Traum ist noch lange nicht ausgeträumt

von Redaktion

St.-Nikolai-Bruderschaft hält Erinnerung an Innschifffahrt lebendig

Wasserburg – Sie halten die Erinnerung an die Schifffahrt über den Inn wach: die Mitglieder der St. Nikolais-Bruderschaft Wasserburg. Vor 25 Jahren wurde der Verein wiedergegründet.

Mit der Entwicklung der Innschifffahrt stieg auch die Bedeutung der Schiffleut.

Erstmals 1484
urkundlich erwähnt

Doch die harte Arbeit auf dem Inn forderte immer wieder Todesopfer. Dies führte unter den Bürgern zur Gründung von wohltätigen Vereinigungen. Diese nahmen sich der Witwen und Waisen an und so wurde in Wasserburg die christlich und sozial geprägte St.- Nikolai-Schiffleut-Bruderschaft zu Ehren des heiligen Nikolaus, dem Schutzpatron der Seefahrer und Schiffleute, gegründet.

Erstmals wurde die Bruderschaft im Jahr 1484 urkundlich erwähnt. Das „Wasserburger Wochenblatt“ schrieb anno 1857 in der Nummer 21 über die St.- Nikolai-Schiffleut-Bruderschaft zu Wasserburg am Inn: „Es bestund hier seit undenklichsten Zeiten schon eine reiche Schiffergilde, vonwelcher aus dem Jahre 1484 die erste Urkunde sich vorfindet und welche im Jahre 1519 auf Grund eines schon weit früheren Bestandes durch Herzog Wilhelm IV. mit eigenen Satzungen versehen, dann mit der sogenannten Schiffroßabgabe begnadigt wurde.“

Die Bestimmung der „Schiffroßabgabe“ sagte: „von allen Schiffleuten, die mit ihren Rössern den Inn aufwärts schiffen, immer von zwei Rössern einen Kreuzer für die Bruderschaftsbüchs zur fordern, für Abhalten des Gottesdienstes.“

Unterstützung
der Bürgerschaft

Zur damaligen Zeit gab es keine Kirchensteuern. So wurden die Mitwirkenden an den Gottesdiensten wie Pfarrer, Organist und Mesner für jede heilige Messe von einer Bruderschaft oder Privatperson bezahlt. Zusätzlich wird in den Archiven immer wieder von Zuwendungen an die Bruderschaftsbüchs verwiesen. Die wohlhabenden Bürger der Stadt Wasserburg unterstützen die Bruderschaft großzügig.

Neben der sozialen Unterstützung beteiligte sich die St.-Nikolai-Schiffleut-Bruderschaft auch an kommunalen und kirchlichen Aufgaben. So bezuschusste sie 1764 die Anschaffung einer neuen Orgel für St. Jakob, „weil die alte Orgel anstatt zur Aufmunterung und zur Andacht mehr zur Verwirrung und dem Verdruss diente“. 1788 wurde die Gründung des städtischen Schulfonds unterstützt, 1837 der Umbau der Orgel in der Frauenkirche und 1880 die Umgestaltung von St. Jakob im Stil der Neugotik.

Im Wasserburger Heimathaus ist die Bruderschaftstruhe/-büchs ausgestellt. Diese trägt die Jahreszahl 1772 und zeigt auch das Bild des heiligen Nikolaus. In ihr wurden alle Schriftstücke und das Geld aufbewahrt.

Mit Ende des 18. Jahrhunderts wurden die großen Schiffszüge immer weniger. Das endgültige Aus der Schiffszüge kam mit dem Bau der Eisenbahn Mitte des 19. Jahrhunderts. In der Folge wurde die St. Nikolai-Schiffleut-Bruderschaft dann 1885 aufgelöst.

