Sie möchte es noch einmal wissen

von Redaktion

Haags Bürgermeisterin Sissi Schätz tritt bei der Wahl im nächsten Jahr wieder an

Haag – Lange hat sie geschwiegen, auf später vertröstet und erklärt, es sei noch zu früh, eine Aussage zu machen. Jetzt steht es fest: Sissi Schätz (SPD) will es noch einmal wissen. „Ich möchte meine erfolgreiche Arbeit als Haager Bürgermeisterin fortsetzen. Deshalb trete ich am 8. März 2026 wieder zur Wahl an“, erklärt Schätz. In einem exklusiven Gespräch mit der Wasserburger Zeitung und innsalzach24.de begründet die 61-Jährige ihre Entscheidung ganz schlicht mit folgenden Worten: „Ich fühle mich einfach zu jung, um in Rente zu gehen.“

Noch immer
Spaß an der Arbeit

Seit 1996 ist sie im Gemeinderat tätig, seit 2014 als Bürgermeisterin. Sie habe es sich deshalb reiflich überlegt, ob sie sich auch für eine dritte Amtszeit zur Verfügung stellen solle. Aber für sie stehe fest: Der Spaß an der Arbeit habe noch nicht nachgelassen. Gerade die Abwechslung in ihrem Beruf schätze sie sehr. „Es ist einfach eine Freude, in das Rathaus zu gehen. Man weiß nie so ganz genau, ob der Tag sich so entwickeln wird wie geplant“, erklärt Schätz schmunzelnd.

Viele Projekte, darunter die Sanierung des Hallenbads, habe sie in ihren Amtszeiten zu Ende führen können. Einige gebe es aber noch, deren Abschluss sie gerne noch die nächsten sechs Jahre begleiten würde. Dabei ganz oben auf der Liste: das Integrationscafé im Zehentstadel. „Das ist ein Herzensprojekt von mir“, erklärt sie.

Zehentstadel als
Gesamtkomplex

Anfang 2026 würden in den Westteil des Zehentstadels Bücherei und Volkshochschule einziehen. Schon das sei „ein großer Gewinn für das kulturelle und gesellschaftliche Leben“ in Haag. Perfekt dazu passend sei die Idee des Integrationscafés im Ostteil. „Den Zehentstadel habe ich schon immer als Gesamtkomplex gesehen“, erklärt Schätz. Umso erfreulicher sei es, hier eine so gute Lösung mit Bücherei, VHS und Café gefunden zu haben. „Es würde mir sehr weh tun, wenn dieses Projekt wieder gekippt wird.“

Denn hier entstehe „ein Ort der Begegnung“, von dem die gesamte Marktgemeinde profitiere. „Für mich war es immer sehr wichtig, unsere Geschäfte vor Ort zu erhalten, dafür müssen wir aber den Gästen auch etwas bieten. Ich gehe auch lieber zum Einkaufen, wenn ich flanieren und an einem schönen Platz einen Kaffee trinken kann“, so Schätz.

Zu dieser Aussage passt auch Schätz‘ zweites großes Ziel: den Masterplan für die Umgestaltung der Ortsmitte umzusetzen. Eine Neugestaltung von Haag habe sie schon in ihrer ersten Amtszeit vorgehabt, doch unterschiedliche Gründe, darunter auch Corona, hätten die Umsetzung verzögert. „Wir konnten keine Bürgerbefragung durchführen und ohne sie geht es nicht“, erklärt Schätz. Nun stünden die Zeichen allerdings gut. „Ich möchte das in den nächsten sechs Jahren anpacken.“

Keine Schlafstadt
für Pendler

Denn die Kritik, dass Haag an manchen Stellen als hässlich empfunden werde, könne sie nachvollziehen. Wobei sie betont: „Als Schlafstadt für Pendler sehe ich Haag absolut nicht.“ Aber es sei klar, dass etwas getan werden müsse. Nur sei es wichtig, dies richtig anzugehen.

Auch das Bild einer düsteren Finanzlage lässt sie dabei nicht gelten. „Dazu möchte ich ganz klar sagen: Natürlich ist Haushaltsdisziplin angesagt, aber es gibt keinen Grund zur Schwarzmalerei“, sagt Schätz. Die Einnahmen würden nicht immer weniger, wie von manchen behauptet. „Ich wehre mich dagegen, dass hier nur auf die Pro-Kopf-Verschuldung verwiesen wird. Denn im Umkehrschluss bedeutet diese auch, dass etwas passiert in der Gemeinde“, sagt Schätz. In ihren knapp 30 Jahren im Gemeinderat habe sie zudem immer wieder erlebt, dass auf eine angeblich angespannte Haushaltslage verwiesen wurde. „Es hieß schon bei der Umgehungsstraße, dass wir uns die nicht leisten können und auch hier hat es geklappt“, so Schätz. Auch jetzt sei für sie klar: Die Marktgemeinde müsse zwar für einige Projekte, wie den Zehentstadel, in Vorleistung gehen, könne aber hohe Förderbeiträge erwarten. „Wir sind weit davon entfernt, uns nur auf Pflichtaufgaben konzentrieren zu müssen“, betont Schätz.

Konstruktive
Zusammenarbeit

Genauso erwehre sie sich des Bildes eines ständig zerstrittenen Gemeinderats. „Ich möchte nicht verhehlen, dass bei manchen Projekten Verzögerungs- oder gar Verhinderungstaktik im Gemeinderat eine Rolle gespielt hat“, sagt Schätz. Fest stehe für sie allerdings: „Es liegt nicht am Bürgermeister.“ Die Interessenslage in Haag sei schlicht sehr unterschiedlich. Grundsätzlich sei die Zusammenarbeit im Gemeinderat allerdings sehr konstruktiv, meist würde einstimmig oder mit großer Mehrheit für Projekte gestimmt. „Und im Gegensatz zu anderen Gemeinderäten wird es bei uns niemals laut, was ich sehr schätze“, so Schätz. Schon allein diese Tatsache zeige, dass das Gremium nicht so zerstritten sei, wie manchmal dargestellt.

Für sie sei aber klar: Nachhaltige Kommunalpolitik brauche Ideen, Mut, Fachwissen und Überzeugungskraft. „Ich werde mich auch weiterhin dafür einsetzen, dass Haag ein lebenswerter, zukunftsfähiger und finanziell solider Markt bleibt – mit klaren Prioritäten, rechtlicher Sicherheit und einem offenen Ohr für alle Bürger“, so Schätz.

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