrem Fayaaz zu sein. Die beiden heiraten, bekommen einen Sohn. Knapp zwei Jahre nach dessen Geburt entscheiden sich die beiden, in ihre oberbayerische Heimat nach Schnaitsee zu ziehen. Der Sohn soll hier in den Kindergarten gehen, eine bessere Bildung bekommen als auf den Malediven möglich ist. Die kleine Familie zieht zu Cornelia Schönhubers Eltern. Sie beginnen, das Haus zu renovieren. Das Familienglück scheint perfekt: Sie geht zunächst ihrer Arbeit als Betreuerin für Suchtkranke nach, wird dann wieder schwanger. Er lernt Deutsch an der Volkshochschule Wasserburg, arbeitet nebenher in einem lokalen Betrieb.
Im Dezember wollten die beiden wieder auf die Malediven fliegen. „Fayaaz hatte etwas Heimweh, er wollte seine Familie wiedersehen“, erzählt Wahle. Doch daraus wurde nichts. Am 7. August, nur zehn Monate nachdem die beiden einen Neuanfang in Schnaitsee gewagt haben, kommt es zur Katastrophe. Fayaaz wird Opfer eines schweren Arbeitsunfalls.
Die genauen Umstände sind weiterhin unklar, derzeit ermittelt die Staatsanwaltschaft Traunstein. Entsprechend wenig ins Detail wird dieser Text gehen, auch der Name des Betriebs bleibt deshalb unerwähnt. Klar ist aber: Es kommt zur Explosion. Kollegen, die Feuerwehr und der Rettungsdienst versorgen ihn, erzählt Wahle. Doch auch sie können nicht verhindern, dass fünfzig Prozent von Fayaaz‘ Haut verbrennen. Er kommt lebensbedrohlich verletzt auf die Intensivstation der München Klinik Bogenhausen.
Für drei Wochen wird Fayaaz ins künstliche Koma versetzt. Dann, um die Hirnfunktionen zu prüfen, wird er aus dem Koma geholt. „Er war voll da, er hat nach seinem Sohn gefragt“, erzählt Wahle. Eine Überraschung für alle. „Ich glaube, die Ärzte haben nicht damit gerechnet, dass er noch einmal aufwacht“, sagt sie. Doch am Ende sind die Verletzungen zu schwer. Nach sechs Wochen Achterbahnfahrt stirbt Fayaaz.
Kaum staatliche
Unterstützung
Für Cornelia Schönhuber eine „Total-Katastrophe“, wie ihre Freundin erzählt. Ein, zwei Wochen vor dem Arbeitsunfall hätte die Sanierung des Elternhauses gerade richtig begonnen. Vier Tage vorher wechselte sie noch die Arbeitsstelle. Hinzu komme noch die Schwangerschaft. „Nach dem Tod von Fayaaz stand sie nehmen mir und fragte: Wie soll ich das alles alleine schaffen?“, erzählt Wahle. Finanzielle Unterstützung für Cornelia Schönhuber gebe es von staatlicher Seite kaum. „Witwenrente und Waisenrente, das berechnet sich über sein Gehalt“, erklärt Wahle. Das sei aufgrund der Umstände schlicht nicht sonderlich hoch gewesen. „20 Prozent von nichts ist leider noch weniger als nichts.“
Schnaitsee
zeigt Solidarität
Deshalb habe sie sich dazu entschieden, eine gofundme-Spendenaktion ins Leben zu rufen. „Conny war das am Anfang sehr unangenehm“, erzählt Wahle. Erst nach dem Tod von Fayaaz habe sie zugestimmt, eine Aktion zu starten. Bis heute könne sie diese aber aus psychischen Gründen nicht verfolgen. Wahle als Initiatorin zeigt sich allerdings „überwältigt“ von der Hilfsbereitschaft. Knapp 38000 Euro sind inzwischen auf gofundme zusammengekommen. Zudem gebe es auch ganz praktikable Hilfe, beispielsweise von Handwerkern, die ihren Dienst umsonst anbieten. „Die Solidarität gerade in Schnaitsee ist wirklich riesig“, sagt Wahle. Darüber sei sie sehr dankbar, denn: „Jeder Cent zählt.“
Wer nicht über gofundme spenden will, kann dies auch über ein Spendenkonto der Volksbank Raiffeisenbank tun. IBAN: DE39 7116 0000 3003 8179 46, Empfänger: Cornelia Schönhuber.