Kirchdorf – Galina Hild hat schon als Kind viele gefährliche Situationen mit angesehen und auch selbst erlebt. Sie ist in Usbekistan aufgewachsen und dort sei das Leben nicht so ruhig gewesen wie in Deutschland. „Aber auch hier auf dem Land passiert es, dass Kinder in Gefahr geraten“, sagt die 44-Jährige, die heute in Kirchdorf lebt. Um dem vorzubeugen, hat sie ein Buch über Geheimnisse geschrieben – denn die können für die Kleinsten gefährlich werden.
Geheimnisse
richtig einordnen
„Man kann Kinder leicht beeinflussen“, erklärt Hild. Die Kirchdorferin ist selbst Mutter von zwei Kindern und weiß, wie Neugier und Angst sie angreifbar machen können. In ihrem Buch „Das Spiel mit den Geheimnissen“ geht es um einen kleinen Jungen, der lernt, dass Geheimnisse sowohl gut als auch schlecht sein können. „Ein schlechtes Geheimnis ist zum Beispiel, wenn ein Erwachsener einem Kind etwas schenken möchte und sagt, dass das Kind nichts erzählen darf“, so Hild.
Mit dem Buch sollen Kinder lernen, selbst nachzudenken, damit sie Geheimnisse richtig einordnen können. Dafür gibt es am Ende des Buches extra einen „Übungsteil“. Dort müssen die Leser selbst beurteilen, was ein gutes und was ein gefährliches Geheimnis ist.
Dass die Kleinsten nirgendwo vollständig sicher sind, hat Hild erst vor Kurzem wieder gemerkt. „Ein Junge war mit seiner Mutter im Schwimmbad“, erzählt sie. Das Kind habe nur kurz alleine auf die Toilette gehen wollen. Doch dort angekommen, wurde es von einem fremden Mann angesprochen. „Er hat gesagt, dass seine Mutter weg sei und der Junge deshalb bei ihm bleiben soll“, sagt Hild.
Ohne ein Wort zu sagen, lief das Kind davon, zurück zu seiner Mutter – die natürlich nicht einfach gegangen war. Dass es in diesem Moment intuitiv richtig reagierte, hat es wohl Hild zu verdanken. „Ich bin Taekwondo-Trainerin, leite zwei Kampfsportschulen und arbeite sehr viel mit Kindern“, erzählt die Kirchdorferin. In ihren Kursen gehe es auch darum, wie Kinder solche Situationen gefahrlos verlassen könnten. „Das Kind hat mir später von der Situation im Schwimmbad erzählt und gesagt, dass es sofort an mich denken musste.“ Hild habe sich darüber sehr gefreut.
Die 44-Jährige kam schon früh mit Taekwondo in Berührung. In ihrer Heimat Usbekistan lebten viele Koreaner, die den Sport betrieben. „Mein Vater war außerdem Kampfsportler“, erzählt Hild. Sie selbst habe sich das Training damals nicht leisten können und stattdessen gemeinsam mit dem Papa trainiert. „Er hat mir gezeigt, wie ich mich verteidigen kann.“ Und das habe ihr im Leben viel geholfen, denn sie wusste sich immer zu wehren.
Hinzu komme, dass die Bewegung dem Körper gut tue und auch die Gemeinschaft im Sport wichtig sei. „Taekwondo war immer mein Traum“, betont Hild, die heute hauptberuflich Kampfsport- und Fitnesstrainerin ist. Mit 31 Jahren habe sie damit angefangen, allerdings nie geglaubt, dass sie wirklich eine eigene Schule eröffnen werde.
Doch sie hat es geschafft und ist dadurch heute fast täglich mit Kindern in Kontakt. „Man kann spielerisch mit ihnen lernen“, betont Hild. Genau das will sie auch mit ihrem Buch erreichen. „Es richtet sich an Kinder und an Erwachsene“, erklärt die Autorin. Man müsse nämlich auch Eltern sensibilisieren. „Oft haben die Kleinen Angst davor, ein Geheimnis zu verraten, weil sie sich sonst schlecht fühlen.“ Bringe aber etwa ein Schüler ein Messer mit in den Unterricht, müsse das gemeldet werden.
Sie erzählt, dass ihr im Taekwondo-Unterricht viele Geheimnisse anvertraut werden. „Manchmal wissen die Kinder und Jugendlichen nicht, wie sie mit ihren Eltern darüber sprechen sollen“, erklärt Hild. Von Jugendlichen erfährt sie oft „Liebesgeschichten“. Und die Kinder erzählen auch schon mal, dass sie von Fremden angesprochen wurden.
Für Hild ist es zwar das erste veröffentlichte Buch, sie hat aber schon viel geschrieben. „Ich habe mich nur nie getraut, das wirklich herauszubringen“, sagt sie und lacht. Dann sei ein Verlag auf sie zugekommen, der hauptsächlich Sportbücher veröffentlicht. „Sie haben gefragt, ob ich ein Buch über das Taekwondo-Training mit Kindern schreiben könnte“, erzählt Hild. Das habe sie nicht gewollt und stattdessen das Buch über Geheimnisse angeboten. „Der Verlag fand es sofort super.“
Inzwischen ist sie sogar mit ihrem zweiten Buch fertig. „Darin geht es um das Thema Mobbing und Ausgrenzung“, verrät Hild. Das beschäftige viele ihrer Schüler, weshalb sie es oft im Unterricht anspreche. In dem Buch soll es nicht nur darum gehen, betroffene Kinder zu stärken.
Es gehe auch darum, den Mobbern selbst klarzumachen, wie verletzend ihre Worte und Taten sein könnten. „In den nächsten zwei oder drei Wochen sollte das zweite Buch herauskommen“, sagt Hild.
Kinder müssen
gestärkt werden
Ihr erstes Werk gibt es schon seit Anfang August zu kaufen, etwa bei Libretto in Haag oder bei einschlägigen Online-Händlern. Mit ihrem Job als Trainerin hat die zweifache Mutter es sich zur Aufgabe gemacht, nicht nur ihre eigenen Kinder zu stärken, sondern auch andere, wie sie selbst sagt. Damit Kinder erkennen, welche Geheimnisse sie für sich behalten können – und welche unbedingt weitergesagt werden müssen.