Im Jahr 2000 nahm man sich anlässlich des großartigen Erfolges des Bürgerspiels dieses Themas wieder an. Jeder, der damals dabei war, hat noch die schönen Bilder im Kopf: Als das Schiff Nikolai mit dem Schiffsmeister Gumpelsheimer und dem welschen Adeligen den Inn hinunterfuhr und am Gries festmachte, der Fackelzug mit den singenden Schiffsleuten, die vom Gries zum Marienplatz zogen.

Daraufhin trafen sich im Oktober 2000 35 Gründungsmitglieder beim Huberwirt und beschlossen, die St.-Nikolai-Schiffleut- Bruderschaft wiederzugründen. Als Vereinszweck wurde in der Satzung unter anderem festgelegt: die Erhaltung und Erweiterung des Wissens über die Geschichte der Innschifffahrt, die Pflege der jahrhundertealten Tradition der Schiffleutvereinigung, die Vertiefung des Bewusstseins der Mitglieder für die Heimat am Fluss sowie die Pflege der Gemeinschaft.

Der Verein hat mehrere Mitglieder, die eine Zulassung und auch die Qualifikation für eine Boots-/Plättenfahrt auf dem Inn haben. Aber die Logistik für das Wassern und den Unterhalt der Plätten und die damit verbundenen Kosten lassen dies nicht zu. Beim Bürgerspiel war dies durch die großzügige Unterstützung von Sponsoren möglich.

2009 wurde unter der Leitung des damaligen Vereinsvorsitzenden Herbert Rödig ein historischer Schiffszug am Inn aufgestellt. Dies wird wohl aus den gleichen Gründen eine einmalige Angelegenheit der Neuzeit bleiben. So konzentriert sich der Verein auf eine wichtige Aufgabe: die Erinnerung an die Innschifffahrt und die damit verbundene Bedeutung für die Entwicklung der Stadt Wasserburg aufrechtzuerhalten.

Erinnern und
Gedenken

Das Gedenken aller auf dem Inn ums Leben Gekommenen sieht der Verein ebenfalls als wichtige Aufgabe. Die Mitglieder treffen sich jeweils am 24. Juni am Gedenkstein in Attel und gedenken stellvertretend für alle Verunglückten auf dem Inn der neun jungen Männer.

In der Stadtchronik steht: „Am 24. Juni 1850 ereignete sich ein großes Unglück. Elf Teilnehmer an der Sekundisfeier in Attel wollten in einem Nachen auf dem Inn nach Wasserburg heimfahren. Des Flusses hochgehende Wellen, wohl auch die ungenügende Vorsicht, brachten das Fahrzeug bei Heberthal zum Umschlagen. Nur zwei der Insassen konnten, weil sie sich an das umgeschlagene Schiff anklammerten, in der Gegend des Wasserburger alten Krankenhauses eingeholt und gerettet werden.“

Der Gedenkstein war im Laufe der Zeit auf einem Privatgrundstück in Vergessenheit geraten und verwuchert. Im Jahr 2002 ließ der Verein den Gedenkstein restaurieren und an einen frei zugänglichen Ort versetzen.

Reger Austausch mit
anderen Vereinen

Mit den noch existierenden Schiffleutvereinen in Neubeuern und Nußdorf findet ein regelmäßiger Austausch zur Innschifffahrt statt. Einmal im Jahr unternimmt der Verein einen Tagesausflug, der in Bezug zur Flussschifffahrt steht. Einen Traum haben die Wasserburger Schiffleut, sie hoffen, dass er noch in Erfüllung geht: die Fähre über den Inn zum Blaufeld wieder aktivieren zu können.

Nun sind 25 Jahre seit der Wiedergründung vergangen. Ein guter Grund, dieses Jubiläum am 17. Oktober zu feiern. Um 19 Uhr findet im Pfarrsaal St. Jakob, bei freiem Eintritt, ein Festabend statt. Vorträge über „2000 Jahre Innschifffahrt“ werden durch Lieder der Nußdorfer Schiffleut-Sänger und Werner Maurer an der Zither begleitet. Alle Interessierten an der Innschifffahrt sind herzlich eingeladen.

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