Kirchdorf – Verwaltungschaos, scharfe Kritik in der Bürgerversammlung, geplatzte Gemeinderatssitzung: Die vergangenen drei Jahre in Kirchdorf hatten es in sich. Der, der den Karren aus dem Dreck ziehen soll, zumindest wenn es, wie berichtet, nach der Mehrheit des Gemeinderats geht, ist Franz Wieser (36).
Der Großteil der Kirchdorfer dürfte ihn kennen, ist Wieser doch von Geburt an Kirchdorfer und in der Gemeinde seit Jugendtagen engagiert. Aktuell ist er als Vorsitzender im Gartenbauverein und als Mitglied der Feuerwehr tätig.
Betriebshelfer
und Berater
Vielen Landwirten dürfte er auch als Betriebshelfer und Berater für ökologische Landwirtschaften von Naturland bekannt sein. Geboren und aufgewachsen auf dem elterlichen Hof in Asen, sieht sich Wieser als „neutraler Außenstehender“ im Streit um das Verwaltungschaos. Schließlich, sagt er, sei er ja kein Gemeinderatsmitglied.
Und doch hat Wieser seine eigene Meinung zur verfahrenen Situation im Gemeinderat. „Es braucht mehr Kommunikation“, sagt er. Das habe er in mehreren Gesprächen mit Gemeinderatsmitgliedern, aber auch mit anderen Kirchdorfer Bürgern mitbekommen. „Jeder muss sich abgeholt fühlen und wissen, was Sache ist.“ „Mehr Kommunikation“ sei daher auch sein großes Ziel und der Grund, warum er sich als Bürgermeisterkandidat zur Verfügung stellen wollen würde. Als Bürgermeister wolle er „Moderator sein“, Diskussionen leiten. „Das Wichtigste ist: Man redet miteinander. Der Wille dazu muss von jeder Seite da sein.“ Nicht immer müsse ein Gremium einer Meinung sein, aber mit den getroffenen Entscheidungen müsse am Ende jeder leben können. Dann könne der Gemeinderat auch wieder als ein Team funktionieren.
Erfahrung im Gemeinderat selbst hat Wieser, wie er zugibt, noch nicht. Aber er könne auf andere Erfahrung in der Gremienarbeit zurückgreifen. Sieben Jahre lang, zwischen 2016 und 2023, sei er hauptamtlich als Agrarreferent im Landesverband der katholischen Landjugendbewegung tätig gewesen. Habe hier auch Ausschüsse geleitet. Die Themen, sagt er, seien sehr ähnlich zu denen im Gemeinderat gewesen. „Es ging immer viel um den ländlichen Raum. Um Wohnkonzepte, Energiepolitik, Flächenversiegelung.“ Die Zeit sei prägend für ihn gewesen. „Ich habe viel darüber gelernt, wie man kommuniziert“, erzählt Wieser.
Diese Erfahrung sei auch der Grund, warum er sich selbst das Amt des Bürgermeisters zutraue. Dennoch habe er lange überlegt, ob er sich als Kandidat zur Verfügung stellen solle. Ursprünglich hätte er sich nicht als „Gegenkandidaten“ zum amtierenden Bürgermeister Christoph Greißl aufstellen wollen. Nun, nach mehreren Gesprächen, schätze er es aber als „fair“ ein, wenn die Kirchdorfer eine zweite Wahlmöglichkeit hätten.
Pläne hat Wieser auch. Neben besserer Kommunikation im Gemeinderat wolle er das Vereinsleben in Kirchdorf noch mehr fördern. Hier sei großes Potenzial gerade in der Jugendarbeit vorhanden. „Wir haben das Glück, dass wir viele gesunde und lebendige Vereine in der Gemeinde haben. Das gehört unterstützt und gefördert“, so Wieser. Ein weiteres Thema, dass er angehen will: die Weiterentwicklung des Heizwerks. Hier müssten Möglichkeiten geschaffen werden, um dies lukrativer zu gestalten. Auch der Lückenschluss beim Glasfaserausbau müsse mit Nachdruck angegangen werden. Ein Anliegen sei ihm zudem die Sanierung des Spielplatzes und der weitere Ausbau des Radwegs nach Fürholzen.
Versammlung
am 16. Oktober
Franz Wieser will sich, genau wie der amtierende Bürgermeister Christoph Greißl, von der Freien Wählergemeinschaft Kirchdorf (FWG Kirchdorf) nominieren lassen.
Die Aufstellungsversammlung dazu findet am 16. Oktober um 20 Uhr im Gasthaus Grainer in Kirchdorf statt. Eingeladen sind alle Interessierten aus dem gesamten Gemeindegebiet Kirchdorf.