von Redaktion

Heimlich, still und leise ist in Bruckmühl aus der Flüchtlingsunterkunft wieder die Turnhalle des Gymnasiums geworden. Wie glücklich Schulleitung, Lehrer und Schüler darüber sind – und welche „Erwartungshaltung“ Direktorin Alexandra Eberhardt gegenüber dem Landratsamt hat.

Bruckmühl – „Ein Traum“, „Super“, „Wir sind überglücklich“. Reaktionen aus Bruckmühl, die einen Vorgang beschreiben, der eigentlich normal sein sollte. Was die Menschen dort so glücklich macht? Dass am Gymnasium Bruckmühl nach fast drei Jahren wieder Schulsport in der Turnhalle angeboten werden kann. Denn pünktlich zum neuen Schuljahr wurde die Turnhalle, die aufgrund des Angriffs Russlands auf die Ukraine und einer daraus resultierenden Flüchtlingswelle seit Herbst 2022 als Flüchtlingsunterkunft genutzt worden war, wieder ihrer Bestimmung übergeben. Vom Mannschaftssport über Geräte- bis zum Bodenturnen: Was in den vergangenen Jahren nur im Freien oder in anderen Sportstätten der Region, zu denen die Schüler aufwendig gebracht werden mussten, möglich war, ist nun wieder direkt in der Turnhalle des Bruckmühler Gymnasiums möglich. „Gott sei Dank können wir die Turnhalle jetzt wieder voll nutzen“, zeigt sich daher Schulleiterin Alexandra Eberhardt erleichtert.

Massive Schäden
am Equipment

Dass es dann letztlich doch so schnell gegangen ist, hat auch die Oberstudiendirektorin überrascht. „Es lag wohl auch daran, dass es nicht so viele Schäden gegeben hat, wie gedacht“, sagt Eberhardt. „Die Halle ist am Ende noch einmal gereinigt worden, sodass wir sie wirklich bereits zu Beginn des Schuljahres sofort nutzen konnten.“ Was für die Schüler, aber auch das Kollegium „eine Befreiung“ gewesen sei: „Es ist schon ein großer Vorteil, dass die Schüler jetzt nicht mehr zu anderen Sportstätten gefahren werden müssen.“

Um den Neustart in und mit der Turnhalle gebührend zu feiern, hatte die Fachschaft Sport unter der Leitung von Agnes PildnerStacheder gleich in den ersten Tagen nach Schulstart zu einem Spendenlauf unter dem Titel „Welcome back!“ geladen, an dem letztlich rund 800 Schüler und Lehrer die Herausforderung eines 1,2 Kilometer langen Parcours angenommen hatten. 5037 Runden wurden von den Sportlern absolviert und dabei 7555 Kilometer heruntergespult.

Über 14000 Euro hatten die Athleten dabei erlaufen. Das Geld soll zur Hälfte der Bruckmühler Tafel, zur anderen Hälfte der Schule zugutekommen. „Wir wollen unseren Teil zur Anschaffung von Sportgeräten und Bewegungsangeboten in der Pause nutzen, da die Schüler jetzt ja fast drei Jahre in ihrer Bewegung so eingeschränkt gewesen sind“, verrät Eberhardt.

Besonders groß ist die Freude über die Rückkehr in die Turnhalle aber natürlich bei der Fachschaft Sport und den Schülern, wie Pildner-Stacheder gegenüber dem OVB verrät. „Es ist ein Traum“, so die Sportlehrerin. „Wir sind überglücklich, dass wir endlich wieder zu Hause Sportunterricht machen dürfen.“ Auch die Schüler würden es „sehr genießen, dass sie nicht mehr mit dem Bus zu einer anderen Sportstätte fahren müssen“.

Einziger Wermutstropfen: Die lange Ruhepause hat einem erheblichen Teil des Sport-Equipments massiv zugesetzt. „Wir mussten kräftig ausmisten, da Einiges durch die Lagerung in Containern und die Nicht-Benutzung kaputt gegangen ist“, verrät Pildner-Stacheder. Der Schaden reicht von kaputten Bällen über beschädigte Matten bis hin zu Sonnenschirmen, in die Mäuse große Löcher gefressen haben. „Wir machen gerade eine Schadensaufstellung, die wir dann beim Landratsamt einreichen werden“, verrät die Fachbereichsleiterin, die den entstandenen Schaden in einer ersten Schätzung auf einen fünfstelligen Betrag taxiert.

Auch für die Sanierung der Halle nach der Nutzung als Flüchtlingsunterkunft musste vermutlich ein höherer fünfstelliger Betrag aufgewendet werden, wie Sybille Gaßner-Nickl, Sprecherin des Landratsamtes Rosenheim, auf OVB-Anfrage verrät. Die genauen Kosten lassen sich aktuell laut Gaßner-Nickl aber noch nicht beziffern. „So mussten unter anderem Teile des Hallenbodens und mehrere Sanitäreinrichtungen erneuert werden. Hinzu kamen Ausräum- und Reinigungsarbeiten sowie die Pflege des Außenbereichs“, so die Behördensprecherin.

Nach Angaben des Landratsamtes waren zum 1. Juni noch 50 Personen in der Turnhalle, in der insgesamt Platz für 180 Betten war, beheimatet. Diese wurden dann nach und nach in dezentralen Unterkünften im gesamten Landkreis untergebracht. Zum 30. Juni wurde die Nutzung der Sporthalle als Flüchtlingsunterkunft seitens der Behörde beendet, sodass im Anschluss die Sanierung stattfinden und eine Freigabe der Halle für den Schulsport zum Beginn des neuen Schuljahres erfolgen konnte.

In der neuen Erstaufnahmeeinrichtung an der Wernher-von-Braun-Straße in Bruckmühl, die bis zu 200 Menschen, darunter 30 unbegleitete Minderjährige, einen Platz bietet und die durch einen Deal der Marktgemeinde mit dem Landratsamt ermöglicht worden war, werden die ersten Flüchtlinge voraussichtlich Mitte beziehungsweise Ende November erwartet. „Der Baufortschritt läuft planmäßig“, teilte Gaßner-Nickl mit. „Die Abnahme soll Ende Oktober erfolgen.“

Die Gestaltung der Unterkunft – vor allem die bunte Bemalung – findet übrigens durchaus Anklang bei einigen Gemeindebürgern. „Jedes Mal, wenn ich vorbeifahre, freue ich mich über das wunderschön angemalte neue Flüchtlingshaus in Bruckmühl“, hatte erst jüngst eine OVB-Leserin gegenüber unserer Redaktion zu Protokoll gegeben. „Eine super Idee, die etwas einfachen Flüchtlingsunterkünfte freundlich zu gestalten. Ein Lob denen, die sich das ausgedacht haben.“

Landratsamt
steht im Wort

Die „Baustelle“ Turnhalle, die sie und ihren Vorgänger Walter Baier jahrelang beschäftigt hat, kann Schulleiterin Eberhardt nun jedenfalls ad acta legen. Zumal das Angebot der Marktgemeinde Bruckmühl an den Landkreis, eine Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in der Kommune zu ermöglichen, damit einhergeht, dass eine erneute Nutzung der Gymnasium-Turnhalle als Flüchtlingsunterkunft weitestgehend ausgeschlossen wird. Eberhardt: „Wir haben volles Vertrauen, aber auch die Erwartungshaltung, dass sich das Landratsamt an diese Abmachung halten wird.“

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