Alleinstellungsmerkmale gesucht

von Redaktion

Wasserburger Weihnachtsmarkt soll noch attraktiver werden

Wasserburg – Drei Anträge des Wirtschaftsförderungsverbands Wasserburg (WFV) lagen dem Hauptausschuss der Stadt Wasserburg vor: Bei zweien ging es um Zuschüsse für weitere Angebote, die den Christkindlmarkt noch attraktiver machen sollen. Das Grundproblem: Es wird immer schwieriger, sich am Markt der vielen Weihnachtsveranstaltungen in der Region zu positionieren. Der Kuchen bleibt gleich groß, immer mehr Anbieter wollen sich ein Stück abschneiden.

„Es wird schwieriger, denn die Konkurrenz wird größer“, brachte Bürgermeister Michael Kölbl (SPD) die Situation auf den Punkt. „Jedes Dorf hat mittlerweile einen Weihnachtsmarkt“, ergänzte Werner Gartner (SPD). Auch Georg Machl, Fraktionsvorsitzender von CSU und Wasserburger Block, legte den Finger in die Wunde: Es werde immer schwerer, die Besucher zu halten und neue anzulocken.

WFV setzt auf
Besonderheiten

Der WFV, der in Wasserburg den Christkindlmarkt veranstaltet, setzt auf Besonderheiten, die die Veranstaltungen aus der Masse herausstechen lässt. Mit Erfolg: Vor allem 2024 war der „Wasserburger Wintertraum“ mit Markt, Eisbahn und Beleuchtungskonzept sowie Christbaumallee, Letzteres initiiert vom Stadtmanagement, ein Riesenerfolg.

Heuer soll es all das wieder geben. Erneut wird das Hüttendorf in der Altstadt aufgebaut, wieder am Gries eine Schlittschuhlauf-Anlage angeboten. Ausgeweitet wird die Beleuchtung der Altstadtfassaden mit Lichteffekten, 2023 erstmals erprobt, 2024 intensiviert. „Die ganze Stadt ein Knusperhäuschen“ soll es 2025 heißen. Die Lichtbilder an den Fassaden, erstellt vom Verein „Wasserburg leuchtet“, sollen noch größer, ausgefallener und schöner erstrahlen. Einprägsamstes Motiv im vergangenen Jahr: der Bürgerbahnhof als Lebkuchenhaus.

Die Stadt wird also großflächig erleuchten, außerdem plant der WFV mit dem Verein eine musikalische Begleitung durch ein Glocken-Mapping (interaktive Aktion, bei der Glockentöne produziert werden). Ziel: „Ein Alleinstellungsmerkmal in Bayern“. Wasserburg will sozusagen über die Region hinaus erstrahlen.

Doch das kostet: Laut Kölbl hat der WFV mitgeteilt, dass gegenüber 2024, als 7500 Euro für die Lichtshows investiert wurden, heuer Ausgaben von 12500 Euro entstehen würden. Deshalb bittet der Wirtschaftsförderungsverband darum, den städtischen Zuschuss von 5000 Euro aus dem Jahr 2024 auf 8000 Euro anzuheben. Dieser Zuschuss werde vom WFV eins zu eins an den Verein „Wasserburg leuchtet“ weitergegeben, der durch die Aktion beim Christkindlmarkt die witterungsbedingt riskante Veranstaltung finanziell etwas absichern könne.

Der Bürgermeister plädierte dafür, diesem Wunsch zu entsprechen, wies jedoch mit Nachdruck darauf hin, dass es sich um einen einmaligen Zuschuss handele, der keinen Automatismus Richtung Regelförderung nach sich ziehen dürfe. Je nach Haushaltslage müsse die Stadt von Jahr zu Jahr neu entscheiden können.

