Rettenbach – Ein Blick in die Chronik zeigt: Den Obst- und Gartenbauverein Rettenbach-Farrach in der Gemeinde Pfaffing gibt es seit 125 Jahren. In dieser langen Zeit war er durchgehend aktiv, auch während der zwei Weltkriege.
Das Jubiläum wird am Sonntag, 12. Oktober, einen ganzen Tag lang gefeiert. Der Festsonntag beginnt um 8.30 Uhr mit einem Gottesdienst in der Filialkirche Peter und Paul. Anschließend führt ein Zug zum Neuwirt. Dort sind Ehrungen von Mitgliedern und Ansprachen vorgesehen. Nach dem Mittagessen unterhält Helmut Wolfertstetter, Europameister im Vogelstimmen imitieren.
Ausstellung und
Kinderprogramm
Weiter gibt es eine interessante Ausstellung zur Vereinsgeschichte, ein abwechslungsreiches Kinderprogramm, einen Kürbiswettbewerb sowie eine Tombola und zu all dem Kaffee und Kuchen.
Beim Blick in die Vereinschronik fällt die wechselnde Bedeutung der Gärten im Laufe der Zeit auf. Entstanden ist der Verein aus einer Not heraus, nämlich dem Anbau von Lebensmitteln nach Hagelschäden. Um den daraus folgenden Informationsbedarf zu Dünger und Schädlingsbekämpfung kümmerte sich der Verein ebenfalls. Da im Laufe der Zeit die Nahrungsversorgung einfacher wurde, entwickelte sich der Umgang mit Pflanzen in Richtung Aussehen und Schönheit. Auf Bildern ist gut zu erkennen, dass in den 1960er- bis in die 1990er-Jahre üppiger Blumenschmuck, vor allem Geranien, die Häuser zierte. Wettbewerbe riefen dazu auf. Heute hingegen, unterstreicht Vorsitzender Stefan Reich, bewege sich das Engagement im Garten mehr in Richtung Natur, es sollte „öfter mal was stehen gelassen werden, dann kommen die Insekten von selber“. Das sei auch erklärtes Ziel. Dabei helfen Informationsangebote des Vereins mit kostenlosen Beratungen des Kreis- und des Landesverbandes.
Dem Verein sind Anpassungen an Veränderungen stets gut gelungen. Laufend galt es, Einnahmemöglichkeiten zu finden. Darunter befand sich etwa eine Obstbauzeitung im Jahr 1904 und schon früh kümmerte sich der Verein etwa 1931 um die Bestellung von Obstbäumen. Ein Obstkeller, 1935 eingerichtet, ist wieder geschlossen worden. Das Mostpressen kam 1942 hinzu, wird aber mittlerweile aufgrund des nachlassenden Interesses nicht mehr durchgeführt. Diese Presse baute der langjährige Vorsitzende Heinrich Mittermair in eine motorgetriebene Variante um. 25 Jahre lenkte er ab 1978 mit viel Engagement die Geschicke des Vereins. Immer wieder gab es Anerkennung und Auszeichnungen für den Obstbau. Geblieben ist bis heute die Hilfestellung bei der Baumpflege und dem optimalen Ausschneiden. Der jährliche Tag der offenen Gartentür des Landkreises ist fester Bestandteil im Vereinsjahr. Das Angebot von Ausflügen hatte früher einen hohen Stellenwert als Möglichkeit, andere Gärten zu sehen. Heute wird das im kleineren Rahmen angeboten.
Auf großes Interesse trifft stets das Kinderprogramm. Es wird viel gebaut und gebastelt, vom Vogelhäuschen über Gemüsekisten bis zum Aufstellen einer Bank auf dem Dorfplatz. All das geschieht, um die Natur für Kinder begreifbar und interessant zu machen. Kräuterwanderungen zählen auch zum Programm. Das kommt gut an, manchmal werden auch die Eltern dadurch Vereinsmitglieder.
Dass der Verein damit nicht verkehrt liegt, zeigt die für Rettenbach verhältnismäßig hohe Mitgliederzahl von über 150. Heute leiten den Verein der Vorsitzende Stefan Reich und sein Vertreter Christian Ott. Schriftführerin ist Gerti Spötzl, Kassiererin Helene Spötzl. Beisitzerinnen sind Heidi Zollner, Marlene Asböck, Rita Spötzl, Barbara Haas und Hans Kirchlechner. Die Kasse prüfen Gitti Pauker und Maria Geissinger. Ein Zeitungsbericht erwähnt am 20. November 1900 die Gründung eines Obstbauvereins für die Gemeinde Pfaffing, Rettenbach und Farrach. Ein Grund dafür war der Hagel zu dieser Zeit, der „fast alle Obstgärten total vernichtete“, wie es hieß. 26 Mitglieder waren sofort dabei, Vorsitzender war damals Bürgermeister und Ökonom Haas aus Perach.
Doch die Wurzeln des Obstbaus in Rettenbach reichen noch weiter zurück. So gibt es eine Urkunde, ein „Ehren-Diplom“ für „Verdienstliche Leistungen auf dem Gebiete der Obstbaumzucht“ des „Landwirtschaftlichen Bezirkskomités Wasserburg“ aus dem Jahr 1888.
Baumwart gegen
Verwahrlosung
Bald schon spielten Lehrabende eine Rolle und es war vom „gutausgebildeten, fleißigen Baumwart Ignaz Eutermoser“ die Rede. Dazu hielt der Chronist fest: „Ohne einen guten Baumwart gehen die Anlagen erfahrungsgemäß allmählich der Verwahrlosung entgegen.“ In der unruhigen Zeit der Inflation wurden 1923 37 Milliarden Mark in eine einzige Goldmark umgewandelt.