Waldkraiburg – Die Bauweise komplett aus Holz, die Wohnungen in den oberen Etagen über einen Laubengang erreichbar, die Wohnblöcke mit Flachdach ausgeführt, ein Teil des Gebäudes auf Stützen – moderner, experimenteller Wohnungsbau aus den 1990er-Jahren, der damals als innovativ galt und architektonisch ins Auge sticht. Und heute? Nach knapp 30 Jahren stehen die beiden Wohnblöcke im Föhrenwinkel leer.
Tragende Balken
waren verfault
Die Entscheidung fiel der Stadtbau Waldkraiburg nicht leicht. Die beiden Gebäude im Eulenweg mit insgesamt 30 Wohnungen galten damals als Vorzeigeprojekt für zeitgemäßen, experimentellen Wohnungsbau. Doch nach knapp drei Jahrzehnten sind die Schäden an der Holzkonstruktion gravierend, Ausführungsmängel nicht zu übersehen – eine Sanierung wirtschaftlich nicht mehr vertretbar.
Die ersten Probleme traten nach dem Hagelsturm im Sommer 2021 auf. Zwar wurden die Schäden damals repariert, doch im Sommer 2023 brachte ein weiterer Wasserschaden die wahren Ausmaße ans Licht. „Aus heutiger Sicht wurden beim Bau manche Dinge nicht so ausgeführt, wie man es heute macht“, erklärt Stadtbau-Geschäftsführer Martin Reitmeyer.
Die Dichtigkeit der Dampfsperre sei nicht gegeben, tragende Balken seien verfault. „Es mussten sofort Notabstützungen eingezogen werden“, erklärt Reitmeyer. Ein Teil der Wohnungen musste sofort geräumt werden.
Ein Expertenteam untersuchte daraufhin die Gebäude eingehend. „Bei Bauphysik und Brandschutz gibt es Planungs- und Ausführungsmängel. Viele Dinge würde man heute ganz anders lösen“, fasst Reitmeyer die Ergebnisse zusammen. Damit war klar: Ein längerer Verbleib der Mieter in den Wohnungen war ausgeschlossen. Die bestehenden Brandschutzmängel wurden über zusätzliche Fluchtwege kompensiert, um Zeit für eine Entscheidung zu gewinnen.
„Die Frage war natürlich, wie es mit den beiden Gebäuden weitergehen soll“, sagt Reitmeyer. Abriss und Neubau oder Sanierung? „Eine Sanierung würde etwa acht bis 8,5 Millionen Euro kosten. Ein Neubau liegt in etwa im gleichen Bereich.“ Der Aufsichtsrat der Stadtbau entschied sich deshalb gegen eine Sanierung.
Für das Unternehmen bedeutet das eine wirtschaftliche Katastrophe: „Die Gebäude sind noch nicht abbezahlt, zum Teil noch in der Mietbindung – die Mieteinnahmen fehlen jetzt natürlich.“ In Bezug auf die Sozialwohnungsbindung habe man mit der Regierung eine Lösung gefunden und die Verpflichtungen auf andere Stadtbau-Wohnungen übertragen. „Ansonsten hätten wir Förderungen zurückzahlen müssen.“
Nach und nach wurden die Mieter in andere Stadtbau-Wohnungen umgesiedelt, seit August ist auch die letzte Wohnung geräumt. Wie es mit dem Areal weitergeht, ist bislang offen. „Die Stadtbau plant den Verkauf der beiden Gebäude. Eine eigene Bebauung ist aufgrund der Marktsituation aktuell für die Stadtbau nicht darstellbar“, führt Reitmeyer aus. Vorrang hätten andere Projekte wie der geplante Neubau am Schweidnitzer Weg.
„Eine endgültige Entscheidung ist aber noch nicht gefallen. Solange bleiben die Gebäude leer.“
Noch kein
Zeithorizont
Einen Zeithorizont kann Reitmeyer nicht nennen. „Aktuell ist kein günstiger Zeitpunkt – auch nicht für einen Verkauf. Wenn die Marktsituation eine andere wäre, dann könnten wir möglicherweise agieren.“ So aber bleiben die Wohnungen vorerst leer.