von Redaktion

„Ein großer Schritt“ ist der Beitritt des Landkreises Mühldorf zum MVV, sagt Landrat Max Heimerl. Was dieser Schritt dem einzelnen Bürger bringt und warum trotzdem noch ein weißer Fleck auf der Landkreis-Karte bleibt.

Mühldorf – „Es sind nur noch wenige Wochen, dann gehen wir den offiziellen Schritt in den MVV“, leitete Landrat Max Heimerl die Pressekonferenz zum historischen Ereignis ein. Ab 1. Januar 2026 gehört der Landkreis Mühldorf zum Münchner Verkehrs- und Tarifverbund MVV. Was genau die Verbunderweiterung für die Menschen im Landkreis bedeutet, haben der Landrat und MVV-Geschäftsführer Dr. Bernd Rosenbusch erläutert.

Einfacher,
digitaler und billiger

Heimerl deutete die Abkürzung MVV kurzerhand für seine Zwecke um. „MVV bedeutet: Mühldorf verbessert seine Verkehre“, scherzte er. „Wir entwickeln damit unseren Personennahverkehr weiter, das ist ein wichtiger und großer Schritt.“ Zwar werden quantitativ nicht mehr Busse durch den Landkreis fahren, aber qualitativ werde es „für jeden einzelnen Fahrgast einfacher, digitaler und für fast alle Verbindungen günstiger.“ Somit profitiere auch der Geldbeutel der Bürger.

Des Landrats Fazit: „Der Beitritt bringt für die Bürger ausschließlich Vorteile. Der Landkreis legt zwar rund 300000 Euro drauf, verbessert aber das Angebot für die Mobilität der Bürger. Und wir leisten einen Beitrag zum Klimaschutz, denn viele könnten vom eigenen Auto auf Bus und Bahn umsteigen.“

Nachbarlandkreis
überlegt noch

Im Bereich der SOB kann auch weiterhin das Fahrrad kostenlos mitgenommen werden. Das sei im MVV normalerweise nicht üblich und nur der Hartnäckigkeit des Mühldorfer Landrats zu verdanken, verriet der MVV-Chef.

Dr. Bernd Rosenbusch freute sich „riesig“, dass ab 1. Januar auch der Landkreis Mühldorf Teil des MVV sein wird. Dieser Beitritt war Teil der dritten MVV-Erweiterungswelle. Rosenbusch denkt schon an Welle vier, die für den Landkreis Mühldorf besonders interessant wäre: „Vielleicht ist ab dem Jahr 2027 auch der Landkreis Altötting dabei. Derzeit läuft dazu eine Erweiterungsstudie.“ Im Dezember werde er die Ergebnisse im Altöttinger Kreistag präsentieren.

Mit dem Start ins Jahr 2026 werden dem Münchner Verkehrsverbund rund 410 Gemeinden mit circa 4,15 Millionen Einwohnern auf einem Gebiet von fast 14000 Quadratkilometern angehören. Dann gelte für alle der Leitspruch aus dem Gründungsjahr 1972: „Ein Ticket, alle Möglichkeiten.“

Rosenbusch nannte ein Beispiel: „Wenn Sie jetzt von Waldkraiburg nach Starnberg fahren, brauchen Sie drei Tickets. Ab 1. Januar ist nur noch eins nötig.“ Der MVV-Tarif löse alle bisher im Landkreis geltenden unterschiedlichen Tarife ab.

Fahrkarten können entweder an Automaten am Bahnhof oder bei jedem Busfahrer gekauft werden. Sie müssen an den MVV-Entwertern, künftig ebenfalls an den Bahnhöfen und in Bussen, vor der Fahrt gültig gestempelt werden. Noch einfacher mache es die MVV-App: „Sie geben Start und Ziel ein, erfahren den Preis und erhalten Ihr Ticket als QR-Code aufs Handy.“

Und es geht sogar noch simpler: „Mit Swipe am Smartphone starten Sie die Fahrt mit nur einem Wischer und beenden sie auch so, dafür wird automatisch immer der günstigste Preis abgerechnet“, vermeldete Rosenbusch stolz. „Sie brauchen sich nicht mit den einzelnen Zonen des Verbunds beschäftigen.“ Für die Einfachheit von Swipe sei er kürzlich auch von Münchens anfangs skeptischem Oberbürgermeister gelobt worden.

Wer kein Smartphone besitzt, kann Tickets wie die Streifenkarte gewohnt in Papierform erwerben. Und es wird ab 1. Januar auch einen Kundendialog per Telefon geben. „Dort kann man anrufen und fragen, wann der nächste Bus oder Zug zu einem bestimmten Zielort abfährt“, versichert der MVV-Geschäftsführer.

Wie die Erfahrung der MVV-Erweiterung um die Landkreise Rosenheim und Miesbach vor zwei Jahren gezeigt habe, komme die Umstellung auf den MVV bei den Fahrgästen sehr gut an: „Ohne, dass dort auch nur ein Bus mehr eingesetzt wurde, haben wir dort allein durch die Einfachheit unseres Angebots elf Prozent neue Kunden hinzugewonnen.“

Rufbus
ist nicht dabei

Mit einer breit angelegten Werbekampagne sollen alle Bürger des Landkreises Mühldorf erfahren, dass ihr Landkreis jetzt im MVV ist und wie einfach es mit dem Umstieg und auch für die Zukunft für sie sein wird.

Ein weißer Fleck bleibt jedoch auf der MVV-Karte für den Landkreis Mühldorf. „Wir sind mit den Landkreis-Buslinien für den ÖPNV im ganzen Landkreis zuständig, nicht aber für die Städte Waldkraiburg und Mühldorf“, erklärte Heimerl dazu. „Waldkraiburg ist bereits dem MVV beigetreten, die Kreisstadt Mühldorf hat sich noch nicht dazu entschlossen.“

Rosenbusch ergänzte: „Wir sind im Austausch mit der Stadt Mühldorf, könnten auch den Rufbus in unser Buchungs- und Bezahlsystem aufnehmen. Entscheiden muss darüber der Stadtrat.“ Eine Fahrt mit dem Rufbus würde dann 2,10 Euro kosten, was dem Preis einer MVV-Gemeindekurzstrecke entspricht.

Auf Nachfrage erklärte dazu die Stadt Mühldorf: „Es gab einen Austausch zum Thema mit dem MVV und auch im Stadtrat, das Thema wird im kommenden Jahr nochmals auf die Agenda kommen.“

Ein Ticket, ein Tarif

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