Einstimmig befürwortete der Ausschuss diese Vorgehensweise. Allgemeiner Tenor: Wasserburg muss was tun, um aus der Masse der Veranstaltungen herauszustechen. Die Illumination der Fassaden ist der richtige Weg, findet Wolfgang Janeczka (SPD). Die Lichter würden dem Christkindlmarkt die anheimelnde adventliche Stimmung bringen, die eigentlich mit Veranstaltungen dieser Art verbunden sei. Allerorts würden die Märkte leider mehr und mehr zum Trink- und Essvergnügen. Heike Maas (CSU) erinnerte daran, dass mit der Lichtershow auch die optische Verbindung zwischen Markt und Eisbahn geschaffen werde, ein wichtiger praktischer Effekt. Edith Stürmlinger (Bürgerforum) sprach von einer Beleuchtungsaktion, die bei den Besuchern sehr gut ankomme und deshalb unterstützenswert sei.

Steffi König (Grüne) begrüßte ebenfalls das Konzept, das ihr sehr gut gefalle. Sie sah sich jedoch gezwungen, „etwas Salz in die Wunde zu streuen“. Es gehe in den vergangenen Jahren stets darum, mehr Attraktivität für den Christkindlmarkt zu generieren. Die Eisbahn bekomme jetzt auch Konkurrenz in Ebersberg, vielerorts gebe es Konkurrenzveranstaltungen. Müsse Wasserburg immer weiter dagegen halten? „Was brauchen wir als Nächstes? Eine Sprungschanze, eine Eisschnelllaufbahn?“ Irgendwann sei eine Grenze erreicht. „Wo soll das hinführen? In einen Überbietungswahnsinn?“, fragte König.

Der WFV hatte noch einen zweiten Zuschussantrag gestellt, der ebenfalls einstimmig durchging: Er bekommt für die Werbe- und Marketingkosten von der Stadt seit 2005 einen Betrag von 15000 Euro. Er wird nun auf 20000 Euro erhöht. Denn die Marketingkosten sind laut WFV seit 2019 von 68000 auf 85000 Euro gestiegen, eine allgemeine Preissteigerung als Folge der Pandemie.

Rotstift
angesetzt

Der Verband hat nachgewiesen, dass er keine zusätzlichen Aktionen beworben hat, sondern sogar den Rotstift angesetzt hat, so Kölbl. Tatsache ist nach seinen Angaben außerdem: Das Frühlingsfest Wasserburg, dessen Ertrag jährlich in den Christkindlmarkt floss, macht immer weniger Umsatz und Gewinn, weil auch hier die Kosten stark angestiegen sind. Auch deshalb sei der Zuschussantrag des WFV angemessen, findet Kölbl. Der Ausschuss stimmte ihm bei. Der WFV sei sehr aktiv, alles im Ehrenamt, die Stadt profitiere umfangreich davon. Auch für Gastronomie und Einzelhandel seien Veranstaltungen wie Christkindlmarkt, Eisbahn und Wasserburg leuchtet sehr wichtig, so Maas.

Ein dritter Antrag, bei dem es nicht um finanzielle Fragen ging, passt ebenfalls in die Thematik: Der WFV benötigt erneut eine Genehmigung dafür, das Kinderkarussell so wie 2024 anders zu situieren, als von der Stadt eigentlich gewünscht. Trotz intensiver Bemühungen sei es nicht gelungen, ein kleineres, für die Frauengasse geeignetes Fahrgeschäft nach Wasserburg zu holen.

Anträge
bündeln

Hauptgrund: Viele Betreiber würden sich auf die großen Weihnachtsmärkte mit täglichem Betrieb konzentrieren. In Wasserburg ist der Christkindlmarkt nur freitags bis sonntags geöffnet. Der Schausteller, der im Vorjahr gewonnen worden sei, wolle wiederkommen. Sein Karussell könne jedoch nicht in der Frauengasse aufgestellt werden, weil dort das Gefälle zu stark sei. Deshalb werde das Fahrgeschäft an der Ecke Salzsenderzeile/Herrengasse aufgebaut.

Auch hierfür gab es, weil alternativlos, das Ja des Ausschusses. Der Bürgermeister gab dem WFV nur einen Wunsch mit auf den Weg: Statt drei Anträge einzureichen, wäre es sinnvoller, mit der Stadt vorher ins Gespräch zu gehen und alle Anträge in einem zu bündeln.

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