Wasserburg – Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und eine Fibel keinen römischen Gutshof, aber wenn auf dem Gelände zwischen dem südlichen Wasserburger Stadtrand und Hafenham mittlerweile drei Bruchstücke römischer Fibeln (Gewandnadeln) gefunden wurden, lässt das aufhorchen. Zwar lassen sich die Objekte nicht einfach zusammenfassen, da sie verschiedenen Typen und unterschiedlichen Zeiten zuzuordnen sind, aber bemerkenswert ist die Häufung dennoch.
Eine kleine Kniefibel, die 2023 gefunden wurde, wird in das 2./3. Jahrhundert nach Christus datiert, während eine 2025 geborgene Doppelknopffibel in das 1./2. Jahrhundert nach Christus gehört.
Letztere war ein typisches Detail der norisch-pannonischen Frauentracht und wurde oft zusammen mit einem Paar Flügelfibeln getragen, wie dies etwa das Ensemble aus einem Brandgrab im Steinbucher Forst bei Edling belegt. Da die Region bis an den Inn zur Provinz Noricum gehörte, ist dieser Fibelsatz ein charakteristischer Bestandteil der Tracht in der Gegend, der auch im Grenzgebiet zu Ratien getragen wurde.
Nun wurde darüber hinaus im September dieses Jahres bei Hafenham das Fragment (13 mal elf Millimeter) einer sogenannten kräftig profilierten Fibel aus dem 1./2. Jahrhundert nach Christus zutage gefördert – ein solches wurde auch schon bei Bachmehring entdeckt. Diesmal ist das Material allerdings Silber und weist auf eine wohlhabende Trägerin oder einen wohlhabenden Träger hin.
Zumindest bei dem jüngsten Fragment besteht der Verdacht, dass es sekundär verlagert wurde, da es in einem Bereich lag, der vielleicht nach einem Kiesabbau verfüllt wurde.
Aus diesem Grund lässt sich noch nichts darüber sagen, ob an diesem Standort ein römischer Hof („villa rustica“) existierte, zumal die Topografie hier nicht den klassischen Siedlungsvoraussetzungen entspricht. Man kann gespannt sein, was die nächsten Funde an Hinweisen bringen. Ferdinand Steffan