von Redaktion

Seit ihrer Kindheit lebt Jana Lamers aus Wasserburg mit Hunden. Schon als Kind bewies sie großen Erfolg bei der Erziehung. Jetzt hat sie ihr Hobby zum Beruf gemacht. Ein Gespräch über Leinenpflicht und Hundeführerschein – beim Gassigehen mit Hündin Lotta am Inndamm.

Wasserburg – Lotta, 6,5 Jahre alt, genießt das Gassigehen mit Frauchen: Fröhlich tollt die Hündin durch das Gras am Wegesrand des Inndamms, legt einen kleinen Zwischenstopp am Ufer ein, schaut jedoch immer wieder zurück, als wollte sie sichergehen, dass Jana Lamers nach wie vor in Sichtweite ist: Der Australian Shepherd ist ein Vorzeigehund.

Wären alle Vierbeiner, die am Inndamm ausgeführt werden, so folgsam und ruhig, gäbe es in Wasserburg keine Diskussionen im Stadtrat um die Einführung einer Leinenpflicht.

Lotta ist sehr gut erzogen. Sie hört aufs Wort. Kein Wunder: Halterin ist Jana Lamers, Hundetrainerin. Sie hat ihre Liebe zu den Vierbeinern zum Beruf gemacht. Und trotz ihres Alters von erst 31 Jahren hat sie große Erfahrung. Denn Jana Lamers ist in einer Familie aufgewachsen, in der es immer einen Hund gab, manchmal sogar zwei. Pudelmischling, Dackel, Herdenschutzhund – egal, welche Fellnase im Haushalt lebte: Jana Lamers kümmerte sich, nicht nur beim Kuscheln, auch beim Gassigehen, erinnert sie sich.

Wissen, wie der
Hund denkt

Sie war acht Jahre alt, als sie zum ersten Mal Verantwortung für einen Hund übernahm. Er wog 50 Kilo, das zierliche Mädchen hatte es nicht leicht, sich Respekt zu verschaffen. Doch sie bestand schon damals darauf, mit der Herdenschutzhündin Gassi zu gehen. „Mein Opa schlich hinter uns her und hat kontrolliert, ob ich auch klarkam“, erinnert sie sich lachend. Sie schaffte es, auch weil sie sich intensiv mit der Hündin beschäftigte. Sie baute Hürden und Wippen im Garten auf, trainierte mit Chicca, wollte als Mädchen immer wissen, „wie der Hund denkt und was er versteht“.

Kurz vor dem Abitur hauchte die Hündin ihr Leben aus, zurückblieb eine Absolventin im Abi-Stress und in tiefer Trauer um den vierbeinigen Wegbegleiter. Jana Lamers Vater sah ein: Ohne Hund geht es nicht. Eine Labrador-Dame kam ins Haus. Die Erziehung übernahm zum ersten Mal ganz allein die junge Halterin. Dreimal in der Woche ging sie mit Ella in die Hundeschule, erzog sie nach Lehrbuch, beschäftigte sich intensiv mit dem Mischling, dem sie auch Choreografien aus dem Dog-Dancing beibrachte.

Über Umwege
zum Traumberuf

„Mach doch was mit Hunden“, lautete der Ratschlag für das Ausbildungs- und Berufsleben in der Familie. Tiermedizin? Jana Lamers nahm davon Abstand, weil sie kein Blut sehen kann. Eine Ausbildung zur Hundetrainerin? Sie war damals noch nicht staatlich anerkannt. Zuerst sollte es „wos G’scheids“ sein, erinnert sie sich. Die sportliche junge Frau studierte Gesundheitsmanagement, dual, mit praktischer Arbeit im damaligen Wasserburger Sportpark „Fit & Fun“.

Doch der Traum von einem Beruf, bei dem sie ihre Leidenschaft für Hunde ausleben kann, ließ sie nicht mehr los. Die Begegnung mit Regina Ditz, eine Verhaltenstherapeutin für Hunde, die auch das Tierheim Rosenheim unterstützt, brachte den Durchbruch. Jana Lamers entschied sich, die mittlerweile anerkannte Ausbildung zur zertifizierten Hundetrainerin doch noch zu absolvieren: im Schulungszentrum Ziemer & Falke in Steinhöring. Die Prüfung legte sie am Staatlichen Veterinäramt Rosenheim ab.

Erneut ließ sie einen Traum erst einmal beiseite: Gerne hätte sie sich gleich mit einer eigenen Hundeschule selbstständig gemacht, doch das Risiko war ihr zu groß. Sie fing bei einer Hundeschule in der Region als Mitarbeiterin an, arbeitete nebenbei in der Buchhandlung Herzog in Wasserburg.

Sie machte sich einen Namen, erhielt immer mehr Anfragen nach Trainingseinheiten in der Region Wasserburg – und entschied sich schließlich doch zum Sprung in die Selbstständigkeit. „Janas Hundewelt“ entstand: mit Kursen an verschiedenen Orten in der Region und steigenden Teilnehmerzahlen. „Es war ein Selbstläufer“, erinnert sich die Leiterin kopfschüttelnd. Den Erfolg kann sie immer noch nicht ganz fassen.

