Mühldorf – Ein vermeintlich totes Tier am Straßenrand – fast jeder Autofahrer kennt dieses Bild. Während viele Menschen aber einfach daran vorbeifahren, hat Barbara Baust aus Mühldorf genauer hingeschaut und einen Kater vor dem sicheren Tod gerettet. Doch wohin bringt man ein Tier in so einem Fall? Und wer kommt für die Kosten auf?
„Die Katze war blutüberströmt, aber sie hat den Kopf gehoben. Also war mir klar, sie lebt.“ Als Barbara Baust am Dienstag (26. September) auf dem Nachhauseweg von der Arbeit einen angefahrenen Kater am Straßenrand liegen sieht, handelt sie sofort und bringt das Tier in eine Tierarztpraxis in Oberbuch bei Kirchweidach.
Zum Glück ist Baust vom Fach. Die Mühldorferin betreibt in Feichten an der Alz ein Tier-Therapiezentrum und hat neben der eigenen Expertise ein großes Netzwerk aus Tierärzten und -kliniken, mit denen sie zu-sammenarbeitet. „Der Kater muss dort sicher zwei Stunden gelegen haben, denn er hatte massive Untertemperatur“, erinnert sich Baust. „Ich finde es erschreckend, dass niemand angehalten und sich um ihn gekümmert hat.“ Der Kater – Baust gibt ihm den französischen Namen Albert – ist nicht gechippt, nicht kastriert, einen Halter kann die Mühldorferin auch online nicht ausfindig machen. „Das ist wirklich ein Problem, solche Fälle gibt es leider immer wieder.“ Für Baust ist klar, sie übernimmt die Verantwortung für das Tier und die Kosten für die Behandlung. In der Praxis in Oberbuch wird der Kater über Nacht stabilisiert und am nächsten Tag geröntgt. Das Ergebnis: ein Pneumothorax, also Luft zwischen Lunge und Brustwand, was zum Lungenkollaps führen kann, sowie mehrere Beckenfrakturen.
Schließlich bringt Baust das Tier ins Vet-Zentrum nach Bad Reichenhall, wo es nach fünf Tagen operiert wird. „Albert war vorher leider nicht narkosefähig, weil das Trauma in der Brust so massiv war“, erklärt die Mühldorferin. Nun hat der Kater die Operation gut überstanden und Barbara Baust päppelt ihn wieder auf. Dann muss ein Pflegeplatz für ihn gefunden werden. Auch das kostet Geld. Insgesamt rechnet Baust mit Kosten um die 5000 Euro für die Behandlung und die Pflege des Katers.
Sie appelliert trotzdem an alle, verletzte oder heimatlose Tiere mitzunehmen und zum Tierarzt oder in ein Tierheim zu bringen. „Helfer müssen keine Angst vor hohen Kosten haben, denn es gibt in jeder Gemeinde eine Fundtierpauschale“, erklärt sie.
Es handelt sich um Geld, das die Gemeinden an Tierheime oder Tierschutzvereine zahlen, um die Kosten für die Haltung von Fundtieren, einschließlich Futter und Tierarzt, zu decken. Leider reicht das Geld oft nicht aus, um wirklich alle Kosten zu decken, denn jede Gemeinde legt ihre eigene Pauschale fest. „Trotzdem sollte jeder helfen und sich der Verantwortung stellen“, so Baust. „Das fängt beim Chippen und Kastrieren des eigenen Tieres an“, betont sie, „und geht weiter beim Mitnehmen von angefahrenen Tieren.“ anb