Pfaffing – Auf ein besonderes Jubiläum schaut Bernhard Koblechner aus Pfaffing zurück. Er ist nicht nur seit 50 Jahren im Rathaus in der Finanzverwaltung tätig, sondern hinzukommt, dass er seinem Ausbildungsbetrieb und Arbeitgeber über die ganze Zeit hinweg treu geblieben ist.
Etwas mit Zahlen und im Büro, das deckte sich durchaus mit den beruflichen Vorstellungen des Realschulabsolventen im Jahr 1975. Damals gab es wenig freie Ausbildungsplätze, daher erforderte eine schnelle Antwort auf seine Bewerbung auch eine zügige Reaktion, selbst wenn der Urlaub des damals 16-Jährigen damit zu Ende war.
Vom Kassenleiter
zum Kämmerer
Bürgermeister war damals Max Asböck, der Ausbilder Hans Huber, und der Weg aus Forsting nach Pfaffing war mit dem Fahrrad gut zu bewältigen. Das verlief für alle Seiten so zufriedenstellend, dass Bernhard Koblechner nach drei Jahren als Verwaltungsfachangestellter im Rathaus blieb. Zuerst als Kassenleiter, ab 1983 als Verwaltungsfachwirt und seit 1989 als Kämmerer im gehobenen Dienst. Eine Beamtenlaufbahn strebte er nicht an.
Rückblickend erinnert sich der dreifache Familienvater an spannende Momente, die im Umgang mit Zahlen zu erleben sind. Darunter das Aufstellen von Haushalten und Jahresrechnungen, denn dabei ist die Einschätzung eines Kämmerers stets von Bedeutung. Auch sind große Summen zu bewegen, zuletzt rund 30 Millionen Euro innerhalb der Verwaltungsgemeinschaft alleine jährlich.
Die Schwerpunkte lagen stets bei einem ausgeglichenen Haushalt mit einer möglichst hohen Zuführung vom Verwaltungs- an den Vermögenshaushalt. Denn erst dann sind Investitionen mit Eigenmitteln zu finanzieren. Seiner Erfahrung nach seien freiwillige Leistungen besser niedrig zu halten, denn ein Sparhaushalt erfordere dann viel Diskussionsbedarf im Gemeinderat: „Die wieder wegzubringen, ist schwer.”
Spannend ist auch das Aufspüren von selbst noch so kleinen Abweichungen. Das habe sich jedoch mit Einführung der Computer drastisch vereinfacht. Auch reduzierte sich der Zeitaufwand beispielsweise bei Abbuchungsläufen bei Steuern und Abgaben von damals gut zwei Wochen auf heute zehn Minuten. Vom großen Schreckgespenst Datenverlust sei man glücklicherweise verschont geblieben, denn insgesamt gebe es den Datenbestand zeitlich versetzt dreimal und räumlich getrennt. Überhaupt sei die Entwicklung beim Verarbeiten der Zahlen, angefangen von Stift und Papier über große Buchungsautomaten zum Computer ab 1985, und zum kleinen Computer-Tablet von heute eine interessante Entwicklung gewesen.
Ein persönlicher Meilenstein war nicht nur 1978 die Eingemeindung von Albaching mit einem anderen Kassensystem, sondern 1994 wieder die Trennung mit Bildung einer Verwaltungsgemeinschaft. Das brachte eine Vermögensauseinandersetzung mit sich. Dafür durfte sich Kämmerer Koblechner selbst Gedanken machen; wohl wissend, mit einem Lösungsvorschlag keine hundertprozentige Zustimmung beider Seiten zu erhalten.
Vorhandene Schulden und Rücklagen sind letztlich auf Vorschlag der Rechtsaufsichtsbehörde entsprechend den Investitionen in dem gemeinsamen Zeitraum von 1978 bis 1993 aufgeteilt worden.
Ruhig schlafen konnte er angesichts von Fristen und Summen „eigentlich immer, es gab ja dazu auch Gemeinderatsbeschlüsse.” Wichtig war bei Geldgeschäften der gesetzlich vorgegebene Haushaltsgrundsatz „sicher und ertragbringend“. In dieser Beziehung, so ist seine Erfahrung, haben Geldinstitute vor Ort stets gut beraten und vor allem seien Ansprechpartner greifbar.
Es gibt immer
etwas zu tun
Derzeit hilft Bernhard Koblechner noch stundenweise in der Verwaltung aus, ein Ende sei in den kommenden Monaten absehbar. Was kommt dann? „Es gibt immer was zu tun” weiß er mit Blick auf Haus und Garten. Außerdem treibe er gern Sport in leitender Funktion in einer Gymnastik- und Radlgruppe des Sportvereins und unternimmt gerne Tagestouren.