Der nächste Traum war ein eigener Hundeplatz, ein fester Standort zum Trainieren, für Kurse und Workshops. Und wieder ging er in Erfüllung. Über die erste Praktikantin im Betrieb, Andrea Gablik, mittlerweile als ebenfalls zertifizierte Trainerin auf Minijob-Basis angestellt, entstand der Kontakt zu den Verpächtern einer Fläche in Attelthal. Der perfekte Platz, findet Jana Lamers: Inndamm, kleine Waldflächen, Wiese, ein Holzpavillon zum Lagern von Geräten.

Hunde brauchen klare
Regeln und Grenzen

Der Hundeplatz ermöglicht ihr außerdem, das Angebot auszuweiten: auch auf Welpen- und Junghundetrainings. Sieben Gruppen mit drei bis sieben Teilnehmern plus Hunden bildet Jana Lamers mittlerweile aus, unterstützt von Mitarbeiterin Andrea Gablik, die sie selbst ausgebildet hat. Die Schule gibt auch Einzelstunden, macht Hausbesuche, bietet Workshops an, lädt Gastdozenten ein.

„Mein Steckenpferd ist die Vernetzung“, sagt die 31-Jährige. Sie sieht ihren Hundeplatz als Treffpunkt und Kommunikationsstätte für Experten, Halter, Hunde. Auch Spezialisten, etwa zum Thema Verhaltensauffälligkeiten oder Hundekrankheiten, geben in ihrer Schule ihr Wissen weiter.

Jana Lamers Credo: „Wir können von unseren Hunden nichts erwarten, was wir ihnen nicht beigebracht haben.“ Die Vierbeiner benötigen nach ihren Erfahrungen klare Regeln und Grenzen. Sie müssen lernen, was sie dürfen und was nicht. All dies sei mit liebevoller Konsequenz zu vermitteln, sagt sie. Man lernt nie aus – diese Weisheit gelte auch für Hunde, so die Expertin. Sie seien in der Regel bereit, sich Neuem zu öffnen. Deshalb sei es auch wichtig, ihnen Beschäftigungsmöglichkeiten anzubieten oder den Kontakt mit anderen Hunden zu ermöglichen.

Denn, so erklärt die Expertin, Hunde könnten sich durchaus auch langweilen. Natürlich gebe es auch Vierbeiner aus dem Tierschutz, die Verhaltensauffälligkeiten zeigen würden, weil sie schlimme Erfahrungen gemacht hätten, sagt Jana Lamers. Doch auch solche Hunde könnten lernen, sich zu konzentrieren.

Aufgedrehte, hibbelige Vierbeiner: Solche Auffälligkeiten könnten auch eine Folge falscher Ernährung sein. Ein Hund bekomme in der Regel jeden Tag das Gleiche zu fressen. Sei die Ernährung falsch aufgebaut, könne es auf lange Sicht gesehen „gesundheitlich viel kaputt machen“.

Hundehaltung oft
im falschen Umfeld

Außerdem stellt Jana Lamers fest, dass viele Hunde zu wenig Erholung bekommen. Sie seien heutzutage voll integrierte Familienmitglieder, immer überall dabei. Doch ein Hund, der stets mitgezerrt werde, bekomme nicht ausreichend Schlaf. 16 bis 18 Stunden am Tag muss sich ein Durchschnittsvierbeiner ausruhen. Es gebe außerdem Hunde, die aufgrund ihrer Rasse nicht zum Lebensbild ihres Halters passen. Oft sei ein angeblich schwieriger Hund gar nicht schwierig, so Lamers, sondern werde nur in einem Umfeld gehalten, das ihm nicht gerecht werde.

Ein Hundeführerschein
gibt Sicherheit

Ein Hundeführerschein für Halter – das wird immer mal wieder gefordert: Das macht auch in den Augen von Jana Lamers Sinn. Denn es sei wichtig, die Grundregeln im Alltag zu kennen, sagt sie. Das gebe Halterin Sicherheit und die Gewissheit, dass ihre Vierbeiner sich ordnungsgemäß verhalten. Ein Hund müsse immer zurückgerufen werden können, so Lamers.

Lotta kommt sofort angesaust, wenn Jana Lamers sie ruft. Wenn dies alle Gassigeher können würden, bräuchte es keine Leinenpflicht am Inndamm, sagt sie. Dass es Groll gegenüber Hunden und Haltern gibt, die sich nicht an die Regeln halten, kann sie verstehen. Denn es seien auch Hundebesitzer unterwegs, die den Kot nicht wegräumen oder ihren Vierbeiner erlauben würden, herumzustreifen oder andere anzuspringen. Das könne zu traumatischen Erlebnissen führen.

Auch Jana Lamers ist schon einmal von einem fremden Hund gebissen worden. Und Lotta reagiert ungehalten, wenn Fremde mit ihr kuscheln wollen. Die Hundeschulleiterin empfiehlt Spaziergängern daher, Tieren respektvoll zu begegnen. Nicht jeder Hund wolle sich streicheln lassen. Generell seien Hunde sehr treue, faire Lebenswesen. „Als Halter bekommen wir sehr viel zurück.“ Mit einem Hund als Begleiter durchs Leben zu gehen, „das ist einfach wunderbar“.

Hündin Lotta schaut sie freundlich an, als sie das sagt. So als habe der Australien Shepherd sie verstanden.

Hundeerziehung mit liebevoller Konsequenz

Hunde in Wasserburg

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