von Redaktion

20 Jahre Heimatverein Schnaitsee – ein Vorzeigeprojekt der Heimatpflege

Schnaitsee – Treibende Kraft zur Gründung eines Brauchtumsvereins war in den Jahren vor 2005 die damalige Ortsbäuerin Elisabeth Lamprecht. In ihrer Eigenschaft erkannte sie, dass – nicht zuletzt durch die abnehmende Anzahl von bewirtschafteten Höfen – mehr und mehr Brauchtum und historisches Wissen verloren gehen.

In Georg Strobl, Raiffeisenbank-Filialleiter, fand sie einen tatkräftigen Unterstützer ihres Vorhabens. Auch der von der Gemeinde Schnaitsee beauftragte Ortsheimatpfleger Reinhold Schuhbeck – quasi Einzelkämpfer auf dem Kultursektor – war begeistert von der Idee.

So trafen sich Anfang Dezember 2005 30 Bürger der früheren Gemeinden Schnaitsee, Waldhausen und Kirchstätt, um über die Gründung eines „Heimatvereins“ zu diskutieren. Kreisheimatpfleger Dr. Christian Soika informierte über das Wesen der bereits 40 historischen Vereine im Landkreis Traunstein mit insgesamt 400 Mitgliedern. Er betonte, dass die Qualität nicht an der Mitgliederzahl gemessen werden könne. Georg Strobl stellte dann die Ziele des neugegründeten Vereins vor: die Dorf- und Heimatgeschichte der Gemeinde Schnaitsee zu erforschen, das Brauchtum zu beleben, die Heimatkunde zu pflegen, die Ausstattung und den Betrieb eines künftigen Dorfmuseums zu fördern sowie Kulturgüter zu erforschen und zu erhalten. Der Verein solle überparteilich und überkonfessionell sein. Als Fachmann auf dem Verwaltungswesen hatte er bereits eine Satzung entworfen.

Aus der darauffolgenden Wahl gingen folgende Amtsträger hervor: Erster Vorsitzender Georg Strobl, Zweite Vorsitzende Elisabeth Heiß, Schriftführer Richard Hellmeier, Kassenwart Lorenz Dürnegger, Kassenprüfer Manfred Heistracher und Franz Rieperdinger. Der Vereinsvorstandschaft sollten als sogenannte „geborene“ Mitglieder auch der jeweilige Bürgermeister, damals Vitus Pichler, der Ortsheimatpfleger und ein Betreuer eines künftigen Dorfmuseums – damals Luitgard Graßl von der Gemeindeverwaltung – angehören.

Im Vorfeld der Vereinsgründung war auf Vorschlag von Architekt Eugen Maron bereits ein Arbeitskreis gebildet worden, der im Laufe des Jahres 2005 einen Bildband mit historischen Abbildungen erarbeitete und bis zur Druckreife entwickelte. Beim Martinimarkt am 6. November 2005 wurde dann der Bildband „Schnaitsee – Waldhausen – Kirchstätt – Erinnerung in Bildern“ mit etwa 120 Schwarz-Weiß-Bildern und vorfinanziert von der Gemeinde Schnaitsee der Öffentlichkeit präsentiert.

Zahlreiche Gemeindebürger hatten hierfür Hunderte Fotos eingereicht, die von der Gemeindeverwaltung digitalisiert archiviert wurden und heute noch einen „wahren Schatz“ darstellen.

Bereits im Jahr 2006 konnte der Heimatverein Schnaitsee sein 100. Mitglied begrüßen. Aktivitäten wie die Freilegung der Quelle für die Wasserversorgung des früheren Pflegegerichts Kling, ein historisches Dreschen, die Einführung eines jährlichen Gedenkens an den Marsch von KZ-Häftlingen 1945 durch Schnaitsee mit zwölf Toten markierten die Zielrichtung des neuen Vereins.

Ab 2010 übernahmen Vitus Pichler und Dr. Rosina Wäsle die Führung des Vereins. Die Vorstandschaft wurde um die Beisitzer Eugen Maron und Martin Meisl erweitert. Maron setzte sich für die Erkundung historischer Gebäude ein, Meisl war im Gremium der „Dorf-Mitte-Neugestaltung“ vertreten. 2011 war der Verein bereits auf 200 Mitglieder angewachsen.

Exkursionen, Tagesausflüge in die weitere Heimat oder die Teilnahme an Kunstprojekten des heimischen Metallkünstlers erweiterten das Angebot des Heimatvereins.

Im Rahmen einer jährlichen Radtour für die gesamte Familie wurde die nähere Gegend erkundet. Auf die Initiative von Ortsheimatpfleger Schuhbeck wurde ein Netz von beschilderten Wanderwegen angelegt.

2014 übernahm Ortsheimatpfleger Reinhold Schuhbeck das Ruder. Dr. Alexander Taschke wurde das Amt des Kassenwarts übertragen. Eine Podiumsdiskussion befasste sich 2016 mit dem Thema „Asyl – schaffen wir das?“. Als Antwort auf das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ gab der Heimatverein Anstöße und Hilfen zur Anlage von Blühflächen.

Die Traditionsveranstaltungen „Maitanz“ und „Kathreintanz“ wurden wiederbelebt und fanden besonders beim Publikum „Ü30“ großen Anklang. Auch das Schafkopfturnier am St. Leonhardtag wurde zu einem festen Beitrag im Jahreskreis. 2022 wurden Dr. Arnold Böhm und Manfred Heistracher als Erster und Zweiter Vorstand gewählt. Peter Zwingler wurde Kassenwart.

Zur Bewältigung der mittlerweile sehr umfangreichen Tätigkeiten wurde die Vorstandschaft um die Beiräte Franz Gmeindl, Josef Wagner, Dr. Ulrich Frost, Hans Schederecker und Irmengard Kirmaier erweitert. Nachdem die Gemeinde Schnaitsee Mitglied der Leader-Aktions-Gemeinschaft Chiemgauer Seenplatte geworden war, wagte der Heimatverein Schnaitsee sich auch an die Mitfinanzierung von Projekten dieser Gemeinschaft. So konnten die Ausstattung der zwölf Kirchen im Pfarrverband mit hochwertigen Emaille-Namensschildern, Info-Schildern historischer Gebäude im Gemeindebereich sowie die Transkription der historisch überaus wertvollen „Schnaitseer Chronik“ von Domvikar Johann Baptist Veichtmayr über den Zeitraum von 16 vor Christus bis 1862 und die Veröffentlichung in zwei Bänden bewerkstelligt werden.

Auch der Dokumentation, Pflege und dem Erhalt von Flurdenkmälern widmeten sich die Vereinsmitglieder. In diesem Rahmen wurde das vernachlässigte Marterl am Fahrnbichl an eine optimalere Stelle versetzt, die Stele bei Eggerding renoviert und die vergessenen Kirchstätter Sühnekreuze gerettet sowie an der Kirchstätter St.-Magdalena-Kirche diebstahlsicher aufgestellt.

Am Samstag, 25. Oktober, lädt der Heimatverein zu einer Bahnfahrt zur Landesausstellung „Ludwig I.“ in Regensburg ein. Beim Martini-Bauernmarkt am Sonntag, 9. November, werden Exponate aus der früheren Binderwerkstatt an der Kirchensurer Straße gezeigt.

Kultur, Geschichte und Zusammenhalt

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